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Ein Industriearbeiter berichtet

Service Buchtipp von Anne Rieger

Werner Lang hat ein Zeitdokument über das Innenleben einer Fabrik und eines Industriearbeiters vorgelegt. Stramm, Werksarbeiter, erzählt die Lebenswirklichkeit in kapitalistischen Unternehmen. Genau beobachtet beschreibt er die Auswirkungen fremdbestimmter Arbeit, die Arbeitsverhältnisse, die Angst um den Arbeitsplatz auf sein Leben und persönliche Entwicklung, aber auch seiner Kollegen.

Selbst in Träumen kann er der herrschenden Politik nicht entrinnen. Wir fühlen uns in die Gegenwart versetzt, wenn Stramm sagt: „Auf das kam es immer an, verstehst du, dass durch die Reduzierung der Arbeit auf ein paar Handgriffe, diese Handgriffe von einer Maschine oder einer Vorrichtung, die kostengünstiger ist als die Arbeitskraft, wie wir genannt werden, übernommen werden kann.“ Bei Insolvenzen wird über alle berichtet, aber „Was mit den Arbeitern geschah schrieb keiner“.

Seine Kollegen verteidigt er: „Nach neuneinhalb Stunden in der Fabrik sind alle gereizt. Wenn einer den anderen im Waschraum aus Versehen stößt, kann nicht garantiert werden, dass einer nicht explodiert.“ Heute reagieren Beschäftigte auf Stress, lange flexible Arbeitszeiten, nicht bezahlte Verantwortung, eher mit Mobbing oder Burnout. Die Form ist eine andere, der Druck „von oben“ ist geblieben. Stramm schlussfolgert: „Es ist die arbeits- oder lebensnotwendige Voraussetzung für das Leben, das die Werksarbeiter wie er erkämpfen müssen, weil sie es nicht besitzen. Die Fabrik.“

Werner Lang, Stramm, Repetitive Erzählung, Werkkreis Literatur der Arbeitswelt, 131 Seiten, ISBN 978-3-9503310-9-7, transfer Edition, c/o MAG3, Schiffamtsgasse 17, 1020 Wien

Anne Rieger ist Vorstandsmitglied des GLB-Steiermark