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Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB)

Schreib! Arbeiter!

Service Werner Lang erinnert an den steirischen Schreibarbeiter Erich Zwirner (1928-2003)

Warum man sich an Erich Zwirner wieder erinnern soll, ist nicht nur seine „kritische Einstellung“, die ihm immer wieder nachgesagt wurde, sondern auch dass er Arbeiter war und er diese, seine Welt, in der er lebte, beschrieb.

Was er beschrieb, war die Arbeitsrealität in einer Eisen- und Stahlindustrie, und die passt mit den verklärt zurückblickenden Augen auf die „Wirtschaftswunderzeit“ in der er aktiv im Arbeitsprozess stand nicht überein. Sie war geprägt von Schwerarbeit, Schichtarbeit, Werkswohnungen und aus immer zu niedrigen Löhnen, um unbeschwert leben zu können. Genauso wie heute.

Durch die subjektiven Erlebnisse und Schilderungen von Erich Zwirner werden auch gesamtgesellschaftliche Strukturen sichtbar gemacht mit denen man nachweisen kann, dass diese nicht mit den Aussagen der damaligen Berufspolitiker, die ihre Politik als etwas Erfolgreiches verkaufen wollten und wollen, übereinstimmt.

Rückblickend kann man nicht nur, aber auch mit Hilfe der literarischen Aufzeichnungen von Erich Zwirner aufzeigen, dass sich die politisch Verantwortlichen eingestehen müssten, dass sie sozialpolitisch versagt haben. Und der „schreibende Spinner“, wie Erich Zwirner bezeichnet wurde, auf das ein Interview von Barbara Magg mit Erich Zwirner hinweist, bleibt als Realist mit seiner Literatur zurück. Das erscheint mir als einer der Hauptgründe, warum er aus der Sicht der herrschenden Politiker vergessen werden sollte.

Für eine realistische Einschätzung der Lebensweise von Arbeitern in den Industriebetrieben brauchen wir die Literaten der Arbeitswelt aus dieser Zeit, ob es nun den Berufspolitikern, wie sie sich auch nennen, gefällt - oder auch nicht.

„Der englische Arbeiter, der kaum lesen und noch weniger schreiben kann, weiß dennoch sehr gut, was sein eigenes Interesse und das der ganzen Nation ist …“, schrieb Friedrich Engels, 1847. Wir hatten das Glück in der Industrieregion Mürzzuschlag-Hönigsberg einen Arbeiter zu haben, der schreibend und ohne „höhere Bildung“ seine Interessen formulieren konnte, denn das hat seine Arbeit mit sich gebracht - darum war er auch so unverfälscht realistisch. Das sollten wir schätzen und nutzen, in dem wir wieder auf seine Literatur zurückgreifen und aus seinen erlebten Geschichten lernen. Denn diese Arbeitswelt gibt es noch immer.

Erich Zwirner schreibt in der Erzählung „Tod in der Nacht“, die von einem Arbeitsunfall in einem Stahlwert handelt: „… Denn da ist „Einer“, der seinen Schatten drohend über alles wirft und wartet, denn heute Nacht will „Er“ sich sein Opfer holen, aber niemand weiß, wem es gilt. Der Moloch ist die Fabrik, der den Schatten wirft, der Tod. Sein Brüllen ist der Lärm, der durch das Hochfahren der Antriebsaggregate entstehen. Das Zittern und Beben der Erde wird durch die Walzgerüste ausgelöst, wo bis zu 1000 kg schwere Blöcke bei einer Temperatur bis 1200 Grad auf diesen Gerüsten zu Blechen, Bramen und Stabstählen verarbeitet werden …“ (Brenner, 1993, S. 327).

Werner Lang ist im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt – Werkstatt Wien aktiv

Buchempfehlung: Erich Zwirner, „Schreib! Arbeiter!“ Werkkreis Literatur der Arbeitswelt – Werkstatt Wien.

Literaturnachweis:
- Kürbisch, Friedrich G.: Brief, 1984. (Versuch einer Standortbestimmung – Arbeiterdichtung. Verlag, Sozialistische Bildungszentrale, Wien 1972.)
- Barbara Magg: „schreiben“ „lernen“ „schritte setzen“: Schreiben als eine Form der Identitätsfindung des Lernens im außerinstitutionellen Bereich der Erwachsenenbildung. Diplomarbeit, Graz, Mai 1991
- Brenner Helmut; „Kultur aus dem Werk und über das Werk 1862-1990“; in: „Im Schatten des Phönix“; Brenner Helmut, Nagele Wolfgang, Pühringer Andrea; Herbert Weishaupt Verlag, 1993; S.327.


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