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Heiliges Privateigentum

Meinung Michael Heindl über die Grundfesten des Kapitalismus

Persönliches Hab und Gut: Das hat hierzulande jeder. Aber was heißt das schon? Es ist ja keine große Kunst, eine Zahnbürste oder ein Auto zu besitzen. Man kauft, braucht und verbraucht den ganzen Krempel, sonst hätte man bei der Arbeit womöglich einen schlechten Geschmack im Mund oder wüsste nicht, wie man an den Arbeitsplatz kommt.

Der Haken liegt bei dieser Sorte Eigentum darin, dass man sich es immer erst durchs Kaufen aneignen muss. Wie viel man sich leisten kann, hängt also nicht vom Bedürfnis ab, sondern vom verfügbaren Geld. Was man benötigt, ist wie der Preiszettel zeigt, nicht einfach für die private Benutzung da, sondern Mittel fürs Geschäft.

Wohnung, Haus, Grund

Schon bei der Wohnung, auf die wir nun mal angewiesen sind, ist mit dem Fürwort „mein“ überhaupt noch nichts gesagt. Es kommt darauf an, ob man in diesen Räumlichkeiten sein Privatleben abwickelt oder ob man EigentümerIn ist.

In einer freien Marktwirtschaft ist eigentlich nur empfehlenswert möglichst viele Wohnungen zu besitzen, die man selber gar nicht benutzen will. Dann lässt sich nämlich aus dem Wohnbedürfnis der Nicht-EigentümerInnen ein prächtiges Geschäft machen. Als stolze/r BewohnerIn einer Eigentumswohnung oder Häuschens, hat man meistens auch einen Kredit am Hals, durch die das Eigene an den „eigenen vier Wänden“ eine ziemlich kostspielige Angelegenheit ist. Ohne pünktliche Rückzahlung der Kredite ist man die längste Zeit EigenheimbesitzerIn gewesen. Andernfalls könnte das Geschäft der Banken gefährdet werden.

Als WohnungsmieterIn kann man leicht merken, dass Benötigen und Benutzen einer Sache und deren Eigentum zwei sehr gegensätzliche Angelegenheiten sind. Ohne monatliche Mietzahlungen ist’s nichts mit der Bedürfnisbefriedigung von Wohnraum. Kein Wunder, dass es immer bedürftige Wohnungssuchende gibt, denen jede Menge ungenutzte, teure Wohnungen gegenüberstehen. Staatlich durchgesetztes und geschätztes Eigentum hat eine Geldquelle zu sein und ist nicht einfach zum Benutzen da.

Produktionsmittel

Ein Arbeitsplatz ist so ziemlich das Höchste, was ein Mensch „besitzen“ kann. Vom ÖGB bis zu den Unternehmerverbänden und der Regierung wird diese Einigkeit umso penetranter beschworen, je mehr Leute von den Unternehmern auf die Straße gesetzt werden. Eine eigenartige Form von „Besitz“, mit der ein/e „ArbeitsplatzbesitzerIn“ da beglückt wird. Denn wem gehört er denn eigentlich, der „Platz“, den ArbeitnehmerInnen froh und dankbar als „ihren Arbeitsplatz“ betrachten sollen? Klar, an seinem Platz in der Firma sitzen erst mal die, die von der Geschäftsleitung gerade dafür vorgesehen sind.

Der ganze Witz liegt gerade darin, dass den ArbeitnehmerInnen von dem Arbeitsplatz überhaupt nichts gehört – dort verrichten sie ihren Dienst am Eigentum. Ob und wie lange es einen Arbeitsplatz überhaupt gibt, darüber haben die stolzen ArbeitsplatzbesitzerInnen nichts zu sagen. Das bestimmen die tatsächlichen Eigentümer der Produktionsmittel – vornehm: die „Arbeitgeber“.

Und nicht zuletzt gehören ihnen die Arbeitskräfte auf Zeit nach genau festgelegten kollektivvertraglichen Regelungen. Mit welcher Sorte und mit wieviel Arbeit die Arbeitszeit ausgefüllt wird, verdankt sich dann einer marktwirtschaftlichen Kalkulation: Aus dem Vorschuss an Kapital (Produktionsmittel und Lohn) soll ein möglichst hoher Profit werden.

In unserer aufgeklärten Gesellschaft wird schließlich nicht produziert, um die Menschheit mit nützlichen Gütern zu versorgen, sondern um aus dem Verkauf von Waren ein immer größeres Geschäft zu machen. Das ist ja gerade Sinn und Zweck des Eigentums: Zu unterscheiden zwischen denen, die die Produktionsmittel benutzen, die Güter herstellen und ein paar Bedarfsartikel (ver)brauchen, auf der anderen Seite denen, die den ganzen Krempel besitzen und allein deswegen schon immer reicher werden.

Letztere besitzen deshalb auch immer Geld genug um es in lohnende Geschäfte zu investieren. Für LohnarbeiterInnen, die trotzdem an ihre Lebensmittel kommen wollen, ist dagegen nur ein Beruf vorgesehen: sich für die Vermehrung des Eigentums anderer nützlich zu machen.

Ist dieses ungemütliche Verhältnis von Unternehmern und LohnarbeiterInnen einmal eingerichtet, ist schon durch die Art und Weise der Benutzung und Entlohnung der ArbeiterInnen sichergestellt, dass man als LohnarbeiterIn sein Leben lang über keinen anderen nennenswerten „Besitz“ verfügt, als eben die eigene Arbeitskraft, für die sich ein interessierter Käufer finden muss, und bestenfalls einen Lohn, mit dem man sein persönliches Zeug zusammenkaufen kann.

Natürlich und „menschlich“ ist diese Sorte Produktionsverhältnis deshalb noch lange nicht. Dann wäre der staatliche Schutz des Privateigentums ja auch so überflüssig wie ein Kropf. Die Durchsetzung und Aufrechterhaltung der produktiven Trennung von Eigentümern und Nicht-Eigentümern verdankt sich einer Staatsgewalt, die ganz zu Recht den „Sachzwang“ der Unternehmer, ihren Reichtum zu vermehren, als „Wachstum der Wirtschaft“ schätzt.

Michael Heindl ist GLB-Aktivist in Wien