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Der Kampf um den Achtstundentag

Geschichte Anne Rieger zur Geschichte des 1. Mai

Am 1. März 1834 streikten 30.000 Arbeiter in Manchester für den Achtstundentag: „Acht Stunden arbeiten, acht Stunden schlafen und acht Stunden Freizeit und Erholung“. Die Bewegung wurde zerschlagen. Dennoch wurde 1848 in Großbritannien der zehnstündige Arbeitstag erstmals verbindlich festgeschrieben. Ein Teilerfolg, denn ein 14stündiger Arbeitstag war zuvor keine Seltenheit. Am 21. April 1856 forderten die Arbeiter der britischen Kolonie Viktoria in Australien den Achtstundentag. Nach neun Tagen Arbeitskampf feierten sie ihren Sieg. Das war der 1. Mai 1856.

Justizmord in Chicago

Seit 1865 stand die Forderung nach dem Achtstundentag im Mittelpunkt der sich entfaltenden amerikanischen Arbeiterbewegung. 1886 traten am 1. Mai 350.000 Arbeiter mit dieser Forderung in den Streik. Schauplatz besonders heftiger Klassenauseinandersetzungen war Chicago. 40.000 Arbeiter legten die Arbeit nieder. Die Unternehmer reagierten mit Massenentlassungen und bezahlten bewaffnete Streikbrecherbanden, die unter dem Schutz der Polizei standen.

Bei Zusammenstößen zwischen Streikenden und Streikbrechern schoss die Polizei, sechs Demonstranten starben. Nach einer Versammlung am 4. Mai ging die Polizei gegen die Anwesenden vor, ein Unbekannter warf eine Bombe. Die Polizei eröffnete wieder das Feuer, vier Arbeiter und sieben Polizisten wurden erschossen.

Acht Arbeiter wurden des Mordes angeklagt, keinem konnte die Schuld nachgewiesen werden. Sieben von ihnen wurden zum Tode verurteilt. Trotz zahlreicher Proteste, auch aus dem Ausland, wurden vier gehenkt, einer ermordet. 1893 musste das Urteil wegen erwiesener Unschuld aufgehoben werden.

Weltweite Bedeutung

Der Generalstreik in den USA hatte Bedeutung für die Arbeiterbewegung weit über die USA hinaus. Ihren gewaltigen Ausdruck fand diese Bewegung durch den internationalen Arbeiterkongress 1889. Am 14. Juli trafen sich in Paris 390 Delegierte sozialistischer Arbeiterorganisationen aus Europa und den USA. Sie gründeten die Zweite Internationale.

Sie beschlossen „eine große internationale Manifestation“ an einem bestimmten Tag in allen Ländern und allen Städten zu organisieren und die Forderung an die Behörden zu richten, „den Arbeitstag auf acht Stunden festzusetzen“. Der internationale 1. Mai, Kampftag für den Achtstundentag und für die Rechte der Arbeiter war geboren.

Der Beschluss des Arbeiterkongresses rief in der internationalen Arbeiterbewegung große Begeisterung hervor. Arbeiter in vielen Ländern bereiteten sich mit großer Energie auf die Maifeier 1890 vor. Obwohl es weder Internet noch Facebook gab stellte Friedrich Engels im Dezember fest: „Für den 1. Mai wird überall gearbeitet“.

„Rüstet zur Maifeier“

Millionen ArbeiterInnen zogen am 1. Mai 1890 für den Achtstundentag durch die Straßen Europas und Amerikas. Die gesamte Tätigkeit der österreichischen Sozialdemokratie stand unter der Losung „Rüstet zur Maifeier.“ Ein besonderer Höhepunkt waren die Maifeiern in Österreich. In fast allen Industriebetrieben ruhte die Arbeit. Allein in Wien fanden am Vormittag 60 Versammlungen statt. In Prag, Znaim, Linz, Brünn und anderen Städten der Donaumonarchie kam es zu bislang nie erlebten Massenkundgebungen.

Der Druck der Arbeiter auf die Unternehmer war so groß, dass diese nicht wagten, den angekündigten Lohnabzug vorzunehmen. Friedrich Engels schrieb: „Freund und Feind sind sich darüber einig, dass auf dem ganzen Festland Österreich, und in Österreich Wien, den Festtag des Proletariats am glänzendsten und würdigsten begangen“ habe.

Eine ständige Einrichtung

Vier Jahre später analysierte Rosa Luxemburg: „Die Arbeiter dachten ... lediglich an eine einmalige Manifestation. ... Niemand konnte natürlich voraussehen, wie glänzend die Ausführung dieses Gedankens gelingen werde und wie schnell sich dieser unter der Arbeiterklasse einbürgern werde. Es genügte jedoch, einmal die Maifeier im Jahre 1890 zu begehen, damit jeder sofort begriff und fühlte, die Maifeier müsse eine alljährliche und ständige Einrichtung sein.“ So blieb es weltweit bis auf wenige Ausnahmen. Zentrale Forderung blieb der Achtstundentag und die Rechte der Arbeiter.

Die Maidemonstrationen waren immer eingebettet in die jeweilige politische Situation, so beispielsweise der Wahlrechtsmai 1906 und die Antikriegskundgebungen 1913 und 1917. In der revolutionären Situation änderte sich das Kräfteverhältnis. Die Nationalversammlung der Republik Österreich beschloss am 19. Dezember 1918 die Einführung des Achtstundentages, für Frauen und Jugendliche wurde die Arbeitszeit auf 44 Stunden beschränkt. Am 25. April 1919 wurde der 1. Mai gesetzlicher Feiertag.

Wieder auf die Straße

96 Jahre nach der Begrenzung des Arbeitstages auf acht Stunden scheint es Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer zu gelingen, den Zwölfstundentag wieder einzuführen. Die Koalition will dies abnicken und WKO-Chef träumt bereits von der 60-Stunden-Woche. Der 1. Mai 2014 - ein guter Tag dagegen auf der Straße zu gehen.

Anne Rieger ist stv. Landesvorsitzende des GLB-Steiermark