Die Bedeutung der Arbeiterkammer als wirksame Interessenvertretung ist nicht nur für die vielen tausend Beschäftigten, die Jahr für Jahr direkt oder indirekt bei Konflikten um Arbeits- oder Sozialrecht, bei Insolvenzen und Kündigungen, im Konsument_innenschutz oder Mietberatung vertreten werden, sondern auch für alle Lohnabhängigen unumstritten, wie durch die hohen Vertrauenswerte für die AK bestätigt wird.

Daher ist auch wichtig, dass von der AK laufend besonders eklatante Fälle von Verstößen von Unternehmen durch vorenthaltene Löhne, nicht abgeführte Sozialversicherungsbeiträge etc. medial aufgezeigt werden. Ein jüngstes Beispiel war der Fall von vier rumänischen Paketzustellern die von einem großen niederösterreichischen Paketdienst nach einer Probezeit ohne Bezahlung der versprochenen 1.600 Euro netto monatlich vor die Tür gesetzt wurden. Erst nach Einschreiten der AK erhielten die Betroffenen jeweils rund 3.300 Euro brutto aus dem Insolvenz-Entgelt-Fonds.

Im Interesse der politischen Hygiene wäre es allerdings auch erforderlich, dass die Arbeiterkammer die „Schwarzen Schafe“ unter den Unternehmen – im konkreten Fall ein Paketzusteller aus Niederösterreich – explizit beim Namen nennt: „Sowohl Arbeitssuchende als auch Konsument_innen haben das Recht zu wissen, wenn Unternehmen eklatant gegen elementare rechtliche Bestimmungen zum Schaden ihrer Beschäftigten oder von Konsument_innen verstoßen“ meint Thomas Erlach, Arbeiterkammerrat der Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB).

Gerade vor dem Hintergrund einer de facto offenen Aufkündigung der Sozialpartnerschaft durch Industriellenvereinigung und auch Wirtschaftskammer und regelmäßiger Kampagnen bei welchen die Lohnabhängigen pauschal beschuldigt werden etwa ungerechtfertigt Krankenstand zu beanspruchen ist eine Schonung der „Schwarzen Schafe“ unter den Unternehmen nicht gerechtfertigt.

„Die Arbeiterkammer sollte daher Unternehmen, die gegen elementare Rechte von Beschäftigten verstoßen offen beim Namen nennen und keine falsche sozialpartnerschaftliche Rücksicht nehmen. Die Reaktionen der Wirtschaftskammer auf das „Schwarzbuch Arbeitswelt“ der AK zeigt die Wirksamkeit solcher Offenheit“, so Erlach.

Im Grunde müsste auch die Wirtschaftskammer daran interessiert sein, solche „Schwarzen Schafen“ unter ihren Mitgliedern zur Räson zu bringen. Schaden doch diese durch kriminelle Praktiken dem Ansehen aller korrekt arbeitenden Unternehmen. Nimmt die Wirtschaftskammer solche Betriebe jedoch in Schutz und errichtet quasi eine Wagenburg gegen berechtigte Kritik, schadet sie dem Image aller Unternehmen und auch ihrer Vertretung und ihren 80.000 Mitgliedern in Oberösterreich.