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Den Kindern das Kommando?

Meinung Heike Fischer über die Jugendbewegung für Klimaschutz

Sind die „Fridays for Future“-AktivistInnen eine ernstzunehmende Jugendbewegung oder einfach nur Schulschwänzer? Diese Frage stellen sich nicht nur Eltern und Lehrer, sondern mittlerweile auch Politiker, Protestforscher und viele Erwachsene, die zwar um die Klimaproblematik ein wenig wissen, sich bemühen ihren Müll ordentlich zu trennen, die auf Auto und Plastiksackerl verzichten oder ihr Fleisch und Gemüse lieber direkt beim Bauern kaufen.

Also machte ich mich am 15. März auf den Weg zu einer der mehr als 1.650 Klimakundgebungen weltweit, zur Klimaschutz-Demo am Linzer Hauptplatz. Umweltbewusst mit der Bim. Am Hauptbahnhof wurde deutlich, dass sich echt viele junge Leute in Linz treffen. Plötzlich war die Bim bummvoll, der Lautstärkepegel auf Schulhofniveau angeschwollen und ich eingezwängt zwischen picklig-pubertierenden Burschen und Mädchen. Alles irgendwie nett. Ein Sechsertragerl unter dem Anorak versteckt, Gaudi gehört halt dazu.

Weil am Hauptplatz noch nicht allzu viel los war, ging ich auf den Freitagswochenmarkt zu „meinem Fleischbauern“. Dieser murrte nicht über den ungewohnten Lärm, lobte die guten Absichten der jungen Leute allerdings nicht ohne die Bemerkung: „Wäre auch gut, wenn sie nicht den Dreck von ... (gemeint ist eine Fastfoodkette) essen und dann die überflüssigen Verpackungen und Coladosen in der Gegend rumschmeißen würden.“ Recht hat er.

Mittlerweile füllte sich der Hauptplatz mit SchülerInnen, vereinzelt begleitet von LehrerInnen oder Eltern. Sprechchöre waren zu hören. Ein Teenager-Mädchen begrüßte von der Bühne her und animierte zum Mitsingen. Bunte Plakate und selbstgestaltete Transparente mit mehr oder weniger originellen Sprüchen belebten den Platz. Als erfahrene Demonstrantin war ich auf meinem Beobachtungsposten beeindruckt: Die jungen Leute meinen es ernst, die sind nicht nur zum Spaß dort. Die wollen, dass sich bei der Umsetzung der Pariser Klimaziele was tut.

Beeindruckend und erleichternd der Demonstrationszug über die Nibelungenbrücke: Über 2.000 junge Menschen demonstrieren. Und das, wo doch der Jugend nachgesagt wird, sie wäre entpolitisiert und uninteressiert, eine Bildschirmgeneration, für die nur Konsum, Fun und Action zählen würden. Ein bunter, junger, lebensfroher, lautstarker Menschenstrom, der friedlich miteinander für den Klimaschutz auf die Straße geht, gewaltfrei, ohne Randale.

Interessant und informativ fand ich bereits im Vorfeld die Website der Plattform Fridays for Future Austria. Übersichtlich und leicht lesbar wird deutlich gemacht, worum es den SchülerInnen geht, wann und wo welche Aktivitäten stattfinden, wie alle selbst aktiv werden können. Es werden Rechtsauskünfte gegeben und Vorgehensweisen empfohlen. Schön was sich die Kids haben einfallen lassen.

Einsatz für den Klimaschutz statt in die Schule zu gehen? Wäre nicht dieser Aspekt der Schulschwänzerei dabei, würden die Demonstrationen wohl kaum wahrgenommen werden. Aber ehrlich: Tun diese Demos irgendjemandem weh? Sie erzeugen Aufmerksamkeit und werden zur Kenntnis genommen. In Oberösterreich begrüßt die für Bildung zuständige LH-Stellvertreterin Christine Haberlander zwar das Engagement der SchülerInnen, aber bitteschön sollte gefälligst nicht die reguläre Unterrichtszeit dafür geopfert werden. Und LH Thomas Stelzer plante sich zwar etwas Zeit ein und nahm das Forderungspapier der SchülerInnen entgegen, aber das wars dann auch schon.

Was wäre, wenn wir hinter den Forderungen der jungen Leute stehende Erwachsene ebenso einen „Werktag for Future“ einlegen würden und einfach mal beispielsweise jeden Mittwoch von 11:00 bis 13:00 Uhr ein solches „Schwänzen“ organisieren würden. Keiner arbeitet, alle treffen sich wöchentlich zu einer großen Klimastreikbewegung. Ich höre Industriellenvertretung und Wirtschaftskammer schon schreien: Einbruch des Bruttoinlandsprodukts, Gefährdung des Wirtschaftsstandortes, Hilfe! Aber Veränderung fängt erst an, wenn es wehtut.

Nachweislich geht es den „Friday for Future“-AktivistInnen nicht ums Schulschwänzen. Viele von ihnen führen Gespräche mit Wissenschaftlern und lesen wissenschaftliche Gutachten. Sie ackern sich durch den Klimabericht der UNO, um noch konkreter Forderungen an die Politik heranzutragen. Mal ehrlich, wer hat diesen Bericht schon gelesen? Ich jedenfalls nicht. Und so manche Bundes-, Landes- und GemeindepolitikerInnen ebenfalls nicht.

Außerdem tagen die jungen AktivistInnen regelmäßig und diskutieren über die nächste Streikaktion, ein Spendenkonto einzurichten oder PolitikerInnen zu Aktionen einzuladen. Sie vernetzen sich über die sozialen Medien, haben eine eigene Presseabteilung und geben Mitteilungen heraus. Nichts Neues, aber sie fordern ein, was die Politik schon längst versprochen hat.

Und dabei sollten wir Erwachsenen sie unterstützen. Nicht nur vor Ort bei den Klimademonstrationen sondern vor allem im täglichen Leben und in den Gremien, wo auch wir die Versprechen der Politik einfordern können.

Heike Fischer ist Diplompädagogin und Betriebsratsvorsitzende im Diakonie Zentrum Spattstraße und GLB-Landesvorsitzende in OÖ