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Ehrenrettung für „schwarze Schafe“

OÖ Zur vermeintlichen Ehrenrettung der heimischen Wirtschaft ist der oö Wirtschaftskammer-Präsident Rudolf Trauner mit einem Kommentar via „Bezahltes Inserat“ angetreten. Stein des Anstoßes ist das zum vierten Mal veröffentlichte „Schwarzbuch Arbeitswelt“ der oö Arbeiterkammer. Darin werden zahlenmäßig die Verstöße von Unternehmen gegen elementare Arbeitsrechtbestimmungen aufgelistet und die zehn größten Sünder namentlich genannt und 65 exemplarische Fälle aufgelistet. Nach einem Hohelied auf die Leistungskraft der Wirtschaft findet es Trauner „umso ärgerlicher“, dass sein sozialpartnerschaftliches Gegenüber ein solches Schwarzbuch veröffentlicht und „arbeitsrechtliche Verstöße anhand von Einzelfällen aufzeigt“ und damit aus der Sicht Trauners „den Wirtschaftsstandort Oberösterreich in einem schiefen Licht darstellt.“

Nun könnte man natürlich meinen, dass es der Wirtschaftskammer kein Problem, sondern sogar ein Anliegen sein sollte, die wenigen „schwarzen Schafe“ aufzuzeigen und den betroffenen Unternehmen klar zu machen, dass sie derartige Missstände im Interesse der ganzen Wirtschaft gefälligst abstellen sollen. Weit gefehlt, Trauner läßt sich selbst und die ganze Wirtschaft von den „schwarzen Schafen“ in Geiselhaft nehmen um gegen „solche populistischen Aktionen“ zu wettern, mit denen „das gute sozialpartnerschaftliche Klima“ gestört wird. Aber vielleicht ist es auch nur eine durchaus anzunehmende Dunkelziffer, die Trauner mit dieser Sichtweise eingesteht und es sind durchaus nicht nur wenige „schwarze Schafe“. Vor allem aber stört den Präsidenten „die namentliche Nennung der betroffenen Unternehmen“, was „sehr sauer“ aufstoßen läßt.

Spitzenreiter bei Arbeitsrechtverstößen im Zeitraum vom Herbst 2010 bis Frühjahr 2013 die Bodenlegerfirma Estriche Ohler, die Firma Aktivbau und die Spedition Stadler. Laut Arbeiterkammer existieren sechs der zehn aufgelisteten Unternehmen übrigens nicht mehr, was allein schon Grund für die WKO und aller seriösen Unternehmen sein müsste nicht in solche Hysterie zu verfallen. Und womit auch deutlich wird, dass ein fairer Umgang mit den Beschäftigten längerfristigen wirtschaftlichen Erfolg ermöglicht.

Die oö Arbeiterkammer erkämpfte 2012 nicht weniger als 85 Millionen Euro für die Beschäftigten, die AK-Arbeitsrechtsexpert_innen führten rund 230.000 Beratungen durch. Im Vordergrund standen dabei Lohn- und Gehaltsfragen sowie die Beendigung von Dienstverhältnissen. Arbeitskräfteüberlassung, Transport, Reinigung und Bauwirtschaft waren die am häufigsten aufscheinenden Branchen. In rund 17.000 Fällen wurden Beschäftigte kostenlos vertreten.

Das „Schwarzbuch Arbeitswelt“ zum Download: http://media.arbeiterkammer.at/ooe/pu...tswelt.pdf