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Problem BildungsabbrecherInnen

Service Von Doris Landauer

Es ist soweit: Für Jugendliche ohne über die Pflichtschule hinausgehende Bildung (Lehre oder BMHS) wurde die Homepage http://unentdeckte-talente.at - nunmehr ohne Zugangscodes - vom Stapel gelassen. Sie sollte benutzt und zur Verbreitung dieser Adresse an Jugendliche und andere MultiplikatorInnen (Lehrerinnen. Trainerinnen. Sozialarbeiterinnen. Eltern etc.) beitragen. Diese Homepage richtet sich an Jugendliche ohne über die Pflichtschule hinausgehende Bildung oder Ausbildung. Ihnen soll eine Hand gereicht werden, um selbst aus dieser Situation herauszukommen. Der Erfolg wird daran zu messen sein, inwiefern es gelingt, alle betroffenen Jugendlichen in ihren Lebenswelten zu erreichen und ihnen zu helfen herauszukommen und ihre Bildungstalente auszubauen.

Im Unterschied zu anderen Websites bzw. dem allgemeinen Surfen im Internet müssen die Jugendlichen dabei nicht Unmengen an Texten (Zuständigkeiten, Öffnungszeiten, Ausnahmen, Mogelpackungen, zu teure Angebote, etc.) lesen und verarbeiten, sondern werden nach ihrer Ausgangslage gefragt und zu den (hoffentlich) aktuell richtigen Anlaufstellen geführt. Es wird ihnen eine Gedächtnisstütze mit Wegbeschreibung in die Hand gegeben, ein Zettel, an dem sie sich anhalten können, wenn Sie bei Betreten eines "Amtes" vielleicht nervös sind oder ihr Anliegen nicht organisationsgerecht formulieren können.

Fast 80 spezifische Anlaufstellen werden empfohlen. Gerne kann diese Homepage benützt werden, um für Jugendliche eine Frage zu beantworten. Sie ist nicht da, um Dienstleistungen (Betreuung, Beratung, Lehre, etc.) Konkurrenz zu machen, im Gegenteil, sie geht diesen im besten Fall voraus: Wenn ein gutes Gespräch mit Jugendlichen geführt, eine vertrauensvolle Atmosphäre geschaffen, eine Ansprechpartnerin für die Jugendlichen gefunden wird, ist ein wichtiges Ziel schon erreicht.


Es könnte aber sein, dass Jugendliche auch nur einen Teil ihrer Lebensrealität anvertrauen, weil sie manches niemandem anvertrauen oder weil sie es noch nie ausgesprochen haben und auch nie aussprechen wollen. Hier haben sie die Chance, sich selbst mit ihrer eigenen Ausgangslage auseinanderzusetzen. Vielleicht brauchen sie auch einfach eine weitere Alternative zu Vorschlägen, um dann diesen doch zu folgen oder etwas ganz Anderes zu tun. Oder für den Fall, dass sie nicht mehr kommen, wenn es ihnen ganz schlecht geht.

Diese Homepage soll also die Jugendlichen selbst "empowern", damit sie selbst aus ihrer -möglicherweise verfahrenen - Lage, in ihrer Zeit, in ihrem Tempo herauskommen können.

Der Name "unentdeckte Talente"

Sobald die Jugendlichen wahrhaben, dass sie gemeint sind, macht dieser Name sie stolz, lässt sie sich innerlich aufrichten. Wird ihnen diese Homepage empfohlen, dann überzeugt sie das auch, dass in ihnen zumindest EIN unentdecktes Talent steckt, und diesen Zuspruch jedenfalls brauchen unsere Jugendlichen und noch vieles mehr. Sie haben es sich verdient. Und um ihr Leben in Angriff zu nehmen müssen sie sich erst einmal aufrichten.

Dass der Name nicht auf Anhieb preisgibt, was dahinter steckt, ist uns bewusst. Mit der genannten Begründung nehmen wir dies aber - mangels besserer Alternative, aber auch aufgrund anderer Argumente - in Kauf: Der Name ist sehr lösungsfokussiert und optimistisch. Die Fragen sollen am Problem andocken, sind also problemorientiert. Die Ergebnistexte sind wieder aufmunternd und lösungsorientiert. Somit wurde bewusst ein Wechsel von Empathie und Herausführen realisiert.

Diese Homepage wurde durch das AMS finanziert. Und obwohl das AMS ein eindeutiges Cl-Konzept hat, wurde diese Website mit anderem Logo realisiert. Die Jugendlichen, die wir ansprechen wollen, stecken in einer sehr schwierigen Lage, was "nicht besonders cool ist". Sie haben außerdem oder deshalb mit den Organisationen (wie wir wissen) nicht ausschließlich positive Erfahrungen gemacht, daher soll sie auf den ersten Blick kein bekanntes Logo irritieren.

Doris Landauer ist Leiterin des Projektes "Perspektiven für unentdeckte Talente - Prävention und Interventionen bei frühzeitigem Bildungsabbruch" im Auftrag des AMS Wien