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Stricken statt streiken

Meinung Karin Antlanger, Juristin und Sozialpädagogin, Betriebsrätin von EXIT-sozial Linz über Gewerkschaftspolitik

„Stricken für die soziale Wärme… Mit vereinten Kräften ist es gelungen, einen kilometerlangen und somit den längsten Schal Österreichs zu produzieren.“ Da werden sich die Arbeitgeber und die Motten aber freuen. Denn was kratzt die Arbeitgeber und die Geldgeber ein kilometerlanger Schal? „…ist es uns GELUNGEN,…“ Schlimm genug, dass die GPA-djp das schon als gelungene Gewerkschaftsaktion verkaufen müsst. Offenbar ist sonst in der letzten Zeit nicht viel gelungen:
- Die ÖGB-Forderung nach der 6. Urlaubswoche für alle ist klammheimlich wieder in der Schublade verschwunden, obwohl schon Kampagnen angekündigt waren.
- Die Forderung nach der längst überfälligen 35-Stundenwoche bei vollem Lohn wird beinahe schon als gewerkschaftspolitische Pornographie gehandelt.
- Die Flexibilisierung schreitet voran und damit die Einkommensreduktion der ArbeitnehmerInnen. Überstunden und Mehrstunden werden billiger statt teurer und somit Arbeitsplätze ab- statt ausgebaut.
- Im Sozialbereich feiert die Erfindung neuer Berufsbezeichnungen und damit die Einstufung in möglichst niedrige Verwendungsgruppen fröhliche Urständ. Neuester hipper „Beruf“ – AlltagsmanagerIn mit Einstufung in VWG 3, also für ArbeitnehmerInnen ohne Ausbildung.
- Bei den SWÖ- KV-Verhandlungen letzten Winter wurde sogar auf die üblichen Betriebsversammlungen im öffentlichen Raum und auf Demos verzichtet – wahrscheinlich um die Menschen beim Stricken nicht zu stören.

Glauben die GewerkschafterInnen in den zuständigen Gremien wirklich, dass auch nur ein einziger Arbeitgeber oder einE einzige SozillandesräTin sich von einem solchen Schal beeindrucken lassen wird? Ja, vielleicht kommt man damit kurz in die ZiB und ein Gewerkschafter darf dazu eine kleine Wortspende abgeben, aber bei der nächsten KV-Runde werden die Arbeitgeber dann schon wieder erklären, dass die Forderung nach ordentlichen Gehältern und Arbeitsbedingungen „leider nicht finanzierbar“ ist. Und die verhandelnden GewerkschafterInnen werden sich wieder mit jedem Bettel zufriedengeben, den sie „als allerletztes Angebot“ bekommen. Und den werden sie dann wieder als „tollen Erfolg“ an die braven StrickerInnen verkaufen.

Aber vielleicht macht das Schule. Es könnten ja die Metaller die heißesten Eisen schmieden und diese dann in einer gemeinsamen Aktion rund ums Wirtschaftsministerium zusammenlöten. Oder die Beschäftigten der Banken und Sparkassen beginnen Sparstrümpfe zu stricken als Prävention für den Fall, dass doch noch Negativzinsen eingeführt werden. Man kann den Niedergang der Gewerkschaften nicht nur einläuten sondern auch umstricken. Nur – Verpackungskünstler wie Christo werden die GewerkschaftenfunktionärInnen nicht werden.