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Vida: Toll, da ein Prozenterl, dort ein Rabatterl

Vida Gedanken zur Mitgliederwerbung

Es war einmal ein Koch, der vor langerer. langer Zeit der Gewerkschaft beigetreten ist: Nicht wegen seiner „fürstlichen Entlohnung“. Nicht, obwohl ein Rabatterl hie und ein Mini-Boni da durchaus hilfreich sein konnten. Seine Motivation war der Widerspruch zwischen seiner mageren Entlohnung und dem großzügigen Nehmens seiner Arbeitsleistung. Er wusste schon damals, nur die Organisierung, nur eine starke Gewerkschaftsbewegung kann dagegen wirken.

Heute ist alles anders, zumindest behaupten das die Gewerkschaftsoberen: Die Arbeiter*innen sind und handeln nicht mehr so bewusst. Der Gewerkschafter*innen Sprech und Gefordere sei für sie zu kompliziert, oft nicht wirklich verstehbar. Nicht mehr Bewusstsein und Programm, sondern Gutscheine, Rabattprozenterl und Vorteilskärtchen führen zum Zuwachs. Sie finden sie zu Hauf, beispielsweise unter vorteil.vida.at: zum Einkaufen, zum Reisen, rund ums Auto,… Gut, besagter Koch ist nachwievor der Meinung, nicht Cashback á la JÖ sondern die Bekämpfung der Sorgen und Probleme der Kolleg*innen sind Kernaufgabe einer Gewerkschaft. Aber warum über die paar Minidienstleistungen aufregen: Selbst wenn´s nichts bringt, schaden tun sie auch nicht.

Dieser Tage bekamen die vida-Mitglieder von ihrer Bundesgeschäftsführung ein Mail: „Spare bares Geld - Exklusiv für vida-Mitglieder haben wir ein tolles Angebot: Ab sofort gibt es minus 4 Prozent für deinen Einkauf bei SPAR“. Diesmal allerdings mit keinem Rabatt und keinem Kundenkärtchen. Über die Plattform vidawebshop.at kann jedes Mitglied monatlich bis zu vierhundert Euro SPAR-Gutscheine ordern. Nicht dass den Mitgliedern die vier Prozent bei dem Lebenshandelsriesen vergönnt sei, aber diesmal kostet die Aktion Gewerkschaftsgeld! Einerseits die Kosten der Internetplattform, andererseits für die Kosten fürs Personal, welches die Bestellungen, annehmen, abwickeln und versenden muss.

Beim Einfordern von bestehender und zusätzlicher politischer und personeller Ressourcen und Strukturen heißt´s allerdings immer wieder: Wir müssen sparen! Das geht soweit, dass nach dem Tod eines Sekretärs einer Minderheitsfraktion auch gleich die Büroräumlichkeit „weggespart“ wurde. Pietätvoll wurde das Begräbnis abgewartet, um dann die „freundschaftliche“ Räumung sparsam, ohne „teuren Informationsaufwand“ an die zuständigen Fraktion durchzuführen…

Josef Stingl