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Mit dem Messer vor der Brust

NÖ Wenn es um die Wurst geht, gibt sich der gewöhnliche Kapitalismus plötzlich ganz demokratisch, wie im Umdasch-Konzern (7.400 Beschäftigte) mit Hauptsitz in Amstetten jetzt vorexerziert wurde. Weil die Geschäftslage der Tochterfirma Shopfitting derzeit ziemlich trist und die Fähigkeiten des Managements offensichtlich begrenzt sind ließ man die Belegschaft über einen Lohnverzicht abstimmen. Gefragt wurde in drei Varianten ob die Mitarbeiter_innen „einen persönlichen Beitrag zur Zukunft leisten möchten“.

Darunter die Variante „Ich bin zu keiner Verschlechterung meines Dienstverhältnisses bereit. Die Konsequenzen für mich persönlich und für das Unternehmen sind mir bewusst.“ Abgestimmt wurde offen, denn sicher ist sicher. 95 Prozent der 180 Beschäftigten erklärten sich mit einem Lohnraub einverstanden. Kein Wunder, wenn man das Messer vor der Brust hat.

„Kollektivverträge und auch kollektivvertragliche Lohn- und Gehaltserhöhungen sind kein betrieblicher Spielball“, stellte GPA-Sekretär Karl Proyer zu dieser Vorgangsweise fest. Offen bleibt, ob die angekündigten Schritte der Gewerkschaft den Lohnraub verhindern können. Denn bekanntlich erfolgt die Rechtsprechung hiesiger Gerichte durchgängig zugunsten der Herrschenden.

Die Familie Umdasch (Doka, Umdasch, Bellaflora) rangiert mit 500 Millionen Euro Vermögen laut „trend“ auf Platz 59 der hundert reichsten Österreicher_innen. Über die Verteilung der erwirtschafteten Produktivität hat man die Beschäftigten in vergangenen Jahren freilich nicht befragt. Denn oberstes Ziel des realen Kapitalismus ist und bleibt bekanntlich nicht eine gerechte Verteilung oder sichere Arbeitsplätze, sondern die Aneignung des von den Lohnabhängigen geschaffenen Mehrwerts in Form von Profit und Vermögen durch die Eigentümer_innen.

Leo Furtlehner