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Die „gläserne“ Decke

Meinung Rosalia Krenns Editorial

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Nicht schon wieder. Das klingt abgedroschen, alt und fad. Wie oft sollen wir Frauen das noch rauf- und runterbeten? Fällt uns nicht mal was Neues und Spritziges ein? Schon. Aber es ändert nichts daran, dass wir Frauen oft genug für die gleiche Arbeit weniger Geld bekommen und dies die Frage unserer Existenz berührt. In Niedriglohnbranchen wie dem Sozial- und Gesundheitsbereich, wo primär Frauen tätig sind, trifft das Fakt der geringen Entlohnung Männer gleichermaßen. Die lausigen KV-Abschlüsse treffen beide Geschlechter. Zusätzlich haben wir Frauen häufiger Angehörige mitzufinanzieren als Männer. Dazu wird der Großteil der unbezahlten Arbeit von uns Frauen verrichtet.

Auch von der zunehmenden Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse sind Frauen stärker betroffen als Männer: „Prekarisierung der Lohnarbeit nimmt auch in Österreich zu! Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit ist laut Mikrozensus-Erhebung der Statistik Austria vom 3. Quartal 2012 zum 3. Quartal 2014 von 38,0 auf 37,2 Stunden zurück gegangen (Männer: von 42,1 auf 41,2, Frauen von 33,0 auf 32,3 Stunden). Die Teilzeitquote stieg von 1994 bis 2013 von 13,6 auf 26,6 Prozent, wobei Frauen deutlich häufiger in Teilzeit arbeiten (von 26,0 auf 45,5 Prozent) als Männer (von 4,2 auf 10,0 Prozent).“ (Initiative AKTIVE ARBEITSLOSE 3.2.2015)

In hochqualifizierten Jobs sind Frauen mit der „gläsernen Decke“ konfrontiert. Das empfinden viele Frauen als ungerecht. Im Kapitalismus sind Reichtum und Einkommen ungleich verteilt, werden Arbeitskraft und Arbeitsleistung unterschiedlich entlohnt, verdienen Manager ein Vielfaches von dem einer Reinigungskraft, ohne die in einem Betrieb gar nichts geht. Für mich persönlich ist es, abgesehen von der Verteilung der Gelder, nicht erstrebenswert, einen Managementposten zu erlangen, bei dem es meine primäre Aufgabe wäre, das bestehende Gewalt- und Herrschaftssystem zu stabilisieren und auf Kosten anderer zu profitieren.

Erstrebenswert ist es, dieses System zu verändern. Ich möchte keinen Männerjob mit der Verantwortung für Armutsgefährdung, Armut, für Entrechtung, Ausbeutung und Unterdrückung. Wenn es um Gerechtigkeit geht, sollte es ein existenzsicherndes Einkommen für alle Menschen geben. Die Reichtums- und Einkommensschere zu schließen würde die vorhandenen Mittel gleich verteilen. Die Arbeit einer Billa-Verkäuferin ist genauso anstrengend und wertvoll wie die eines Filialleiters. Männer und Frauen: Kämpfen wir gemeinsam für ein schönes Leben für alle!

Rosalia Krenn ist Betriebsrätin bei der Lebenshilfe Salzburg und Stv. GLB-Bundesvorsitzende