Die Diskussion zum 12-Stunden-Arbeitstag nimmt immer skurrilere Züge an. In der jüngsten Attacke beruft sich ÖVP-Vizekanzler Spindelegger jetzt sogar auf eine ÖGB-Broschüre, in der sich – laut Spindelegger – unter Maßnahmen gegen den Neoliberalismus die Forderung nach „Flexibilisierung der Arbeitszeit unter Wahrung der Interessen von ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen“ befindet. „Wir sagen nein zu weiteren Arbeitszeit-Flexiblisierungsmaßnahmen. Bereits jetzt gibt es in manchen Kollektivverträgen Durchrechnungszeiträume von bis zu einem Jahr, dank derer sich die Unternehmen die Bezahlung von Überstunden sparen“, erklärt Vorsitzende des Gewerkschaftlichen Linksblock im ÖGB (GLB), Josef Stingl.

An die ÖGB-Führung gerichtet verlangt der Linksgewerkschafter klare Ansagen, und sich nicht immer in Forderungen, die von allen Seiten für sich beansprucht werden, zu verzetteln. „ Österreich liegt bei der tatsächlichen Arbeitszeit im Spitzenfeld der EU und die Produktivität steigt ins unermessliche während die Lohnquote stagniert. Arbeitszeitverkürzung – und das bei vollem Lohn- und Personalausgleich – ist das Gebot der Zeit“, so Stingl.

Der GLB fordert daher den ÖGB auf, über keine weiteren Flexibilisierungen der Arbeitszeit zu verhandeln, sondern sich für die sofortige Einführung der 35-Stunden-Woche einzusetzen. „Diese Uralt-Forderung der Gewerkschaft soll endlich umgesetzt werden“, so Josef Stingl, „eigentlich wäre es dank der hohen Produktivität notwendig, bereits über die 30-Stunden-Woche zu sprechen. Eine sofortige Verkürzung der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit ist auch im Interesse der Gesundheit der Beschäftigten.“