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OÖ Leo Furtlehner zum Thema Krankenstand

Wollen Beschäftigte künftig in Krankenstand gehen, so ist dafür nicht etwa der Hausarzt zuständig, sondern Dr. Erhard Prugger. Der ist zwar kein Mediziner, sondern Jurist. Aber das macht nichts. Keiner kann krank sein so gut beurteilen wie der Leiter der Abteilung Sozial- und Rechtspolitik der oö Wirtschaftskammer. Deutlich wurde das beim Konflikt um die Firma Technosert in Wartberg ob der Aist. Messerscharf diagnostizierte Dr. Prugger, dass zwölf Beschäftigte „konzertiert“ in Krankenstand gegangen seien und die Firma zehn davon völlig zu Recht deswegen gekündigt hatte. Als Draufgabe verpasste ihnen die „Krone“ als Blatt des „kleinen Mannes“ höhnisch den Stempel der Sozialschmarotzer: „Blaumacher blieben monatelang zuhause“. Dabei handelte sich aber nicht um einen gemeinsamen „blauen Montag“, sondern um Beschäftigte aus verschiedenen Abteilungen die über zwei Monate verteilt drei- bis fünfmonatige Krankenstände, legitimiert durch Gutachten von Arzt und Chefarzt in Anspruch nahmen.

Die Wirtschaftskammer ließ sich willig vor den Karren der Firmenleitung spannen und sah einmal mehr Beweis genug dafür, dass Beschäftigte überhaupt viel zu oft und grundlos krank sind. Seit Jahren ein Dauerthema im Clinch mit Arbeiterkammer und ÖGB, die als Schutzpatrone der „Blaumacher“ abgestempelt werden. Ganz so als ob nicht umgekehrt viel zu viele Beschäftigte „arbeiten gehen, obwohl sie krank sind“ (AK-Präsident Johann Kalliauer) und sogar nach Angaben der OÖGKK gerade 1,4 Prozent der Krankmeldungen als „verdächtig“ gelten.

Im Fall Technosert wurde allerdings die Skandal-Rakete als Rohrkrepierer. Es stellte sich heraus, dass zunehmend unerträgliche Arbeitsbedingungen für die 120 Beschäftigten Anlass für Krankenstände waren. So wurden unbezahlte Überstunden verlangt, 2017 wurde die 50-Stundenwoche monatelang faktisch zur Regel, für Beschäftigte mit Betreuungspflichten ein existenzielles Problem. Verlangt wurde nach der zulässigen Arbeitszeit auszustempeln und dann weiterzuarbeiten. Drohungen und Beleidigungen gegen Beschäftigte wurden ebenso zum Alltag wie Mobbing-mäßiges Aufhetzen der Belegschaft gegeneinander.

Dabei wurde laut Zeitungsberichten das Firmenklima in dem in den 1980er Jahren gegründeten Unternehmen unter Firmengründer Johann Gschwandtner bis vor wenigen Jahren „als ganz gut bezeichnet“. Das änderte sich mit dem Engagement des Beratungsunternehmens Astera, als Technosert 2010 im Gefolge der Finanz- und Wirtschaftskrise in eine Schieflage kam. Astera-Boss Hermann Schübl genügte nämlich die Umstrukturierung nicht, er wurde alsbald 2012 Co-Geschäftsführer und seine Simentum GmbH wurde Hälfte-Eigentümer der Gschwandtner GmbH und damit von Technosert, er setzte Personal aus seiner Saniererfirma an Schlüsselstellen, was zwangsläufig zu Konflikten führte und begann ein raues Kommando zu führen.

„Doktor“ Prugger sieht das freilich anders: „Hier wird ein seriöses Unternehmen von Arbeiterkammer und Gewerkschaft angepatzt“, erklärt er mit der Behauptung, Krankenkasse und Ärzte würden „oft viel zu leichtfertig Krankmeldungen unterschreiben“. Geht’s nach ihm sollen es wohl gar keine sein. Von Technosert wurde er freilich dabei im Regen stehen gelassen, als die Firmenleitung verspätet mitteilte, dass sie die Fakten nicht gründlich geprüft, also Prugger mit falschen Angaben „versorgt“ hatte.

Leo Furtlehner ist verantwortlicher Redakteur der „Arbeit“