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Nur ein Prozent bestimmt

Meinung Leo Furtlehner über Reichtumsstudien

Es ist schon seltsam. Da werden laufend neue Reichtumsberichte vorgelegt die bestätigen, dass die Konzentration der Vermögen bei einer kleinen Minderheit immer größer wird, aber die politischen Schlussfolgerungen daran etwas zu ändern fehlen. Wie es scheint finden sich die Opfer der Umverteilung nach oben mit ihrer Rolle ab und die „oberen zehntausend“ setzen auf den Gewöhnungseffekt. Jüngst hat die Organisation Oxfam eine neue derartige Studie vorgelegt, der zufolge das Vermögen der 80 reichsten Menschen der Welt sich zwischen den Jahren 2009 und 2014 verdoppelt hat und das reichste Prozent der Weltbevölkerung im Jahr 2009 „nur“ 44 Prozent, 2014 aber bereits 48 Prozent. Aber damit hört das steile Gefälle nicht auf, denn 46 der restlichen 52 Prozent liegen laut Oxfam derzeit in den Händen von 20 Prozent der Weltbevölkerung.

Die restlichen sechs Prozent dürfen sich dann die übrigen 80 Prozent der Menschheit teilen. „Das Ausmaß der globalen Ungleichheit ist einfach erschütternd“, meint Oxfam-Direktorin Winnie Byanyima. Und für 2016 wird prognostiziert, dass das reichste Prozent der Menschheit bereits mehr als die Hälfte des weltweiten Vermögens besitzen wird. In der Gruppe der Reichsten besitzt jeder Erwachsene ein Vermögen von 2,3 Millionen Euro.

Recht aufschlussreich ist auch die jetzt vorgelegte chinesische Harun-Studie, der zufolge es weltweit 2.089 Dollar-Milliardär_innen gibt. Regional führend dabei noch die USA mit 537, aber bereits hart bedrängt von China mit 430, weit abgeschlagen folgen Indien mit 97, Russland mit 93, Großbritannien mit 80, Deutschland mit 72 und die Schweiz mit 60 Milliardär_innen.

Globaler Spitzenreiter ist jetzt wieder Bill Gates (USA) mit 85 Mrd. Dollar, was dem Bruttosozialprodukt von Ecuador (90,0 Mrd. bei 15,7 Mio. Einwohner_innen) entspricht. Es folgen Carlos Slim (Mexiko) mit 83, Warren Buffet (USA) mit 76, Amancio Ortega (Spanien) mit 55 und Larry Ellison (USA) mit 54 Mrd. Dollar Vermögen.

Wie Oxfam vor Beginn des jährlichen Weltwirtschaftsforums in Davos warnt, herrscht eine immer tiefere Kluft zwischen Arm und Reich und „die soziale Ungleichheit wächst schockierend schnell“. Oxfam beklagt den wachsenden Einfluss der globalen Finanzeliten auf die Politik, jener Eliten, die zunehmend danach streben, die Regeln und Gesetzgebungen zu ihren Gunsten zu beeinflussen. In welchen Dimensionen sich das abspielt wird am Beispiel des Finanz- und Versicherungssektors sowie des Pharma- und Gesundheitssektors deutlich, die allein von März 2013 bis März 2014 insgesamt weit über eine Milliarde Dollar für Lobbyarbeit in Washington und Brüssel ausgegeben haben.

Die Rezepte gegen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit, durch welche der gesellschaftliche Zusammenhalt im Zeichen der Freiheit des Privateigentums systematisch zersetzt wird, liegen auf der Hand und werden von den Linken seit Jahren genannt.

Um eine weitere Zunahme der Ungleichheit zu stoppen, sind die Bekämpfung von Steuervermeidung und Steuerflucht, die Besteuerung von Kapital anstelle von Arbeit, die Einführung von Mindestlöhnen sowie die Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen unumgänglich. Das heißt freilich nicht nur in Sonntagsreden davon zu schwärmen, sondern sich gegen alle jene Interessengruppen durchzusetzen, „die einer faireren und gedeihlicheren Welt im Wege stehen“, wie es Byanyima formuliert.

Leo Furtlehner ist verantwortlicher Redakteur der „Arbeit“