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Beschäftigten drohen Verschlechterungen

Steiermark Claudia Klimt-Weithaler über Kinderbildung- und Betreuung in der Steiermark

Die steirische Landesregierung will die Kinderbetreuung in Kinderbetreuungsreinrichtungen (Kindergärten, Krippen, Horte) neu regeln. Der Gesetzesentwurf hat für massiven Unmut bei den Pädagoginnen und Pädagogen gesorgt, da viele Verschlechterungen drohen. Der Widerstand hat allerdings erste Wirkung gezeigt, die zuständige Landesrätin hat sich vor Redaktionsschluss zu neuen Verhandlungen bereit erklärt.

Es steht schon länger fest, dass das Steiermärkische Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz geändert werden soll. Änderungen sind durchaus nötig, da das Gesetz den aktuellen Herausforderungen und Ansprüchen nicht mehr gerecht wird.

Leider wird mit diesem Entwurf die schon derzeit prekäre Situation der ElementarpädagogInnen allerdings nicht verbessert, sondern in vielen Bereichen weiter verschärft. Das wird auch daraus deutlich, dass es eine sehr hohe Zahl – weit über 300 – an Rückmeldungen gab. Das hat dazu geführt, dass die Begutachtungsfrist verlängert wurde. Schließlich wurde auch die Gewerkschaft tätig und stellte Unterstützung für die Anliegen der Beschäftigten in Aussicht.

Beschäftigte stehen unter Druck

Obwohl eine berufliche Interessensvertretung der ElementarpädagogInnen erst im Aufbau ist, wurde viel Druck aufgebaut, damit im Gesetz die Bedürfnisse der Beschäftigten besser berücksichtigt werden. Dass deren Situation in der Steiermark äußerst unbefriedigend ist, zeigt eine Untersuchung der Arbeiterkammer: 30 Prozent der befragten PädagogInnen sind ernsthaft Burnout-gefährdet, weitere 21,8 Prozent bereits in einer niedrigen Burnout-Stufe und etwa drei Prozent aufgrund von Burnout bereits arbeitsunfähig. Als Grund für die Überlastung wurden als Hauptgründe angegeben: zu wenig Vertretungspersonal, zu wenig Personal insgesamt, nicht genügend Vorbereitungszeit, Mehrarbeit und Überstunden.

Es kann auch nicht im Interesse der Eltern sein, dass sich die Arbeitsbedingungen in den Betreuungseinrichtungen, denen die Kinder anvertraut werden, weiter verschlechtern. Lediglich die Betreiber würden sich einiges ersparen – obwohl die Landesregierung von Mehrkosten für die öffentliche Hand im Bereich von etwa acht Millionen Euro pro Jahr spricht.

Oft werden neben den vorher genannten Gründen folgende Missstände angesprochen: Die Beschäftigten vermissen Rückhalt, gleichzeitig sind die Einkommen unbefriedigend – nicht nur wegen der oft unfreiwilligen Teilzeitarbeit. Obwohl es sich um hochqualifiziertes Personal handelt, wird oft so getan, als ginge es um die „nette Tante“, für deren Arbeit der Respekt fehlt. Darauf wies die KPÖ auch im Rahmen einer dringlichen Anfrage zur Gesetzesnovelle am 16. Jänner im Landtag hin.

Für Betreiber wird es günstiger

Die Anforderungen an die Erhalter werden gesenkt. So soll für eine Leitungsposition künftig nicht einmal eine zweijährige einschlägige Verwendung notwendig sein. Bei Personalmangel können Gruppen auch ohne ausgebildete Beschäftigte betrieben werden. Die Anzahl der Bewegungsräume für Kinder wird reduziert, auch die vorgeschriebenen Freiflächen werden verringert.

Gelöst können die Probleme nur durch kleinere Gruppen in den Einrichtungen und längere Vorbereitungszeiten werden. Der empfohlene Schlüssel wird in der Steiermark teilweise weit überschritten. Es verwundert also nicht, dass viele massiv unter Stress leiden. Zumindest der entsprechende Kollektivvertragslohn sollte den Mindeststandard für alle PädagogInnen und BetreuerInnen darstellen – derzeit ist das nicht der Fall!

Die Forderungen der KPÖ für das Steiermärkische Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz:
- Rücknahme der im Novellenentwurf enthaltenen Verschlechterungen und Niveausenkungen,
- Senkung der Gruppengröße in Kindergärten und Kinderkrippen,
- Verbesserungen bei den Vorbereitungsstunden innerhalb der Einrichtungen,
- Anstellung der Beschäftigten nach dem BAGS/SWÖ-Kollektivvertrag als Mindeststandard,
- ab der dritten Gruppe eine verpflichtende Freistellung der Leitung von 50 Prozent und ab der vierten Gruppe eine Freistellung von 100 Prozent der regelmäßigen Wochendienstzeit

Claudia Klimt-Weithaler ist gelernte Kindergartenpädagogin und Klubobfrau der KPÖ im steiermärkischen Landtag