Deutschland Pflegebeschäftigte bekommen künftig einen einheitlichen Mindestlohn und eine verkürzte Arbeitszeit durch mehr Urlaub. So wird der Stundenmindestlohn für Pflegefachkräfte ab 1. Juli auf 15 Euro angehoben und wird in einem Jahr nochmals auf 15,40 Euro erhöht. Neben dem gesetzlichen Urlaubsanspruch bekommen sie in diesem Jahr zusätzlich fünf Tage Urlaub, ab dem nächsten Jahr sogar sechs Urlaubstage.

Österreich ist anders. Einheitlicher Mindestlohn und -arbeitsbedingungen sind undenkbar. Vier Gewerkschaften (vida, GPA-djp, younion und GÖD) verhandeln über zahlreiche Kollektivverträge bzw. Dienstordnungen. „Damit entsteht das Paradoxem, dass ein und dieselbe Arbeit je nach Dienstgeber*in (Bund, Land, Gemeinde, Verein, Privatanbieter*in oder konfessioneller Eigentümer*in) unterschiedlich Arbeitswochenzeit und unterschiedliche Entlohnung beinhaltet“, erklärt der Vorsitzende des Gewerkschaftlichen Linksblock im ÖGB (GLB) Josef Stingl.

Pflegebeschäftigte haben derzeit in Österreich den meistgelobten Beruf. Tagtäglich werden sie als Held*innen gefeiert. „Wollen sie allerdings neben Applaus auch nachhaltig bessere Gehalts- und Arbeitsbedingungen ist’s mit der Huldigung sofort vorbei. „Statt wie in Deutschland auf die Vereinheitlichung der Bezahlungsbedingungen und einer nachhaltigen Verbesserung der Arbeitssituation zu setzen wird das KV-Flickwerkspiel weiter fortgesetzt“, so der Linksgewerkschafter. Bestes Beispiel sei der noch nicht lang zurückliegende KV-Abschluss der Sozialwirtschaft Österreichs (SWÖ), wo aus der Forderung nach einer 35 Stundenwoche letztendlich eine Verhöhnung mit einer einstündigen Arbeitszeitverkürzung in drei Jahren wurde.
In der Coronavirus-Epidemie „spüren wir einmal mehr, wie wichtig Pflegekräfte für unsere Gesellschaft sind“, sagten die deutschen Minister für Arbeit und Gesundheit, Hubertus Heil (SPD), und Jens Spahn (CDU). „Ihre verantwortungsvolle Aufgabe wollen wir besser honorieren als bisher.“ Das sei ein Schritt von vielen, um die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern und den Beruf attraktiver zu machen.

Das gelte auch in Österreich meint der GLB-Vorsitzende Josef Stingl und sieht großen Handlungsbedarf. Als Beispiel der Gehaltsvergleich: Deutschland mit dem neuen Mindestlohn bedeuten für eine Pflegefachkraft monatlich 2550 Euro brutto. In Österreich bekommt eine Pflegeassistent*in im SWÖ-KV nur 2078,80 Euro Mindestlohn. Selbst der Mindestlohn für Diplokrankenpfleger*innen liegt noch 160 Euro unter dem deutschen Mindestlohn.

Zu der Gehaltsdiskrepanz kommt noch die hohe psychisch und physisch schwierige Arbeitssituation. „Ein Pflege-Fünfhunderter oder ein Corona-Tausender sind ein `nettes finanzielles Zuckerl´, aber nachhaltige Verbesserung sieht anders aus! Zum Beispiel mit einer Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohn- und Personalausgleich“, so Stingl. Daher unterstützt der GLB die überparteiliche und -fraktionelle Initiative „minus5“. „Die Minus fünf Stunden wöchentlicher Arbeitszeit entlasten nicht nur die Kolleg*innen in der Pflege, sondern verbessern gleichzeitig die Pflegequalität. So profitieren davon Pflegebeschäftigte und Pflegebedürftige gemeinsam“, meint abschließend der GLB- Vorsitzende Josef Stingl.

Minus 5: Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessern https://www.openpetition.eu/minus5
Corona-Tausender für alle die das Land am Laufen halten https://corona-tausender.oegb.at