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Gemeinsam Stärke zeigen!

Meinung Thomas Erlach über KV-Verhandlungen

Im Sozialbereich werden jährlich drei verschiedene Kollektivverträge verhandelt. Sozialwirtschaft (SWÖ), Caritas und Diakonie. Die Arbeitgeber legen Wert auf getrennte Verhandlungen: Weil sie sich gegenseitig mit schlechteren Abschlüssen unterbieten und Wettbewerbsvorteile zu Lasten unserer Arbeits- und Entgeltbedingungen schaffen wollen. Für uns Beschäftigte sind mit dieser Praxis Nachteile verbunden. Caritas und Diakonie warten den Abschluss des SWÖ ab, bevor sie selber abschließen. Zwar gibt es zeitgleich mit den SWÖ-Verhandlungen schon Gespräche, aber die Verhandlungspositionen bleiben vage. Dadurch ist es den Beschäftigten von Caritas und Diakonie unmöglich, Kampfmaßnahmen im Rahmen ihrer KV-Verhandlungen zu ergreifen.

Rein vom zeitlichen Ablauf die Verhandlungen von Caritas und Diakonie erst nach Abschluss des SWÖ-KV zu beginnen wäre zwar theoretisch möglich und dann wären auch Kampfmaßnahmen organisierbar. In der praktischen Umsetzung wäre so ein Szenario aber wenig wirksam, da sich die Arbeitgeber ja trotzdem am SWÖ-Abschluss orientieren würden.

Erst einmal in der Vergangenheit hat es eine Globalrunde gegeben, bei der gemeinsam ein Abschluss verhandelt wurde. Der Versuch war zwar gelungen, wurde aber bedauerlicherweise nicht wiederholt. Es ist schade, dass wir Beschäftigte aus dem Sozialbereich darauf verzichten unsere Kräfte zu bündeln, um gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen und bessere Gehälter zu kämpfen. Ein Kampf, der sich jedes Jahr mehr zuspitzt, weil die Geschäftsführer ihre Verantwortung nicht wahrnehmen und keine Gespräche mit der öffentlichen Hand über realistische Finanzierungen führen wollen. Der jährlich steigende, von der Politik verordnete Spardruck im Sozialbereich, wird von den Arbeitgebern hingenommen und willfährig umgesetzt.

Um eine Globalrunde auf Seite der ArbeitnehmerInnenvertretungen wieder möglich zu machen, wurden heuer erfreulicherweise wieder Aktivitäten gesetzt. Die Gewerkschaften GPA-djp und Vida, veranstalteten im Herbst ein Treffen aller KV-VerhandlerInnen, bei dem es einen Austausch darüber gab, was gemeinsame Themen und Forderungen sind.

Im November fand eine BetriebsrätInnenkonferenz des gesamten Sozialbereichs statt, bei der eine gemeinsame Basis für die KV-Verhandlungen geschaffen wurde. Eine Branchenanalyse der GPA-djp zeigte klar die gute wirtschaftliche Lage der Sozialorganisationen, allgemeine Umsatz- und Produktivitätssteigerungen. BetriebsrätInnen aus allen drei KV wissen nun, dass Bescheidenheit bei unseren Forderungen nicht nötig ist. Dass in allen drei Kollektivverträgen eine Arbeitszeitverkürzung gefordert wird, wurde bei der Veranstaltung ebenfalls sichtbar.

Trotzdem wird heuer wieder getrennt verhandelt. Es gibt noch Fragen zu klären. Zum Beispiel wie sich die BetriebsrätInnen von Caritas und Diakonie gleichberechtigt einbringen können, obwohl in den beiden KV weit weniger Beschäftigte zusammengefasst sind wie im SWÖ.

Es ist dringend notwendig an einer Globalrunde zu arbeiten. Es ist höchste Zeit, dass wir ArbeitnehmerInnen uns nicht mehr gegeneinander ausspielen lassen, nur weil wir unter verschiede Kollektivverträge fallen. Ich wünsche mir eine gemeinsame Globalrunde für 2019. Es ist wichtig gemeinsam Stärke zu zeigen!

Thomas Erlach ist Praxeologe und Betriebsratsvorsitzender von EXIT-sozial Linz und AK-Rat des GLB in Oberösterreich