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GLB trauert um Ernst Schmidt

Über uns Im Bild: Ernst Schmidt (dritter von links) bei der Verabschiedung bei der ÖAF 1981. Im Bild Adolf Czettel (Wiener AK-Präsident), Anton Hofer (GLB-Bundesvorsitzender) und Sebastian Schittenkopf (Nachfolger Schmidts als BR-Vorsitzender). Einer der wichtigsten Wiener Arbeiterfunktionäre der Nachkriegszeit ist tot. Der Schmidt Ernstl, wie er von seinen KollegInnen gerufen wurde, war eine zentrale Gestalt des großen Oktoberstreiks 1950, der massivsten Klassenauseinandersetzung in Österreich nach dem Krieg, die um die Frage geführt wurde, wer den kapitalistischen Weg des Wiederaufbaus bezahlen soll.

Ernst Schmidt wurde im November 1920 in eine Wiener Arbeiterfamilie geboren. Er erlernte den Beruf eines Mechanikers und wurde als junger Bursch von der Hitler-Wehrmacht eingezogen. In russischer Kriegsgefangenschaft wurde er zu einem entschiedenen Kriegsgegner und Antifaschisten. Nach seiner Rückkehr nach Wien 1946 trat er der KPÖ bei, der er bis zu seinem Tod die Treue hielt.

1947 begann er in der damaligen großen Floridsdorfer Fabrik der Austro-Fiat, später Österreichische Automobilfabrik (ÖAF), später Gräf und Stift, heute MAN als Automechaniker zu arbeiten. Schon 1948 war er Obmann der Betriebsgruppe der KPÖ. Als Betriebsrat ab 1949 und als Betriebsratsobmann 1951 vertrat er die KollegInnen gegenüber der Geschäftsführung und wurde immer wieder (zwölf Mal) bis zu seiner Pensionierung als Obmann gewählt.

Die ÖAF war ein Brennpunkt des Oktoberstreiks, fand doch dort die große gesamtösterreichische Konferenz der Streikbewegung statt. Ernst Schmidt führte bei dieser Konferenz, an der mehrere tausend Arbeitervertreter teilnahmen, den Vorsitz, wodurch er weit über seinen Betrieb hinaus bekannt wurde. Es war die Antwort der Arbeiter auf die Maßregelungen der Gewerkschaftsführung gegen bekannte Streikführer, als die Liste der Gewerkschaftlichen Einheit mit Ernst Schmidt an der Spitze in seinem Betrieb 1951 die Mehrheit erhielt.

In vielen betrieblichen Auseinandersetzungen gelang es ihm mit seinen KollegInnen, den Verkauf und eine Zerschlagung des Betriebes oder größere Kündigungen zu verhindern. Wirtschaftlichen Weitblick bewies er mit seiner Forderung nach einer einheitlichen österreichischen Fahrzeugindustrie, die später in anderer Form von Kreisky aufgegriffen wurde.

Ernst Schmidt wurde auch Arbeiterkammerrat und nach seiner Wiederaufnahme in den ÖGB Mitglied der Leitung der Metallarbeiter und Mitglied des Bundesvorstands des ÖGB. Als Mitglied der Bundesleitung der Gewerkschaftlichen Einheit und später des Gewerkschaftlichen Linksblocks war er eine der wichtigsten kritischen Stimmen zur Politik des ÖGB im ÖGB.

Mit dem Namen Ernst Schmidt sind viele soziale Errungenschaften und Verbesserungen für die Arbeiter in der Nachkriegszeit verbunden. So kämpfte er erfolgreich gegen die Kriegslohnsteuer, für die Überbrückungshilfe, die später in den 13. und 14. Gehalt weiter entwickelt wurde. 1958 setzte er im Betrieb die 45-Stunden-Woche durch, die ein Jahr später für ganz Österreich galt. Wesentliche Verbesserungen gelangen ihm durch sein Auftreten in der Arbeiterkammer beim damaligen Gesetz zur Lohnfortzahlung der Arbeiter im Krankheitsfall. Schon früh in den 60er Jahren setzte er sich für die 40 Stundenwoche ein, die schließlich 1975 Realität wurde.

1980 erhielt Ernst Schmidt das goldene Verdienstzeichen des Landes Wien. Zu seiner Verabschiedung als Betriebsratsobmann erschien auch der damalige Präsident der Arbeiterkammer Adolf Czettel und würdigte ihn mit den Worten, „Er hat an der Entwicklung für ein besseres Leben der österreichischen Arbeiter mitgewirkt“. Aber damit hat Ernst Schmidt auch ein wesentliches Kapitel der österreichischen Arbeiterbewegung mitgeschrieben.

In seinen letzten Lebensjahren lebte Ernst Schmidt zurückgezogen, aber immer wenn es um die zeitgeschichtliche Bewertung des Oktoberstreiks ging war er zur Stelle und wies als Zeitzeuge die immer wieder auftauchende Putschlüge zurück. Wir werden Ernst Schmid als Vorkämpfer der österreichischen Arbeiterschaft ein ehrendes Andenken bewahren.

GLB-Bundesleitung