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Löhne im Sturzflug

Vida Von Josef Stingl, Bundesvorsitzender des GLB

Wer erinnert sich nicht an Niki Laudas Werbespot, bei dem er mit übergewichtigem Koffer beim Flugschalter steht, diesen plündert und Mantel über Mantel überzieht und süffisant meint, er hätte nichts zu verschenken. Jetzt hat Lauda wieder eine eigene Fluglinie, auch bei der verschenkt er nichts. Schlimmer noch, seine Angestellten brauchen besagte Mäntel um im Winter nicht zu erfrieren. Denn bei einem Grundlohn von 600 Euros ist Heizen ein Luxus. Sorry, ganz so unsozial ist „Sir Niki“ dann doch nicht! Immerhin gibt er dazu eine Risiko- und Sonn- und Feiertagszulage von 360 Euro, damit seine Crew nicht mit Frostbeulen umherlaufen muss.

Bei jeder sich gebenden Möglichkeit loben ÖGB und Gewerkschaften Österreichs bestens bewährtes Modell der Mindestlöhne über Kollektivverträge mit ihrer fast flächendeckenden Tarifabdeckung. Ein gesetzlicher Mindestlohn würde den Sozialpartner_innen die Lohnpolitik entziehen und sei daher abzulehnen. Ersteren Teil der ÖGB-Meinung kann ich durchaus teilen. Allerdings schließt ein gesetzlicher Mindestlohn keine Kollektivverträge aus. Diese würden weiterhin über branchenspezifische Mindestlöhne und Arbeitsbedingungen notwendig und verhandelbar sein.

Und Laudas Lohnpolitik ist der Beweis dafür, dass unsere Erfolgsgeschichte Kollektivverträge nicht lückenlos ist und es in Österreich eines zweiten Existenzsicherungsnetzes für die Lohn- und Gehaltsabhängigen bedarf. Denn frei nach Lauda: Wir haben nichts zu verschenken!