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Zum 50. Todestag des Klassenkämpfers Gottlieb Fiala

Geschichte Anlässlich des 50. Todestages von Gottlieb Fiala fand am 28. Dezember 2020 beim Grab des ehemaligen ÖGB-Vizepräsidenten am Wiener Zentralfriedhof eine Kranzniederlegung statt.

Der am 14. Oktober 1891 in Třebíč/Trebitsch in Mähren als Sohn eines Schuhmachers geborene Gottlieb Fiala, der 1893 nach Wien übersiedelte, erlernte nach dem Besuch der Bürgerschule von 1905 bis 1908 das Gewerbe „Taschner und Stanzer“.
Bereits seit 1904 war er Mitglied der Gewerkschaft der Leder- und Schuharbeiter; 1908 wurde er Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. Von 1908 bis 1913 war er „auf der Walz“. Diese Wanderszeit führte in durch ganze Europa und als Mitglied der Handelsmarine sogar nach Amerika. Auf seiner Wanderung aufgegriffen, wurde er nach Österreich-Ungarn abgeschoben und zum Militär eingezogen.

Als Soldat im Ersten Weltkrieg wurde er zum Zugsführer befördert, aber wieder degradiert, bevor er in russische Kriegsgefangenschaft geriet. In der Nähe von Tula war er an der Organisation der österreichischen und deutschen Kriegsgefangenen beteiligt. Bereits 1917 war er auf der Seite der Bolschewiki und als Freiwilliger in der Roten Armee im Kaukasus. Nach seiner Berufung nach Moskau arbeitete er unter den österreichischen Kriegsgefangenen in Odessa und Moskau. In dieser Zeit lernte er auch seine spätere Frau, eine gebürtige Russin und glühende Gegnerin des Zarismus kennen.

Ende 1918 kehrte Fiala nach Österreich zurück und wurde ein Mitbegründer der Kommunistischen Partei Deutschösterreichs. Als Vertreter der KP war er Mitglied des Wiener Arbeiterrates und des Reichsarbeiterrates. Bereits auf dem 3. Parteitag der KPDÖ, im Dezember 1919, war er Delegierter und leitender Funktionär. Am 5. Parteitag, im März 1922, wurde Fiala in den Parteivorstand gewählt, dem er bis 1929 angehörte. In der Zeit der, die Partei lähmenden, Fraktionskämpfe gehörte er den „Tomaniten“, der Gruppe um Parteichef Karl Tomann, an. Im Zuge der „Bolschewisierung“ schwor er seinen „ultralinken Fehlern“ ab und wechselte zu der von Moskau unterstützten „Mittelgruppe“ um Johann Koplenig. Im November 1923 wurde er zum „Reichssekretär“ bestimmt, ab November 1924 war er Organisationssekretär. Fiala gehörte 1924 dem erstmals gewählten Politbüro an; ab September 1925 war er Sekretär („Vorsitzender“) des Polbüros.

Am 5. (1924) und 6. (1928) Weltkongress der Kommunistischen Internationale (Komintern) war er Delegierter der KPÖ und trat als Redner auf. Von 1924 bis 1927 war er Vertreter der KPÖ beim Exekutivkomitee der Komintern (EKKI) und EKKI-Mitglied. Der damalige Vorsitzender der Komintern, Grigorij E. Zinovev, hatte ihn als persönlichen Vertrauensmann für Österreich bestimmt. Im September 1929 leger er im Zuge innerparteilicher Streits sämtliche politische Funktionen zurück und widmete sich von nun an vorrangig der Gewerkschaftsarbeit.

Aufgrund seines Einsatzes für die Belegschaft wurde Fiala zum Betriebsratsobmann in der Schuhfabrik Bally in Wien-Ottakring gewählt. Nach dem Verbot der KPÖ, der SP und der Gewerkschaften in der Zeit des Austrofaschismus wurde Fiala 1934 Vorsitzender der illegalen Leder- und Schuharbeitergewerkschaft und später zweiter Vorsitzender der Gewerkschaft der illegalen Textil-, Leder- und Schuharbeiter. Seine illegale Tätigkeit setzte Fiala auch in der NS-Zeit, trotz Anzeigen und Hausdurchsuchungen, fort.

Ab Februar 1945 war er einer der engsten Mitarbeiter von Josef Lauscher, der nach der Flucht aus einem Außenkommando des KZ Mauthausen in Wien-Simmering, kommunistische Widerstandsgruppen reorganisierte. Fiala wurde wieder Mitglied des Zentralkomitees und des Politbüros der KPÖ.

Am 15. April 1945 wurde Fiala zum provisorischen Vorsitzenden der Gewerkschaft der Leder- und Schuharbeiter nominiert. Er nahm an den Gesprächen mit sozialdemokratischen und christlichsozialen Gewerkschaftern teil, die am 28. April zur Gründung des überparteilichen Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) führte. Am 30. April wurde er zum ersten Vizepräsidenten des ÖGB bestimmt. Daneben wurde er auch Vorstandsmitglied der AK für Wien, NÖ und Burgenland.

Am 5. Mai 1947 war er einer der Redner auf der „Hungerdemonstration“ vor dem Bundeskanzleramt. Diese Demonstrationen, die von der KPÖ unterstützt wurden, richteten sich vor allem gegen die Lohn-Preis-Abkommen, die die kapitalistische Restauration auf Kosten der Lohnabhängigen (wie auch sonst!) vorantrieben. In der am 26. September 1950 abgehaltenen Vorständekonferenz des ÖGB, in der das 4. Lohn-Preis-Abkommen genehmigt wurde, sprach sich Fiala als Sprecher der kommunistischen Fraktion, gegen das Übereinkommen aus. Im darauf folgenden „wilden“, d. h. gegen die Regierung und die offizielle Arbeitnehmervertretung gerichteten Oktoberstreik war Fiala eine der führenden Personen. Nach der Niederlage des Oktoberstreiks wurde Fiala am 16. Oktober 1950 auf Antrag von SPÖ-Nationalratsabgeordneten Michael Frühwirth, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft der Textil-, Leder- und Bekleidungsarbeiter, aus der Gewerkschaft ausgeschlossen; der Beschluss wurde am 19. Oktober vom Vorstand des ÖGB bestätigt. Dem Ausschluss folgte die Kündigung als ÖGB-Angestellter auf den Fuß.

Vom 1949 bis 1954 war Fiala der einzige Bundesrat der KPÖ. Bei der Bundespräsidentenwahl 1951 erhielt Fiala als Kandidat des „Linksblocks“ fast 220.000 Stimmen bzw. 5,1 % der Wählerstimmen. Ab 1952 war Fiala Vorsitzender der Gewerkschaftlichen Einheit und auch Mitglied des Generalrats des Weltgewerkschaftsbundes (WGB). Bis 1965 war er in führenden Parteipositionen tätig. Am 28. Dezember 1970 starb Gottlieb Fiala in St. Andrä an der Traisen. Die Gedenkrede beim Begräbnis am Zentralfriedhof hielt Anton Benya. Den Klassenkampf hat Fiala zeit seines Lebens nicht aufgegeben.

Erst 2015 rehabilitierte der ÖGB auf Initiative des GLB sein Gründungsmitglied.