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Alles spricht dagegen

Steiermark Manfred Eber über Graz und die Olympischen Spiele

Am 15. März beschloss die Grazer ÖVP-FPÖ-Koalition mit Unterstützung des NEOS-Gemeinderats den „Letter of Intent“ an das IOC, mit dem Graz sich als Kandidat für die Olympischen Winterspiele 2026 anbietet. KPÖ, Grüne und SPÖ stimmten nicht zu. Warum? Für die KommunistInnen ist klar: eine so weitreichende Entscheidung soll nur unter Miteinbeziehung der Bevölkerung erfolgen. Eine Forderung, die von ÖVP-Bürgermeister Nagl strikt abgelehnt wurde. Folgerichtig sammelt die KPÖ Unterschriften für eine Volksbefragung nach dem steirischen Volksrechtegesetz. Werden 10.000 gültige Unterschriften erreicht, muss zwingend eine derartige Befragung erfolgen. Über 5.000 Unterschriften sind bereits erreicht.

Aus Sicht der KPÖ sprechen mehrere Faktoren für ein klares „Nein“ zu Olympischen Spielen in Graz:

* Unkalkulierbare Kosten: Von zwei Ausnahmen (1948 und 1964) abgesehen, waren alle Olympischen Spiele wesentlich teurer als ursprünglich kalkuliert. Wenn Bürgermeister Nagl davon spricht, mit rund 1,2 Milliarden Euro das Auslangen zu finden, so wären das nicht nur die billigsten Spiele seit Jahrzehnten, sondern dies wohl auch unrealistisch.

Auch wenn das IOC einen Teil der Austragungskosten übernimmt, so bleiben doch die Infrastrukturkosten und vor allem die Haftung bei der Stadt Graz. Im Durchschnitt wurden die geplanten Kosten um das 1,8-fache überschritten. Bereits die Bewerbungskosten alleine werden vom Bürgermeister mit über sieben Millionen Euro beziffert. Zum Vergleich: Innsbruck hat dafür knapp 15 Millionen veranschlagt, was allgemein eher als untere Grenze bezeichnet wird.

* Preissteigerungen: Großevents wie Olympische Spiele führen zu enormen Preissteigerungen. Sowohl Immobilien, damit einhergehend auch Mieten, aber auch Dinge des täglichen Bedarfs sind davon betroffen. So sind seit der Ski-WM in Schladming 2015 die Immobilien-Preise um rund 30 Prozent gestiegen, von außerordentlichen Lohnsteigerungen wurde nichts bekannt.

* Naturzerstörung: CIPRA, ein Zusammenschluss von zahlreichen Naturschutzorganisationen aus dem Alpenraum, darunter Alpenverein und Naturfreunde aus Österreich, kommt zum Schluss: Olympische Spiele sind zu groß für den begrenzten Alpenraum, es gibt keine olympischen Spiele, die in die Alpen passen. Von Albertville bis Turin, von Sotschi und Pyeongchang gar nicht zu reden – überall wurden massive Eingriffe in die Natur vorgenommen, für Infrastruktur, die nach den Spielen kaum noch verwendet wurde.

* Das Internationale Olympische Komitee (IOC): Dieser gemeinnützige Verein ist in Wirklichkeit ein milliardenschwerer Großkonzern, der mit Korruption und Bestechung von sich reden macht. Ob Winterspiele in Sotschi oder Sommerspiele in Rio de Janeiro, immer wurden Korruptionsvorwürfe laut, jedes Mal gelobte das IOC Besserung, nun eben mit der „Agenda 2020“. Und wieder soll alles besser, schöner und kleiner werden, der Sport in den Mittelpunkt rücken. Es verwundert nicht, wenn diese Versprechungen niemand mehr glauben will.

Die AktivistInnen der KPÖ-Graz haben bei Informationsständen und in zahlreichen Gesprächen auf diese Kritikpunkte hingewiesen. Die Reaktion der Grazerinnen und Grazer zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Manfred Eber ist Klubobmann der KPÖ im Grazer Gemeinderat