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Ein klassenorientierter Gewerkschafter

Geschichte Manfred Mugrauer über Otto Horn (1905–1967)

Am 31. März jährt sich zum 50. Mal der Todestag einer führenden Persönlichkeit der Gewerkschaftsbewegung. In Otto Horns Biographie spiegelt sich die Geschichte der österreichischen ArbeiterInnenbewegung. In der Ersten Republik Sekretär der Freien Gewerkschaften, nach dem Februar 1934 Übergang zur KPÖ und führender Funktionär der illegalen Gewerkschaftsbewegung in den Jahren der austrofaschistischen Diktatur, sechs Jahre Internierung in einem Nazi-Konzentrationslager und schließlich hauptamtlicher Sekretär der Gewerkschaft der Privatangestellten bis zu seinem Tod 1967.

Otto Horn wurde am 26. Juli 1905 in Wien geboren und war in seiner Jugendzeit in der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) aktiv. Bereits mit 16 Jahren wurde er Mitglied im Bund der Industrieangestellten und 1926 der Sozialdemokratischen Partei. Als Sekretär der damaligen Angestelltengewerkschaft war er auch Mitglied ihrer Vorständekonferenz. Im Februar 1934, nach der Niederlage der ArbeiterInnenbewegung, trat Horn – wie viele vom Zurückweichen der Parteiführung enttäuschte SozialdemokratInnen – zur KPÖ über.

Illegale Gewerkschaftsbewegung

Nach dem Verbot der Organisationen der ArbeiterInnenbewegung war Horn einer der wichtigsten Funktionäre der illegalen Gewerkschaften. Er war Mitglied der von der KPÖ initiierten Wiederaufbaukommission der Freien Gewerkschaften (WAK) und Organisationsleiter der illegalen Angestelltengewerkschaft. Die von Friedrich Hillegeist und Otto Horn geleitete „Freie Angestelltengewerkschaft“ (FRAGÖ) war die einzige von Beginn an einheitliche illegale Gewerkschaft, in der kommunistische, sozialistische und parteilose AktivistInnen zusammenarbeiteten. Als im Sommer 1935 die WAK und der sozialdemokratische Siebenerausschuss schließlich die Gewerkschaftseinheit realisierten, wurde Horn Mitglied der neu etablierten Bundesleitung und stieß zum Redaktionsteam der Zeitschrift „Die Gewerkschaft“.

1937 verhaftet, verbrachte Horn sechs Monate in Polizeihaft und im Wiener Landesgericht, bis er schließlich mehrere Monate im Anhaltelager Wöllersdorf festgehalten wurde. Im Zuge der Februaramnestie des Jahres 1938 kam er wieder frei. Bei der Konferenz der Gewerkschaftsvertrauensmänner am 7. März 1938 in Floridsdorf, bei der die ArbeiterInnenschaft zum Widerstand gegen die drohende Annexion durch Hitler-Deutschland aufgerufen wurde, war er einer der Hauptredner.

Als führender Funktionär der KPÖ und der illegalen Gewerkschaftsbewegung wurde Otto Horn im August 1939 von der Gestapo verhaftet und im KZ Buchenwald interniert. Hier beteiligte er sich am Häftlingswiderstand und war Mitglied des Internationalen Lagerkomitees. Nach der Befreiung des Lagers im April 1945 war er Vorsitzender des Österreichischen Nationalkomitees in Buchenwald.

Zentralsekretär der GAP

Nach Wien zurückgekehrt, schaltete sich Horn sofort in den Wiederaufbau der Gewerkschaftsbewegung und in die Parteiarbeit der KPÖ ein. In dem von den drei Parteien ins Leben gerufenen ÖGB wurde er Zentralsekretär einer der wichtigsten Teilgewerkschaften, der Gewerkschaft der Angestellten in der Privatwirtschaft. Damaliger Vorsitzender der GAP war Friedrich Hillegeist (SPÖ), mit dem Horn bereits im Bund der Industrieangestellten, in der FRAGÖ und im KZ Buchenwald zusammengearbeitet hatte. Seit dem ersten ÖGB-Kongress im Mai 1948 war Horn auch Mitglied des Bundesvorstands des ÖGB und einer der wichtigsten Repräsentanten einer klassenorientierten Gewerkschaftspolitik.

Nach der Streikbewegung im Herbst 1950, in deren Folge zahlreiche kommunistische GewerkschaftsfunktionärInnen aus dem ÖGB ausgeschlossen und gemaßregelt wurden, wurde Horn zwar als Zentralsekretär abberufen, aber als Sekretär weiterbeschäftigt. Von seiner breiten Anerkennung über Parteigrenzen hinweg zeugt die Tatsache, dass er trotz der damaligen antikommunistischen Grundstimmung bis in die 1960er Jahre hinein Sekretär der Angestelltengewerkschaft blieb und als Vertreter der KPÖ in das ÖGB-Präsidium kooptiert wurde. Bis zuletzt war Horn Vorsitzender der KPÖ-nahen Gewerkschaftliche Einheit (GE), zeitweilig war auch Vorstandsmitglied der Wiener Arbeiterkammer. In der Wiener Vollversammlung und auf den Arbeiterkammertagen war er meist der Hauptsprecher der Linksfraktion.

Otto Horn bekleidete nicht nur in der Gewerkschaftsbewegung, sondern auch in der KPÖ und im KZ-Verband führende Funktionen: Er war Vizepräsident des KZ-Verbandes und Mitglied des Sekretariats der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer. Mit einer kurzen Unterbrechung (1954–58) gehörte er seit 1945 stets der engeren Parteiführung an. 1946 wurde er in das Zentralkomitee der KPÖ gewählt.

Als Johann Koplenig 1965 als Parteivorsitzender zurücktrat, war Horn als sein Nachfolger im Gespräch, was von der großen Wertschätzung zeugt, die er in seiner Partei genoss. Horn lehnte aber diesen Vorschlag ab, weil er sich weiter ganz auf die Gewerkschaftspolitik konzentrieren wollte und mit Franz Muhri ohnehin ein geeigneter und wesentlich jüngerer Nachfolgekandidat zur Verfügung stand. Otto Horn starb am 31. März 1967 in Wien.

Manfred Mugrauer ist Historiker und wissenschaftlicher Sekretär der Alfred Klahr Gesellschaft