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Saure Drops als Wahlzuckerln

Meinung Von Lilian Stadler

Kaum klingen die Schlagzeilen auf der Suche nach Rekorden – gleich ob Hochwasser oder Hitzewelle ab, tut sich unseren Medien das gähnende Sommerloch auf. Und was eignet sich am Besten um dies zu füllen? Erraten: die Unfinanzierbarkeit unseres Pensionssystems. Ja und da finden sich auch gleich ‚Experten’, die bereitwillig in die Bresche springen und uns ihre wohlgemeinten Ratschläge zukommen lassen. So lässt uns Herr Rürup in einem Interview im Standard vom 21.Juni wissen, dass es „Österreich zu gut geht“ und nur baldige Reformen des Sozialsystems uns vor dem Abgrund retten könnten.

Oberstes Anliegen dabei ist ihm das seiner Meinung nach zu niedrige gesetzliche Pensionsantrittsalter der Frauen. Dies sei seiner Meinung nach eine volkswirtschaftliche Verschwendung und es passe gar nicht zu einem modernen Österreich, wenn erst im Jahr 2033 die volle Angleichung erfolgt sein werde. Dem Argument, dass erst die Gleichstellung der Frauen in allen anderen Bereichen – wie etwa bei der Entlohnung - erreicht werden müsse, hält der 69-jährige entgegen, dass längere Lebensarbeitszeit für Frauen die Karrierechancen ungemein erhöhen könnten und weibliche Führungskräfte boomen würden.

Die Realität, dass ältere Menschen so gar nicht am Arbeitsmarkt gefragt sind, blendet er elegant aus und lässt uns wissen, dass dies „eine gerne von Gewerkschaften vertretene Philosophie, die süffig, aber grottenfalsch“ sei.

Ein Blick auf die steigenden Arbeitslosenzahlen sollte ihn eines Besseren belehren.

Selbst in ÖVP-Kreisen hat es sich wohl herumgesprochen, dass die von ihnen beschlossenen ‚Pensionsreformen’ dem Gros der künftigen PensionsbezieherInnen ein Leben nahe der Armutsgrenze bescheren wird. Also wird schnell herumgedoktert und noch rechtzeitig vor den Wahlen gute Ratschläge erteilt, als Stimmvieh sind die älteren Menschen ja sehr willkommen. Angefangen von ‚Spartipps’, die ein ‚leistbares Leben’ garantieren sollen, wird gegen Lebensmittelverschwendung und Gebührenerhöhung gewettert bzw. Preisvergleiche und Wechseln der Stromanbieter angeraten. Und wenn das Alles nichts hilft, wird die Schuld den zu hohen Lohnnebenkosten angelastet. Auch die geringere Besteuerung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld war ihr schon immer ein Dorn im Auge.

Doch auch gegen die niedrigen Pensionen für Frauen hat sie ein probates Mittel gefunden, Frauen sollen länger arbeiten, dann hätten sie auch mehr Versicherungsjahre und höhere Pensionen: Also raschere Anhebung des Pensionsantrittsalters, egal ob es Jobs gibt oder diese miserabel bezahlt werden. Wissend, dass viele um ihren Lebensstandard in der Pension annähernd halten zu können, dazuverdienen müssen, setzen sich ÖVP und Seniorenbund gleich einmal für die Abschaffung der Zuverdienstgrenzen ein. Auf die Idee höhere Löhne und Gehälter zu fordern und damit nicht nur die Kaufkraft zu erhöhen, sondern auch Pensionen, von denen man leben kann zu sichern, kommen die Herren und Damen nicht, weil sie zumeist ihre Schäfchen schon im Trockenen haben.

Wenn Millionäre sich die PolitikerInnen kaufen und die Regierungen unter dem Diktat der Banken stehen, heißt das nichts Gutes für die Menschheit.

Lilian Stadler ist GLB-Aktivistin in Wien und vertritt den Zentralverband der PensionistInnen im Österreichischen Seniorenrat