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Die instrumentalisierte Religion

International Osman Çakirca über islamischen Fundamentalismus

Als Kinder einer algerischen Familie waren Said und Cherif Kouachi in Paris geboren und aufgewachsen. Spätestens nach ihrem kaltblütigen Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“, waren sie weltweit bekannt und die Debatte um den Islam mit all ihren Facetten wurde wieder aktuell. Lange Zeit war im Westen die Vermutung verbreitet, dass die islamische Religion von selbst eine Reformation erleben würde. Denn es wurde angenommen, dass die dafür notwendige Infrastruktur in der europäischen Demokratie durch das Vorhandensein von sozialen Rechten und Freiheit gegeben sei.

Allerdings wurde dabei außer Acht gelassen, dass ethnische Unterschiede, sowohl von manchen Regierungen europaweit als auch von einigen reaktionären religiösen Organisationen schon seit Jahren missbraucht werden. Die Verarmung der Gesellschaft, Rassismus und Diskriminierung und viele andere soziale Problemfelder, die durch eine heuchlerische Politik entstanden sind, wurden lange ignoriert.

Auch fand die internationale Dimension dieses Problems wenig Achtung. Die Verflechtung von Innen- und Außenpolitik machte sich plötzlich bemerkbar als Tausende von jungen Menschen aus Europa für IS (Islamischer Staat) in den Krieg zogen. Junge Menschen aus den Ghettos in Frankreich und Deutschland und anderen europäischen Ländern, welche in Arbeitslosigkeit, Armut und Verzweiflung gedrängt waren, befanden sich schließlich auf der Suche nach einem leeren Traum im Krieg.

Die Ausbeutung der imperialistischen Länder im Nahen Osten und in Afrika, Kriege bei denen Tausende von Menschen ums Leben kamen, sind weitere der Gründe, die zum Wachstum von Organisationen wie IS führten. Ohne Zweifel ist es auch so, dass die großen imperialistischen Mächte zeitweise radikale Organisationen unterstützen, oder gar solche schaffen, um diese als ihre Marionetten ausspielen zu können. FSA (Freie Syrische Armee) und Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) sind die jüngsten Beispiele dafür.

Doch welchen Weg sollen die Arbeitenden gehen? Für die Arbeiterklasse ist es wichtiger denn je sich jenseits von ethnischen und kulturellen Unterschieden für ihre gemeinsamen Forderungen zusammenschließen und dafür zu kämpfen. Dies ist das, was heutzutage benötigt wird.

Diskriminierungen aufgrund des Glaubens oder der Herkunft dürfen nicht zugelassen werden. Ebenso darf nicht vergessen werden, dass Religions- und Entscheidungsfreiheit eine essenzielle Grundlage für Menschenrechte bilden und zu den Forderungen der Arbeiterklasse zählen.

Rassistische und faschistische Organisationen sollten keine Möglichkeit finden sich unter dem Deckmantel der Demokratie verbreiten. Denn während Nazis sich bequem auf freiem Fuß bewegen können, werden im Nahen Osten im Namen der Religion Massenmorde an Kurden und anderen Minderheiten begangen. Daher sind wir Menschen gefordert als Einheimische und Zugewanderte, Arbeiter und Jugendliche, Frauen und Männer, uns um unsere sozialen Fragen zu vereinen und dafür zu kämpfen.

Osman Çakirca ist Vorstandsmitglied der DIDF (Föderation der demokratischen Arbeitervereine)