Das Wertschöpfungsbarometer 2017 der oö AK zeigt neuerlich das Potenzial für eine offensive Lohnpolitik ebenso wie für die Kapazitäten zur Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen sowie für eine Wertschöpfungsabgabe als Basis zur Finanzierung von Sozialstaat und Kommunen, konstatiert Thomas Erlach, AK-Rat des GLB.

Laut der AK-Studie betrug 2017 in den bislang 1.372 untersuchten Unternehmen - durchwegs große Kapitalgesellschaften – mit 695.061 Beschäftigten – was 19,0 Prozent der unselbständig Beschäftigten entspricht – die durchschnittliche Pro-Kopf-Wertschöpfung 101.559 Euro pro Kopf. Bei einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Personalaufwand von 63.512 Euro wurde somit ein Überschuss von 38.047 Euro erzielt, von welchem 13.711 Euro als Gewinn ausgeschüttet, hingegen nur 15.115 Euro für Sachinvestitionen aufgewendet wurden. Den AK-Daten zufolge stieg von 2002 bis 2017 die Wertschöpfung um 38, der Überschuss um 50, die Personalkosten um 32, die Gewinnauszahlungen um 67, die Sachinvestitionen hingegen nur um 21 Prozent.

Längst wiederlegt wird mit diesen Fakten die Formel des früheren Wirtschaftskammer-Präsidenten Christoph Leitl „Die Gewinne von heute sind die Arbeitsplätze von morgen“. Eigentümer_innen und Aktionär_innen missbrauchen einen viel zu großen Anteil des von den Lohnabhängigen erarbeiteten Mehrwerts zur Mehrung privaten Reichtums oder verzocken ihn am Kapitalmarkt statt zukunftsorientiert und am Gemeinwohl orientiert in die Unternehmen zu investieren: „Mit KV-Abschlüssen die bestenfalls die Inflation abdecken, aber weit hinter der Produktivität zurückbleiben und dem immer stärkeren Druck zur Senkung von Lohnnebenkosten verstärkt die Kapitalseite das Missverhältnis zwischen Produktivität und Lohn und führt damit die Sonntagsreden von sozialer Marktwirtschaft und Sozialpartnerschaft ad absurdum“, kritisiert Erlach.

Die Gegner einer Wertschöpfungsabgabe erschöpfen sich in monotonen Forderungen nach Senkung der Lohnnebenkosten, Reduzierung von Frühpensionen, Reduzierung von Lohn- und Sozialkosten und Ausdehnung der Arbeitszeit ohne Überstundenzuschläge: „Die Hohepriester des Kapitals in Politik, Wissenschaft und Medien müssen sich zu Recht die Frage gefallen lassen: Soll die Wirtschaft für die Menschen da sein oder sind die Menschen nur lästige Anhängsel der Wirtschaft, sprich des Kapitals und dessen Dranges nach Maximalprofit“ meint Erlach.

Die visionäre Idee einer Wertschöpfungsabgabe wurde bekanntlich bereits Anfang der 1980er Jahre vom damaligen Sozialministers Alfred Dallinger (SPÖ) in die politische Debatte gebracht, aber durch mediale Verteufelung als „Maschinensteuer“, „Experimentierfeld für linke Steuerideen“, „Vertreibungssteuer“ und „Unfug“ zu Fall gebracht. Bemerkenswert ist freilich, dass heute auch zukunftsorientier denkende Unternehmen wie etwa Microsoft-Gründer Bill Gates eine „Robotersteuer“ für sinnvoll halten.

Unbestreitbar ist, dass die Lohnsumme durch die fortschreitende Rationalisierung und Digitalisierung rückläufig ist und damit auch daran gebundenen Beiträge für Sozialleistungen und Gemeindefinanzierung: „Eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlage auf Wertschöpfungsbasis soll der Rationalisierung Rechnung tragen und Unternehmen mit hohem Personaleinsatz entlasten, scharf rationalisierende Unternehmen hingegen stärker belasten, was eigentlich auch im Interesse der Wirtschaftskammer und der von ihr vertretenen Klein- und Mittelbetriebe liegen müsste“ so Erlach abschließend.