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Bananeros verschaffen sich Gehör

International Susanne Loher über politische Anwaltschaft und internationale Solidarität

ArbeiterInnen auf Bananenplantagen in Ecuador haben es schwer, für ihre Rechte zu kämpfen – zu groß ist die Angst vor Repressionen. Doch der Widerstand wächst – auch dank internationaler Unterstützung. Wie können kritische KonsumentInnen und BürgerInnen die Menschen an der Basis im Kampf um ihre grundlegenden Rechte unterstützen? Bananen sind ein Verkaufsschlager in den Supermärkten. Doch die Billigpreispolitik der großen Ketten hat gravierende Auswirkungen auf die Menschen in den Produktionsländern. Fast ein Drittel der weltweit gehandelten Bananen kommen aus Ecuador. Ausbeutung auf den Plantagen hat Tradition: Die ArbeiterInnen verdienen Hungerlöhne und sind giftigen Pestiziden ausgesetzt. Organisieren sie sich in Gewerkschaften, werden sie häufig bedroht oder entlassen. Es ist für sie äußerst schwierig, in der Öffentlichkeit für ihre Rechte zu kämpfen.

Parallel zum Jahresforum des mächtigen Exportverbandes AEBE in Guayaquil fand Anfang Oktober das „1. Treffen der Bananen-ArbeiterInnen für ihre Rechte, Gesundheit und die Natur“ statt. 150 ArbeiterInnen trafen sich mit Wissenschaft, Gewerkschaften und europäischen NGOs, darunter Südwind und weltumspannend arbeiten aus Österreich. Die ArbeiterInnen sprachen öffentlich über ihre Probleme und formulierten Forderungen zur Verbesserung der Arbeitsrechtssituation, die an Vertreter mehrerer Ministerien der ecuadorianischen Regierung und an den Exportverband übergeben wurden.

Efrén Vélez, Vorsitzender der ecuadorianischen Bananen-Gewerkschaft ASTAC, unterstrich dabei die Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit: „Es ist wichtig für uns, dass hier viele Organisationen aus Europa, aber auch aus anderen Produktionsländern wie Kolumbien, Peru und den Philippinen sind. Diese internationale Präsenz gibt uns mehr Gewicht; die Medien, Regierung und Firmen nehmen unsere Aktivitäten deshalb viel ernster.“

Dabei halfen auch Video-Botschaften von drei Europa-ParlamentarierInnen. Seit 2017 ist ein Handelsabkommen mit der EU in Kraft, das – bei aller Kritik – einen kleinen Hoffnungsschimmer für die Arbeitsrechte darstellt. Das – im zähen Verhandeln erreichte – Nachhaltigkeitskapitel fordert die Einhaltung der Menschenrechte, der ILO-Kernarbeitsnormen und den Schutz der Umwelt und könnte eine gute Grundlage für kritische Berichte, Klagen oder entsprechende Anstrengungen der Regierung sein.

Erste politische Wirkungen der Konferenz zeichnen sich ab: Der stellvertretende Arbeitsminister sagte zu, die Beschwerden von ASTAC über Arbeitsrechtsverletzungen zu prüfen. Auch die bisherige Weigerung der Regierung, ASTAC als Branchengewerkschaft anzuerkennen, will er überdenken. Wenn diese Zusagen halten, wäre das ein großer Erfolg. Doch obwohl die Exporteure via Medien Dialogbereitschaft ausrichten, werden weiter ArbeiterInnen gekündigt, die sich ASTAC anschließen, auch auf Plantagen, die für europäische Supermarktketten produzieren und von Rain Forest Alliance zertifiziert werden. Aktuell urgiert Südwind deshalb gemeinsam mit europäischen NGOs in einem Protestbrief die Einhaltung der Vereinigungsfreiheit bei allen Beteiligten entlang der Lieferkette.

Unter dem Motto „Make Fruit Fair“ informierte und mobilisierte ein europaweites NGO-Netzwerk BürgerInnen, um gegen die fortdauernde Ausbeutung von Menschen im Globalen Süden für unseren Konsum aufzutreten. In Österreich beschäftigte sich die Menschenrechtsorganisation Südwind intensiv mit der Situation der ArbeiterInnen auf Bananenplantagen: Recherchen zu Arbeitsbedingungen, Dialog mit Supermarktketten, ParlamentarierInnen und Gewerkschaften, Kampagnen gegen die Billigpreispolitik, konkrete Unterstützung bedrohter GewerkschafterInnen und Protestbriefe an Regierungen und Unternehmen. Auch der Einkauf von Bio- und Fairtrade-Bananen ist eine wichtige Strategie, um ArbeiterInnen vor dem Einsatz von gesundheitsschädlichen Pestiziden zu bewahren und bessere Einkommen für Kleinbauernfamilien zu erzielen.

Gleichzeitig wird dem Handel signalisiert, dass es im eigenen Interesse ist, nachhaltige Angebote zu forcieren. Eine andere Strategie zielt auf die politischen Rahmenbedingungen ab: Die Bekämpfung der „unfairen Handelspraktiken“, die jetzt auch den globalen Süden mitdenken soll oder eine gesetzlich geregelte Sorgfaltspflicht für transnational agierende Konzerne entlang der gesamten Lieferkette. In Frankreich wurde 2017 ein diesbezügliches Gesetz beschlossen, auf UN-Ebene erarbeitet eine Arbeitsgruppe ein passendes Abkommen.

Südwind beteiligt sich an verschiedensten Ansätzen zur Durchsetzung von fairen Arbeitsbedingungen und nachhaltigen Produktionsweisen weltweit. Gemeinsam mit weltumspannend arbeiten und dem VÖGB bietet Südwind regelmäßig Seminare und den einjährigen Lehrgang „Global denken – global handeln“. Gemeinsam mit den TeilnehmerInnen werden Gegenstrategien zur Ausbeutung ausgelotet und die Arbeit der Gewerkschaften mit Ansätzen der Zivilgesellschaft vernetzt. Mehr dazu auf: www.fairearbeit.at

Susanne Loher ist Betriebsrätin in der Menschenrechtsorganisation Südwind und arbeitet zu den Projekten „Make fruit fair!“ und „Menschenwürdige Arbeit“