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Tausche Stammpersonal gegen Leiharbeitskräfte

Wien Von Anita Kainz

Bis in die 70iger Jahre hatten fast alle Firmen ihr eigenes Reinigungspersonal und eine eigene Werksküche mit Angestellten oder ArbeiterInnen. Dann kam es immer mehr zu Rationalisierungen und Auslagerungen. Seither boomt das Geschäft mit der Leiharbeit. Zuerst betraf es nur das Reinigungspersonal, das von eigens dafür gegründeten Firmen verliehen wurde. Heute gibt es keinen Beruf mehr, der nicht von Leiharbeitsfirmen angeboten wird.

Profiteure

Das Neueste ist aber, dass der zweitgrößte Personaldienstleister der Welt, der niederländische Zeitarbeits-Gigant Randstad in den österreichischen Markt einsteigt. Randstad ist mit 63.000 Beschäftigen längst Branchenprimus. Weltweit beschäftigt der börsennotierte Konzern Randstad mehr als eine halbe Million ZeitarbeiterInnen und setzte zuletzt 17 Milliarden Euro um.

Outsourcing

Randstad will aber Unternehmen nicht nur Leasingpersonal zur Verfügung stellen, sondern ihnen gleich die gesamte Personalabteilung abnehmen. Randstad-Österreich-Chef Wottawa sagt in einem Kurier-Interview (7.8.2013), dass es schon drei Großkunden aus der heimischen Industrie gibt, weitere sollen noch folgen. Namen will er aber keine verraten. Er konzentriert sich momentan auf den Angestelltenbereich, aber er hat auch schon Anfragen nach HandwerkerInnen.

Kartellverdacht

In Frankreich ermittelt die Wettbewerbsbehörde gegen Randstad wegen verbotener Absprachen mit seinem Mitbewerber Adecco. Eine britische TV-Reportage berichtete über Randstad-LeiharbeiterInnen, die unter teils unzumutbaren Arbeitsbedingungen beim US-Versandhändler Amazon beschäftigt waren. Ähnliche Vorwürfe gab es in Deutschland auch gegen Trenkwalder. Amazon kündigte inzwischen nach vielen Protestunterschriften von Kunden den Vertrag mit Randstad und will 6000 Logistik-Jobs ins billigere Polen verlagern. Zwei Versandzentren sollen in Polen und zwei weitere in Tschechien entstehen.

VerliererInnen

Offene Stellen am Arbeitsmarkt und Arbeitslose passen immer seltener zusammen. Es gibt immer mehr Firmen, die kein eigenes Personal mehr wollen, sondern lieber auf LeiharbeiterInnen zugreifen. Da ist auch kein Personalbüro mehr nötig, denn es gibt keine Lohnverrechnung und keine Verwaltung für Urlaub und Krankenstände.

VerliererInnen sind die Arbeitssuchenden, denn sie bekommen nur mehr Zeitverträge, müssen flexibel sein und immer um ihren Job zittern. Noch dazu stehen LeiharbeiterInnen immer mehr in Konkurrenz zu der Stammbelegschaft in den Beschäftigerbetrieben. Seit 1. Jänner 2013 ist das neue Arbeitskräfteüberlassungsgesetz (AÜG) in Kraft. Überlassene Arbeitskräfte haben zwar jetzt mehr Schutz und mehr Recht sowohl am Arbeitsplatz als auch zwischen Überlassungen, aber das Verbot einvernehmlicher Auflösungen bei Beendigung einer Überlassung konnte die Gewerkschaft nicht durchsetzen. Betriebsräte der Beschäftigerbetriebe sehen sich nach wie vor zum Großteil als Vertreter der Stammbelegschaft. Hier ist mehr Solidarität notwendig.

Trotz aller bisherigen Errungenschaften (Kollektivverträge, organisierte Zeitarbeitsfirmen, Novellierung AÜG und ASchG, Imageverbesserung, etc.) und Vorteile für eine flexible Wirtschaft hat die Zeitarbeitsbranche ihre schnelllebige Härte nicht verloren.

Lösungen

Da es immer mehr Unternehmen gibt, die ihre Profite nur mehr durch den Einsatz von LeiharbeiterInnen machen, muss eine Wertschöpfungsabgabe (Maschinensteuer) – die schon der 1989 verstorbene Sozialminister Dallinger forderte - eingeführt werden. Es kann nicht sein, dass sich die Unternehmen auf Kosten der ArbeitnehmerInnen eine goldene Nase verdienen.

Anita Kainz ist GLB-Aktivistin in Wien