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Schichtarbeit geht auf Kosten der Gesundheit

News „Die Arbeit muss sich nach den Menschen richten und nicht die Menschen nach den Maschinen und der Profitmaximierung der Unternehmen“ stellt Josef Stingl, Bundesvorsitzender der Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB) zu den Ergebnissen der im Auftrag von Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer erstellten Studie der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (Forba) zur Schichtarbeit fest. Laut dieser Studie arbeiteten 2015 bundesweit 695.100 Beschäftigte Schicht-, Turnus- oder Wechseldienst. Von 2005 bis 2015 ist der Anteil der Schichtarbeiter_innen von 17.9 auf 19.3 Prozent gewachsen. In der Metallbranche arbeiten 29 Prozent, in der Elektroindustrie 28 Prozent in Schichtarbeit. Zwei Drittel arbeiten immer im gleichen Schichtrad.

29 Prozent der Befragten beschreiben ihren Gesundheitszustand als mittelmäßig bis sehr schlecht. Zum Vergleich sind es bei Gleitzeitmodellen nur 14 Prozent. Befragte Schichtarbeiter_innen klagen über Schlafstörungen, Probleme mit der Verdauung und psychische Probleme, chronische Müdigkeit oder Nervosität. Zwei Drittel sind überzeugt, dass die Schichtarbeit ihrer Gesundheit schadet. Laut der FORBA-Studie bezweifeln 20 Prozent der Betroffenen, ihren Job bis zur Pension ausüben zu können. Laut Studie leisten zudem 78 Prozent der Männer und 61 Prozent der Frauen wöchentlich mindestens eine Überstunde, 18 Prozent arbeiten mehrmals im Monat länger als zehn Stunden, sechs Prozent länger als 50 Stunden pro Woche.

Der Vergleich von der vor allem in der Produktion üblichen Schichtarbeit mit der bei Banken, IT-Unternehmen und bei Angestellten üblichen Gleitzeit in der FORBA-Studie zeigt zwar, dass diese weniger belastend und stärker selbstbestimmt ist, damit aber auch überlange Arbeitszeiten etwa in Richtung des von Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung forcierten Zwölf-Stunden-Tages nicht ausgeschlossen werden.

Die Forderungen der Arbeiterkammer – Einstufung der Schichtarbeit als Schwerarbeit, Verteuerung von Überstunden, mehr Mitsprache von Betriebsräten bei der Arbeitszeitgestaltung, mehr Ressourcen für Arbeitsinspektorate und Ausbau der Modelle für autonome Arbeitszeitgestaltung – werden nach Meinung des GLB allerdings nicht ausreichen. Wenn der oö WK-Präsident Rudolf Trauner darauf mit dem Vorwurf einer „Klientelpolitik“ reagiert, zeigt dies nur einmal mehr, dass die Wirtschaftskammer die vielgepriesene Sozialpartnerschaft nur als Zuckerbrot für die Unterwerfung der Lohnabhängigen unter die Kapitalinteressen betrachtet, die Kapitalvertretungen Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung aber mit der Peitsche agieren.

„Die wesentlichen Erkenntnisse der Studie sind daher ein sehr eindeutiges Argument für eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung mit einer 30-Stundenwoche als neuem Arbeitszeitstandard, natürlich mit vollem Lohn- und Personalausgleich“ meint Stingl. Damit würde die immer größere Lücke zwischen der rasant wachsenden Zahl prekärer Arbeitsverhältnisse – 2016 arbeiten bereits 48,2 Prozent der Frauen nur mehr in Teilzeit – einerseits und der enormen Zahl von Überstunden – 2014 wurden 269 Millionen Überstunden geleistet, davon 57 Millionen unbezahlt – geschlossen.