Obwohl gesetzlich verpflichtet, haben l├Ąngst nicht alle Betriebe einen Betriebsrat. Nicht genug, geh├Ąuft sind Besch├Ąftigte, die einen Betriebsrat gr├╝nden m├Âchten, mit der K├╝ndigung konfrontiert. ÔÇ×Arbeitgeber_innen behaupten dann zwar regelm├Ą├čig, dass die K├╝ndigung rein gar nichts mit der Betriebsratsgr├╝ndung zu tun habe. Allerdings sind die zeitlichen Abl├Ąufe meistens so auffallend, dass klar wird, dass es ohne das Thema ,Betriebsratsgr├╝ndungÔÇś wohl nie zu einer K├╝ndigung gekommen w├ĄreÔÇť, moniert die AK-Tirol. Nach der Drogeriemarktkette M├╝ller ereignete sich eine ├Ąhnliche K├╝ndigung nun auch in Innsbruck beim Baumarkt Hornbach: Hier bem├╝hte sich ein Besch├Ąftigter um eine Betriebsratsgr├╝ndung, f├╝hrte Gespr├Ąche mit seinen Kolleg_innen ÔÇô und erhielt daf├╝r vom Chef die K├╝ndigung. Auf seine ausdr├╝ckliche Frage nach dem K├╝ndigungsgrund wurde ihm mitgeteilt, dass man ihm das nicht sagen m├╝sse. Interessantes Detail ist, dass der Betrieb gleichzeitig auf Personalsuche war und zahlreiche Stellen ausgeschrieben hat. "Ein deutlicher Hinweis darauf, dass die K├╝ndigung allein wegen der Betriebsratsgr├╝ndung erfolgte", so die AK-Tirol.

"Um einiges ehrlicher zeigte sich da schon Ende April, Anfang Mai 2016 schon Red-Bull-Dosen-Boss Mateschitz. Er verk├╝ndete das Ende seines Privatsenders "Servus-TV" und k├╝ndigte die Entlassung aller Besch├Ąftigten an. Nach dem anf├Ąnglichen Grund "der wirtschaftliche Untragbarkeit" best├Ątigte der Selfmade-Milliard├Ąr gegen├╝ber den "Salzburger Nachrichten" seine Wut ├╝ber eine m├Âgliche Betriebsratsgr├╝ndung: ÔÇ×Unabh├Ąngigkeit, Eigenst├Ąndigkeit und Unbeeinflussbarkeit war von Anfang an ein tragender Pfeiler von Servus TV. Die Betriebsratsgr├╝ndung h├Ątte diese Werte insbesondere durch die Art und Weise ihres Zustandekommens - anonym, unterst├╝tzt von Gewerkschaft und Arbeiterkammer - nachhaltig besch├Ądigt. Dass diese Vorgehensweise bei der Entscheidung in der aktuellen Situation des Senders nicht gerade dienlich war, ist evident.ÔÇť

Verp├Ântes K├╝ndigungsmotiv

F├╝r Sport- und Salzburg-G├Ânner Mateschitz gab es f├╝r diesen Mitbestimmungs- und Demokratie-Fauxpas von AK und Gewerkschaft einen gewaltigen Kniefall. Die "Die Presse" dazu: "Es d├╝rfte auch f├╝r Gewerkschaftsf├╝hrer Gerald Forcher eine neue Erfahrung gewesen sein. Indem er versprach, dass sich die Gewerkschaft k├╝nftig nicht mehr in die Angelegenheiten des Red-Bull-Senders Servus TV einmischt, rettete er 260 Arbeitspl├Ątze.

Ob Mitarbeiter ihre innerbetrieblichen Mitwirkungsrechte wahrnehmen wollen, obliege ausschlie├člich ihnen selbst, sagte Forcher. Auch ein spannender Satz aus dem Munde eines Gewerkschafters. ├ťberhaupt offenbarte die Reality-Show rund um den Sender Servus TV viel ├╝ber einen ins Wanken geratenen Machtanspruch von Gewerkschaften in einer globalisierten Welt."

Anders bei der Drogeriekette M├╝ller und bei Baumarktkette Hornbach. Bei M├╝ller geht die GPA-djp rechtlich gegen die K├╝ndigung vor und hat bereits eine Anfechtung wegen verp├Ânten Motivs beim zust├Ąndigen Arbeits- und Sozialgericht eingebracht. Und in Tirol hat Hornbach das gleiche von der AK zu erwarten. ÔÇ×Der engagierte Hornbach-Mitarbeiter wird von der AK Tirol unterst├╝tzt, um seine Forderungen geltend machen zu k├Ânnen", so in einer Presseaussendung der AK-Tirol.