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Nervöses Kapital

Meinung Leo Furtlehner über die Gemeinwohlökonomie

Ob der Gemeinwohl-Ökonom und Attac-Gründer Christian Felber den Platz neben vier historischen Größen der Ökonomie verdient, wird die Geschichte zeigen. Große Aufregung herrschte im April 2016 darüber, dass im Schulbuch „Geospots“ neben Karl Marx, John Maynard Keynes, Milton Friedman und Friedrich August von Hayek auch Felber genannt wird. Was die Hohepriester der Wirtschaftsuni Wien stört ist wohl Felbers kritischer Ansatz, der nicht in den neoliberalen Mainstream passt. 135 Ökonom_innen verlangten mittels „Offenem Brief“ Felbers Entfernung aus besagtem Schulbuch.

Nun deutet Felber die Wirtschaft durchaus nicht marxistisch nach Kategorien wie Lohn, Preis und Profit oder gesellschaftliche Produktion versus private Aneignung. Aber für seine Kritiker genügt schon, dass er die GWÖ als „eine Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft“ definiert und von einem „zentralen Systemfehler der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung“ durch die „Verwechslung von Ziel (Gemeinwohl) und Mittel (Geld)“ spricht.

WU-Professor Fred Luks meint, Felber sei gar nicht der Erfinder der GWÖ, was dieser auch nie behauptet hat, gehen doch deren Anfänge bis auf Aristoteles zurück. Trotz 15 Büchern wird Felber vorgeworfen „nichts zu einer leistungsfähigen Theorie“ beigetragen zu haben. 2.000 eingetragene Gemeinwohl-Unternehmen, eine in Gründung befindliche Gemeinwohl-Bank, Erklärungen verschiedener Parlamente und Lehrstühle an Universitäten zeigen hingegen, dass auch bestimmte Unternehmerkreise an einer Zähmung des wildgewordenen Kapitalismus interessiert sind, erklärt aber auch die Nervosität der Apologeten des Neoliberalismus.

Leo Furtlehner ist verantwortlicher Redakteur der „Arbeit“