Interview mit GLB-Betriebsrätin Hilde Tragler

883 ArbeiterInnen gaben Hilde Tragler mit dem GLB-Team ihre Stimme bei der Arbeiterbetriebsratswahl bei Magna in Graz. Die 18,5 Prozent der Stimmen führten zu fünf der 28 Mandate, drei mehr als zuvor. Damit ist der GLB die zweitstärkste Fraktion vor der FA mit 3 und dem ÖAAB mit 2 Mandaten. Die FSG erhielt 18 Mandate. Bei der Arbeiterkammerwahl kurz zuvor erreichte der GLB ein ähnlich hohes Ergebnis.

Anne Rieger sprach mit der Listenersten Hilde Tragler, die auch Vorsitzende des GLB PRO-GE, stellvertretende Vorsitzende des GLB Steiermark, sowie Mitglied im Präsidium der PRO-GE ist, über die beschäftigungsnahe Interessenvertretungspolitik und das Vertrauen der KollegInnen in die GLB-Fraktion.

Anne Rieger: Hilde, Du, Karl-Heinz Dohr und die Ersatzbetriebsrätin Alexandra Hude, Ihr habt gemeinsam viele Jahre die Interessen der KollegInnen vertreten, wart aber nur zwei Betriebsräte unter 21. Wie ist es Euch gelungen, mit so einer kleinen Fraktion Eure Mandate mehr als zu verdoppeln?

Hilde Tragler: Als erstes möchte ich sagen: Das kann man nur im Team schaffen, nur gemeinsam, nur mit Karl-Heinz und Alex und auch den anderen war das möglich.

Tja, was haben wir gemacht? Gearbeitet: Wir waren da, wir haben uns für jedes Anliegen eingesetzt, egal, ob du helfen kannst, wir hatten für jedes Problem ein offenes Ohr. Zu einer so kleinen Fraktion mit 2 Betriebsräten kommen viele erst, wenn sie woanders keine Hilfe mehr bekommen. Da heisst es dann schon mal: Du musst zur Hilde gehen, die hilft Dir. Zuhören ist also schon das A und O der Betriebsratsarbeit.

Was gibt es denn für Probleme?

Das beginnt bereits bei der Arbeitseinteilung durch den Vorgesetzten. Gerade beim sogenannten Personaleinsatz wird in der heutigen Arbeitswelt besonders gespart! Da kann es dann schon vorkommen dass Kolleginnen oder Kollegen, weil zu wenig Ersatz da ist, nicht auf die Toilette können! Persönliche Probleme, wie zum Beispiel familiär bedingte Fehlzeiten, stoßen auf wenig Verständnis. Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss täglich erkämpft werden. In all diesen Fragen haben wir interveniert beim Vorgesetzten und im Personalbüro. Einiges konnte dadurch positiv erledigt werden! Natürlich nicht alles. Deshalb unterstützten wir die Kolleginnen und Kollegen auch über die Arbeiterkammer bis zum Arbeitsgericht! Eine eigene Meinung vertreten ist nicht so einfach wie es klingt! Manchmal genügt es wenn man seinem Chef widerspricht, dass man auch nach zwei Jahrzehnten im Betrieb als Facharbeiter mit Zusatzausbildung nicht mehr „gebraucht“ wird. Ein Vater hat sich bei uns bedankt, dass wir mit ihm geredet haben, obwohl der Sohn hat gehen müssen. Ich versuche, Ansprechpartner zu sein, mit dem man reden kann. Dass der GLB zuhört, wo andere es nicht mehr tun, das hat sich rumgesprochen

Aber das habt Ihr doch auch schon in der vorletzten Wahlperiode gemacht? Wieso jetzt der Erfolg von zwei auf fünf Mandate?

Natürlich ist der Erfolg nicht nur von den letzten vier Jahren gekommen. Den GLB gibt es ja schon seit Jahrzehnten im Betrieb, es gab Rückschläge nach 1989, da hatten wir nur noch ein Mandat. Unsere Vorgänger haben ja schon die gleiche konstruktive Oppositionsarbeit gemacht. Und so haben wir unseren guten verlässlichen Namen über Jahre aufgebaut. Es war schon eine lange Aufbauarbeit. Die allgemeine Stimmung hat sich halt auch zu unseren Gunsten entwickelt. Immer mehr wird klar, dass der Kapitalismus nix für die arbeitenden Menschen ist, und das betonen wir auch immer wieder.

Wie habt Ihr euch organisiert?

Wir haben unsere Ersatzbetriebsrätin immer wieder in die konkrete Betriebsratsarbeit einbezogen, da waren wir schon drei, später auch die anderen. Wir waren 19 Kolleginnen und Kollegen auf der Kandidatenliste zur Betriebsratswahl und waren so über das ganze Werk verteilt.

Wie habt Ihr das geschafft, dass sich so viele offen zum GLB bekennen?

Ja, das hat auch was mit der Stimmung im Betrieb zu tun, die sich für uns entwickelt. Einige haben uns von sich aus angesprochen, sie wollten gerne bei uns kandidieren, andere habe ich gefragt. Da wir als ehrlich und zuverlässig eingeschätzt werden, bekommen wir immer mehr Zuspruch. Und das drückt sich eben auch in der zunehmenden Zahl von Kandidatinnen und Kandidaten aus.

Wofür wollt Ihr euch besonders in den nächsten Jahren einsetzen?

Wir brauchen Altersgerechte Arbeitsplätze und ein tatsächliches Behaltemanagement mit Wertschätzung der Kolleginnen und Kollegen, bei dem die Frage gestellt wird „Warum hat die Person ein Problem?“, auf das Problem eingegangen und das Problem gelöst wird, und nicht die Person aus dem Bereich bzw. dem Betrieb entfernt wird. Die Frage muss lauten: Warum gibt es so viele Krankenstände? Worin liegt das Problem, was verschleiern sie an schlechten Arbeitsbedingungen? Am Band gibt es mehr Krankenstände, also muss da etwas geändert werden. Oft macht die Abtaktung krank.

Wie sieht es mit Flugblättern und Zeitungen aus?

Wir verteilen unsere Zeitung, den „Pucharbeiter“ zu aktuellen Anlässen.