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Privat oder Staat?

Meinung Herbert Fuxbauer über Pensionsvorsorge

Um eine gute Versorgung im Alter sicherzustellen, braucht es das öffentliche umlagefinanzierte Pensionssystem, denn nur dieses ist in der Lage, die Altersversorgung der Menschen zu tragen Ergänzende Betriebspensionen, als wertvolle freiwillige betriebliche Sozialleistung und Privatpensionen sind nützlich für die, die sie bekommen bzw. sich leisten können, deshalb wollen wir sie hier auch nicht schlechtreden. Die große Mehrheit der Erwerbstätigen kommt aber leider nicht in den Genuss solcher Zusatzleistungen.

Vor- und Nachteile

Bei den Verwaltungskosten sieht es für die privaten Versicherungsmodelle schlecht aus, denn die Kosten machen bei den Staatlichen nur etwa 2 Prozent der Einnahmen aus. (2,8 Prozent bei der Krankenversicherung, 1,5 Prozent bei der Pensionsversicherung), während bei privaten Kranken - und Pensionsversicherungen mehr als das Zehnfache, fast 32 Prozent der Einnahmen für die Verwaltung ausgegeben werden. So werden in der staatlichen Pensionsversicherung 98 Prozent der Beiträge für Versicherungsleistungen angelegt, bei den privaten Kapitalanbietern sind das aber nur rund 68 Prozent!

Weil private Versicherungen viel Geld für Werbung, Marketing, Vertrieb ausgeben, dazu Dividenden für Aktionäre, muss dieser Aufwand erst einmal erwirtschaftet werden. Da wird es bei ungünstiger Zinsentwicklung nur schwer möglich, die eingezahlten Gelder jemals wieder in voller Höhe zurückzubekommen. Von angemessenen Zinsen keine Rede.

Eindeutig sind die Vorteile einer zusätzlichen Pensionsvorsorge über die staatliche Pensionsversicherung in Form einer freiwilligen Höherversicherung:
- Beitragshöhe und Einzahlungszeitpunkt sind frei wählbar.
- Schon ein einziger Beitrag erhöht die Pension.
- Der Steigerungsbetrag wird im gleichen prozentuellen Ausmaß wie die Pension erhöht.
- Der Steigerungsbetrag wird 14-mal jährlich ausgezahlt.
- Der Steigerungsbetrag zur Pension ist zu 75 Prozent steuerfrei.
- Nach dem Tod eines/einer Versicherten gehen 60 Prozent des Steigerungsbetrages an die Witwe/den Witwer und 24 bzw. 36 Prozent an jede Waise zu deren Hinterbliebenenpensionen über.

Die ständige Kritik an unserer Sozialversicherung ist nur vom Interesse privater Konzerne getragen. Mit Finanzminister Hartwig Löger, der bis 11/2017 Vorstandsvorsitzender der UNIQA, dem größten Versicherungsunternehmen Österreichs war, ist auch klar, wessen Interessen im Finanzministerium Einfluss nehmen werden.

Unter dem neoliberalen Schlagwort: „Weniger Staat mehr Privat“ sollen Gelder in Taschen privater Versicherungen und Banken umgelenkt werden. So wird durch das Schlechtreden der funktionierenden staatlichen Pensionen, gleichzeitig bei lohnabhängig arbeitenden Menschen für den Ankauf von privaten Spar- und Vorsorgeverträgen geworben. Versprochen wird, damit Einkommenseinbußen und Altersarmut aufzufangen.

Die im Interesse der Konzerne agierende Regierung stellt der sicheren funktionierenden, öffentlichen Pensionsversicherung ein riskantes, intransparentes System als bessere Lösung gegenüber, dessen angeblicher Nutzen in der Freiheit besteht, zwischen mehreren, teureren und risikobehafteten, privaten Versicherungen zu wählen.

Fazit: Mittel aus unser aller Steuergeld sollen in das staatliche Pensionssystem fließen und nicht in die Förderung von Firmen- und Privatpensionen.

Herbert Fuxbauer ist Bundessekretär des Zentralverbandes der Pensionist_innen Österreichs (ZVPÖ)