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Robert Tressell, Arbeiterliteratur par excellence

GeschichteVon Werner Lang

Das Buch von Robert Tressell: „die Menschenfreunde in zerlumpten Hosen“ ist die Arbeiterliteratur par excellence. So wie Arbeiterliteratur von Literaturwissenschaftler definiert wird. Als ein Sammelbegriff für Literarische Werke von Arbeitern, in denen sie sich mit ihren eigenen Lebensbedingungen auseinandersetzen … .

Geboren 1870 in Dublin, brach „Robert Tressell“ schon mit 16 Jahren aus der bürgerlichen Welt, in die er hineingeboren wurde, aus. Er war der uneheliche Sohn von Samuel Croker, einem hochrangigen Mitglied der Royal Irisch Constabulary. Roberts Vater war auch Polizist und Richter. Robert, nach dem Namen seines Vater „Croker“ getauft, erhielt, bezahlt von seinem Vater, eine sehr gute Ausbildung und erlernte eine Vielzahl von Sprachen. Als Jugendlicher verließ er seine Familie, nannte sich nach dem Mädchennamen seiner Mutter „ Robert Noonan“ und versuchte, von nun an, selbständig durch das Leben zu kommen.

1888 emigrierte Robert Noonan nach Südafrika. Er ließ sich in Kapstadt nieder und arbeitete als Dekorateur. 1897 zog er mit seiner Tochter nach Johannesburg und schloss sich der Arbeiterbewegung an. Er wurde aktives Gewerkschaftsmitglied und später Sekretär der Transvaal Federated Building Trades Council.

1901 ging Robert Noonan mit seiner Tochter Kathleen nach England zurück. Er ließ sich in St. Leonards, Sussex, nieder und arbeitete als Innenarchitekt bei „Bruce & Co, Elektro und Sanitär-Ingenieure und Bauunternehmen“. Danach arbeitete er für “ Burton & Co, Bauherren und Handwerker“, in der englischen Stadt Hasting als Bauarbeiter.

1906, beeinflusst durch die Schriften von William Morris, trat er der Social Democratic Federation bei. Ein Jahr später verlor er, nach einem Streit mit seinem Arbeitgeber, seine Arbeit. Zu dieser Zeit herrschte auch eine Rezession in der Bauwirtschaft und so musste er eine lange Phase der Arbeitslosigkeit durchstehen. Während dieser Zeit schrieb er den Roman „The Ragged Trousered Philanthrop“, („Menschenfreunde in zerlumpten Hosen“). Der Roman wurde 1910 vollendet. Aus Angst der Roman würde wegen seines schon bekannten Namen „Noonen“ abgelehnt, unterschrieb er das Manuskript mit „Robert Tressell“. Schon schwer Lungenkrank bekam er Arbeit in Kanada. Im August 1910 ließ er seine Tochter bei seinen Verwanden zurück. Er gab ihr ein Kästchen, in dem er sein Manuskript aufbewahrte, welches schon von mehreren Verlagen abgelehnt worden ist, und machte sich auf den Weg nach Kanada. Er kam aber nur bis Liverpool.

Hier ein kurzer Auszug aus dem Buch: „… Eines Sonntagmorgens gegen Ende Juli fiel eine Gruppe von ungefähr fünfundzwanzig Männer und Frauen auf Fahrräder in die Stadt ein. Zwei von ihnen – die ein paar Meter vor den anderen fuhren, hatten an der Lenkstange ihrer Räder eine dünne, aufrechte Stange, an deren Spitze wehte eine kleine, rot-silberne Flagge mit „Internationale Brüderlichkeit und Frieden“ in Goldbuchstaben. Die andere war in Größe und Farbe gleich, trug jedoch eine andere Aufschrift: „Einer für alle, alle für einen“.

Im Vorbeifahren verteilten sie Flugblätter an die Straßenpassanten. Wann immer sie eine Stelle mit vielen Leuten erreichten, stiegen sie ab, gingen umher und gaben ihre Flugblätter jedem, der eines haben wollte. Mehrmals machten sie während ihrer Durchfahrt entlang der Großen Parade dort länger Halt, wo sich eine größere Menschenmenge aufhielt, und dann fuhren sie über den Hügel nach Windley und kamen kurz vor Öffnungszeit der Wirtshäuser an. Vor einigen warteten kleine Gruppen, und mehrere Kirchgänger gingen ihren Weg durch die Straßen nach Hause. Die Fremden verteilten Flugblätter an alle, die sie nehmen wollten. Außerdem streiften sie durch eine Menge Gassen, schoben Flugblätter unter den Türen durch und steckten sie in die Briefkästen. Als sie ihren Vorrat verbraucht hatten, stiegen sie auf und fuhren wieder dorthin zurück, woher sie gekommen waren.

Inzwischen hatte sich die Neuigkeit ihrer Ankunft verbreitet, und als sie durch die Stadt zurückkamen, wurden sie mit höhnischem Gelächter und Buh-Rufen begrüßt. Plötzlich warf jemand einen Stein, und da es dort zufällig jede Menge gab, zogen mehrere andere nach und begannen, den zurückweichenden Radfahrern nachzulaufen, warfen Steine, johlten und fluchten.

Das Flugblatt, das diesen Zorn auslöste, lautete:

WAS IST SOZIALISMUS?

Gegenwärtig produzieren die Arbeiter mit Hand und Verstand ununterbrochen Nahrung, Kleidung und alle nützlichen und schönen Dinge in großem Überfluss. ABER SIE ARBEITEN VERGEBLICH – denn sie sind meist arm und leiden oft Not. Sie befinden sich in einem harten Kampf ums Dasein. Ihre Frauen und Kinder leiden und auf ihre alten Tage tragen sie das Schandmal des Almosenempfängers.

Der Sozialismus ist ein großes Vorhaben, vermittels dessen die Armut abgeschafft sein wird und das jeden in die Lage versetzt, in Wohlstand und Komfort zu leben, mit Freizeit und der Möglichkeit für ein erfülltes Leben.

Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, kommt zu den Felder an der Straßenkreuzung auf dem Hügel bei Windley, nächsten Dienstagabend um 8 Uhr und

HALTET NACH DEM LASTWAGEN DER SOZIALISTEN AUSSCHAU.

Die Radfahrer fuhren in einem Steinhagel weg, ohne viel Schaden zu nehmen. Einer hatte eine aufgeschlagene Hand, und ein anderer, der sich umdrehte, wurde an der Stirn verletzt. Aber das waren die einzigen Verluste. …“, (S.460, 461)

Am 26. November 1910 starb Robert Noonan (Tressell) an Lungenentzündung und Herzversagen. Am 3. Februar 1911 erfuhr die Tochter, aus einem Telegramm, abgesendet aus Liverpool, vom Tod ihres Vaters. Robert Noonen wurde in einen Armengrab mit anderen zwölf Verstorbenen in Walton Park Cemetery, gegenüber vom Walton Gefängnis in Liverpool, beerdigt. Bis 1970 blieb das Grab von „Robert Tressell“ unentdeckt.

1914 kaufte ein Verlag die Rechte an dem Buch für 25 Pfund Sterling. Noch im selben Jahr erschien es in Großbritannien, Kanada und den Vereinigten Staaten.

Das Buch blieb und bleibt nicht nur aktuell weil es akribisch genau die zwischenmenschlichen Beziehungen von Arbeiter beschreibt, sondern auch ihren grundlegenden Widerspruch in diesem Gesellschaftssystem aufzeigt, denn eines wird im Buch immer wieder vor Augen geführt, was gesellschaftlich produziert wird, ist nicht Eigentum der Gesellschaft sondern Eigentum von Kapitalisten, die nur um des Profits willen produzieren. Aus Robert Tressells Buch geht ganz klar hervor, dass dieses kapitalistische System den Menschen zur Unmenschlichkeit treibt.

Jack Mitchell schreibt: „Der Roman ist wie ein Wagenrad konstruiert. An der Radnabe werden die Männer bei der Arbeit geschildert. Dorthin kehrt die Handlung stets wieder zurück, nachdem der Autor, den einzelnen Speichen entlang Einsicht in das >Privat< - oder Familienleben der Arbeiter, ihre Freizeitgestaltung und Vergnügen, ihre >politischen< Aktivitäten usw. gegeben hat. So erkennen wir, dass die Art und Weise, in der die Männer arbeiten, ihre ganze Lebensweise bestimmt, dass die unfreie Arbeit der Ausgangspunkt ihrer ganzen Unfreiheit ist“ (Mitchell, S.15)

Die Erkenntnis von Robert Tressell, die er durch sein Buch vermittelt, „Nur was die Arbeiter sich nehmen, hilft ihnen weiter, was ihnen geschenkt wird, ist nutzlos“, ist heute aktueller denn je.

Robert Tressell; „Die Menschenfreunde in zerlumpten Hosen“; herausgegeben von Else Tonke, Scheunenverlag Kückenshagen, 2002; 653 Seiten.

Mitchell Jack: Robert Tressell and the Ragged-Trousered Philanthropists, London

Dave Harker; “TRESSELL”: Die wahre Geschichte des zerlumpten Trousered Philanthropen (London: Zed Books, juni2003, Paperback 12.99 /


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