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GEBEN ist seliger denn NEHMEN...

Meinung Josef Stingl ist Koch in Innsbruck, GLB-Bundesvorsitzender und Mitglied des ÖGB-Bundesvorstandes

Was haben eigentlich der Arbeitsmarkt und ein Supermarkt gemeinsam? Nur dass im Ersteren keine Waren, sondern Menschen im Angebot stehen, die man nach Gebrauch wie einen Joghurtbecher – obendrein noch ohne Beanstandung – wieder ins Regal zurückstellen kann. Einziger Unterschied, dass sich der Konsument dieser „Ware Mensch“, sogar noch als „(Arbeit)GEBER“ repräsentieren kann... Stellt man den verankerten Begriff „ArbeitGEBER“ auf den Boden deutscher Sprachbedeutung, stellt sich die Gretchenfrage: Wer gibt, und wer nimmt denn eigentlich? Die vielen, als „Arbeit-NEHMER“ bezeichneten Menschen GEBEN ihre ARBEIT jenen als „ArbeitGEBER“ bezeichneten Menschen, die dann aus dieser ARBEIT ihren Profit entNEHMEN. Viele solcher irrgeführenden Bezeichnungen prägen leider das kollektive Unbewusste in unserem Sprachraum und dienen der Durchsetzung profitgesteuerter Einzel- und Gruppeninteressen. Sie vertuschen ein Menschenbild, das nichts anderes als die blanken Zahlen eines „geduldeten“ Kostenfaktors beschreibt!

Ein Beispiel: Seit Jahren hören wir, dass der „kristallene ArbeitGEBER“ Swarovski immer mehr in wirtschaftliche Bedrängnis kommt und sich daher immer wieder von einem Teil seiner zahlreichen ArbeitNEHMER trennen muss. Erst vor kurzem wurden wieder über hundert der unseligen NEHMER-Innen ins Regal „AMS“ gestellt. Und fast gleichzeitig wurde uns noch die „Hiobsbotschaft“ übermittelt, dass die Familie Swarovski im „Österreichs-Reichsten-Ranking“ von Rang sieben auf den Rang neun zurückgefallen sei...

Und die blanken Zahlen? 2006 besaß der Swarovski-Clan ein Vermögen von rund zwei Milliarden Euro. 2013, also sieben Jahre später, waren es dann 2,7 Milliarden. Anders ausgedrückt: Dieses Vermögen ist jährlich um runde 100 Millionen Euro angestiegen. Im gleichen Zeitraum haben Swarovski, Langes & Co. alleine in Wattens weit über tausend ArbeitNEHMERn die Kündigung geGEBEN.