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Potenzial für Wertschöpfungsabgabe ist vorhanden

News Einmal mehr bestätigt das Wertschöpfungsbarometer der oö Arbeiterkammer das vorhandene Potenzial für eine offensive Lohnpolitik ebenso wie für die Kapazitäten zur Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen sowie für eine Wertschöpfungsabgabe für die Finanzierung wesentlicher Sozialleistungen zur Sicherung des gesellschaftlichen Zusammenhalts – darunter auch die Finanzierung der Pflege – stellt Josef Stingl, Bundesvorsitzender der Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB) zum nun vorliegenden Bericht für 2018 fest. Niedrige Investitionen trotz Hochkonjunktur, aber hohe Ausschüttungen an die Eigentümer – das ist kurz gefasst das Resümee der Arbeiterkammer. So sind die durchschnittlichen Sachinvestitionen pro Beschäftigtem 2018 trotz boomender Konjunktur kaum gestiegen, real seit 2008 sogar um 19 Prozent gesunken.

Die durchschnittlichen Eckdaten pro Beschäftigten von 2018 in den 1.474 untersuchten Kapitalgesellschaften mit 689.895 Beschäftigten: Wertschöpfung 104.774 Euro, Personalaufwand 66.094 Euro, Überschuss 38.177 Euro, Sachinvestitionen 15.264 Euro, Gewinnauszahlung 14.016 Euro. Aussagekräftig dabei ist die Steigerung von 2002 bis 2018: Wertschöpfung plus 42 Prozent, Personalkosten plus 38 Prozent, Überschuss plus 51 Prozent, Gewinnausschüttung plus 70 Prozent, Sachinvestitionen plus 22 Prozent.

Damit wird deutlich, dass weniger denn die die Formel des früheren Wirtschaftskammer-Präsidenten Christoph Leitl „Die Gewinne von heute sind die Arbeitsplätze von morgen“ gilt, sondern Eigentümer*innen und Aktionär*innen einen viel zu großen Anteil des von den Lohnabhängigen erarbeiteten Mehrwerts zur Mehrung privaten Reichtums missbrauchen oder am Kapitalmarkt verzocken statt zukunftsorientiert und am Gemeinwohl orientiert in die Unternehmen oder in den Sozialstaat zu investieren: „Die KV-Abschlüsse bleiben weit hinter der Produktivität zurück, die Kapitalseite verstärkt den Druck zur Senkung von Lohnnebenkosten, das Missverhältnis zwischen Produktivität und Lohn wird größer, die Sonntagsreden von sozialer Marktwirtschaft und Sozialpartnerschaft werden ad absurdum geführt“, kritisiert Stingl.

Für den GLB ist die Studie eine Bekräftigung für ihre Forderung nach einer Wertschöpfungsabgabe. Diese visionäre Idee wurde bekanntlich bereits Anfang der 1980er Jahre vom damaligen Sozialministers Alfred Dallinger (SPÖ) in die politische Debatte gebracht, aber durch mediale Verteufelung als „Maschinensteuer“, „Experimentierfeld für linke Steuerideen“, „Vertreibungssteuer“ und „Unfug“ zu Fall gebracht.

„Eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlage auf Wertschöpfungsbasis soll der Rationalisierung Rechnung tragen und Unternehmen mit hohem Personaleinsatz entlasten, scharf rationalisierende Unternehmen hingegen stärker belasten, was eigentlich auch im Interesse der Wirtschaftskammer und der von ihr vertretenen Klein- und Mittelbetriebe liegen müsste“ so Stingl.