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Die Obsoleszenz des Kapitalismus

Meinung Sepp Eisenriegler über Wachstum in der Krise

Multis beuten in den Ländern des Südens Rohstoffe aus, die dann in Schwellenländern unter menschenunwürdigen Bedingungen zu Produkten verarbeitet werden, welche dann wir im Norden billig kaufen und nach kurzen Nutzungszyklen wegschmeißen. Manche Abfälle landen dort, wo die Rohstoffe herkommen und gefährden – etwa Elektroschrott in Ghana – die Gesundheit der dortigen Bevölkerung. Von den ökologischen Auswirkungen einmal abgesehen.

Der globale Ressourcenverbrauch hat sich in den letzten 30 Jahren nahezu verdoppelt, der Elektroschrott in der EU vervierfacht. Solche Altgeräte sind die schnell wachsende Fraktion des Abfalls: Plus 33 Prozent zwischen 2012 und 2017. Pro EU-BürgerIn jährlich 14 Kilo. Österreich liegt mit 25,3 kg pro Kopf und Jahr weltweit im Spitzenfeld.

Wachstum fasziniert

Wachstum wird mit Fortschritt und Verbesserung gleichgesetzt. In der Natur hingegen ist Wachstum begrenzt, Pflanzen oder Menschen sind eines Tages „ausgewachsen“. In der Wirtschaft ist hingegen Wachstumszwang angesagt: Produktion, Umsatz, Beschäftigung, Produktvielfalt, Verbrauch – alles soll wachsen. So wurde Wachstum zum Ziel der Entwicklung und steht im Fokus der Politik.

Der Wirtschaftskreislauf ist aber kein isoliertes System, sondern Bestandteil des gesellschaftlichen Handelns und steht in enger Beziehung zur Natur. Er funktioniert durch Verbrauch von Naturkapital und Ausstoß von Abfall und Emissionen. Die Belastbarkeit des Ökosystems und der Menschen sind jedoch begrenzt. Das Naturkapital ist endlich, die Grenzen nicht erweiterbar. Für wachstumskritische Ökonomen ist das derzeitige Wirtschaften „imperial“.

Längst wird die natürliche Wachstumsgrenze überschritten. Der Earth Overshoot-Day – jener Tag, an dem weltweit alle Ressourcen aufgebraucht sind, welche die Erde in einem Jahr produzieren kann – war 2016 schon Anfang August. Derzeit erfolgt Wirtschaftswachstum indem ökologische Belastungen und soziale Kosten wirtschaftlichen Handelns räumlich und zeitlich in Natur und Gesellschaft „externalisiert“ werden.

Würden die Preise die ökologische und soziale Wahrheit ausdrücken, wäre längst Schluss mit Wachstum: So aber werden die Kosten für den Erhalt von Naturkapital der Gesellschaft überantwortet. Diese Externalisierung wird durch höhere Profite belohnt. Der Mythos eines grenzenlosen Wachstums aber bleibt lebendig. Die dadurch überhöhten Gewinne sind ein Bestandteil der wachsenden Umverteilung von Arm zu Reich.

Was leistet das R.U.S.Z?

Geplante Obsoleszenz ist das bewusste Einbauen von Schwachstellen in Produkte, um deren Lebensdauer zu verkürzen. In Extremfällen werden Sollbruchstellen eingebaut, die Geräte nach einer bestimmten Anzahl von Betriebsstunden außer Funktion setzen. Infolge der Sensibilisierung der Bevölkerung durch die Medien über diese geplante Obsoleszenz erreichen das R.U.S.Z immer mehr Anfragen: „Was soll ich kaufen, wie erkenne ich langlebige, reparierbare Produkte?“

Seit Oktober 2013 konnten über 300 einschlägige Beiträge zur Bekämpfung von Ressourcenverschwendung zu Lasten kommender Generationen medial lanciert und damit ein Beitrag zur Bewusstseinsbildung für nachhaltigen Konsum geleistet werden. Seit 2015 wurden Elektrogeräte nach der Norm „Gütezeichen für langlebige, reparaturfreundlich konstruierte elektrische und elektronische Geräte“ geprüft und festgestellt, dass die Produkte immer kurzlebiger konstruiert werden.

Das R.U.S.Z bereitet auf Grundlage der Elektroaltgeräte-, Abfallrahmen- und Ökodesignrichtlinien der EU deren Umsetzung vor. Eine Positivliste und ein Gütesiegel für langlebige und reparaturfreundliche Neugeräte würden steigende Nachfrage für qualitativ hochwertige Elektrogeräte gewährleisten. Das reduziert Ressourcenverbrauch und E-Schrott-Abfall und wäre ein Beitrag zum Klimaschutz. Auch die Absicherung seriöser Reparaturdienstleistungs-Anbietern und die Schaffung von Green-Jobs würde damit gewährleistet.

Energie- und Kosteneffizienz

Bei dem vom Klimafonds geförderten R.U.S.Z-Projekt „Waschmaschinen-Tuning“ zur Steigerung der Energieeffizienz alter Waschmaschinen stellte sich heraus, dass die Energieeffizienz mehr vom Nutzerverhalten und Energiemix abhängt als von den technischen Voraussetzungen der Geräte.

Schon 2006 war klar: Waschmaschinen und Geschirrspüler sind punkto Energieeffizienz am technischen Limit. KonsumentInnen mit wenig Liquidität müssen mit billigen, aber kurzlebigen Geräten vorliebnehmen. Es gilt daher, neue Finanzierungsmodelle, wie Produktdienstleistungssysteme (Mietleasing) zu entwickeln und anzubieten. Nicht nur Wohlhabende dürfen es sich leisten können billig zu waschen.

Die Investitionskosten für 20 Jahre saubere Wäsche liegen bei 1.500 Euro (eine langlebige Waschmaschine, zwei Reparaturen) oder bei 2.100 Euro (sieben kurzlebige Wegwerfwaschmaschinen, keine Reparaturen und Zustellkosten). Es gilt, möglichst problemlos an saubere Wäsche zu kommen. Wenn die Hersteller an Leasingeinnahmen verdienen, werden sie langlebige, servicefreundliche Produkte anbieten. Das R.U.S.Z bietet nun für „Nutzen statt kaufen“ – vorerst beschränkt auf den Großraum Wien – Mietwaschmaschinen um 18 Euro pro Monat an.

Sepp Eisenriegler ist Geschäftsführer des Reparatur- und Service-Zentrums R.U.S.Z in Wien