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Der Vielschreiber

Meinung Werner Lang über Lutz Holzinger (15.2.1944-11.2.2014)

Lutz Holzinger war ein „Vielschreiber“, ganz in der Tradition seines „Vorbildes“ Egon Erwin Kisch: Er verfasste nicht nur zahlreiche Betriebs- und andere Reportagen, sondern recherchierte bis zuletzt an den großen Themen wie „Armut“ oder Bankengeschäfte am Beispiel des Raiffeisen-Komplexes. Große Aufmerksamkeit erregten bereits seine Analysen in den frühen 70er-Jahren, weniger bekannt sind seine in jenen Jahren ebenfalls publizierten Bücher zu Fragen der Pädagogik und Warenästhetik. Er schrieb auch unzählige Artikel für den Gewerkschaftlichen Linksblock.

Sich selbst sah Lutz immer „nur“ als Journalist und Sachbuchautor, nie als belletristischen Schriftsteller. Doch wie wenige andere engagierte, kämpfte und schrieb er für die Verbesserung der Lebenssituation von Kulturschaffenden. Damit uns Lutz Holziger in Erinnerung bleibt, hat die Edition Tarantel vom Werkkreis Literatur der Arbeitswelt eine Broschüre mit Texten von Lutz Holziger herausgegeben.

Lutz Holzinger schreibt über sich (Volksstimme, Dezember 2013): „Meine Erzählung klingt sachlich und entspricht meiner Stimmung in dieser Zeit. Seltsamerweise war ich von keinen Ängsten geplagt, rechnete zwar mit dem Ärgsten, hoffte jedoch auf einen positiven Ausgang. Ursprünglich war ich der Meinung, dass mir ohnehin nichts passieren könne. Als das Karzinom in der Lunge festgestellt wurde, war mir plötzlich bang, weil ich in dieser Lage mit dem Schlimmsten rechnen musste.

Abgesehen davon, dass es in den Krankenhäusern im Allgemeinen und im AKH im Besonderen bei Spezialuntersuchungen fürchterlich lange Wartezeiten gibt, schien mir das Spitalssystem in Österreich weitgehend geglückt. Die Zusammenarbeit der einzelnen Gruppen (Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger, Helferinnen und Reinigungsfrauen) und der Spitäler in Wien scheint gut zu funktionieren. Den Patientinnen und Patienten wird je nach Zustand nach meiner Erfahrung genug Freiraum gelassen, um ihre sonstigen Bedürfnisse zu erfüllen.

Eine andere Frage sind natürlich die Arbeitszeiten des Spitalpersonals. Ein Gebiet, auf dem Österreich und speziell das AKH weit hinter den Standards der Europäischen Union herhinkt. Diese Unzulänglichkeiten gehören rasch debattiert und gelöst.“

Werner Lang ist im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt – Werkstatt Wien aktiv

Lutz Holzingers Buchveröffentlichungen:
* Prototypen - Modelle zur Kritik der Medien (mit Michael Springer und Jörg Zeller), Wien und München 1972
* Der produzierte Mangel - Warenästhetik und kapitalistisches Krisenmanagement, Siamberg 1973
* Zeit im Bild-Analyse (mit Michel Springer und Jörg Zeller), Wien und München 1973
* Schmutz und Schund im Unterricht (mit Hannes Amschl und Julius Mende), Darmstadt 1973
* Gesellschaftliche Arbeit und private Hauswirtschaft, Starnberg 1974
* Weißbuch Schwarzgeld - Geldwaschen in Österreich, Wien 1994
* Adalbert Stifter - Seine Welt, Wien 2004
* Das Gespenst der Armut - Reportagen „und Analysen zur Kritik der sozialen Vernunft, Wien 2010
* Schwarzbuch Raiffeisen (mit Clemens Staudinger) Wien 2013
* Gerald Grassl, Edition Tarantel, Werkkreis Literatur der Arbeitswelt, Wien