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Trotz allem eine Erfolgserzählung

Aktionen Robert Sommer über 20 Jahre „Augustin“

Mit einem kräfteraubenden, aber neue Vernetzungen kreierenden Veranstaltungsmarathon, der sich durch das ganze Jahr zog, feierte die Wiener Straßenzeitung Augustin ihr 20-Jahres-Jubiläum – und ließ sich feiern. Höhepunkt war das Geburtstagsfest Mitte Oktober, an dem Österreichs virtuosester Akkordeonist, Otto Lechner, mit seinem «Ziehharmonischen Orchester» die «Augustin-Suite» uraufführte. «Euch die Macht, uns die Nacht» galt als inoffizielles Motto dieses Festes – ein dezenter Hinweis auf die Verwurzelung der GründerInnengeneration in das, was als 68er-Revolte in die Geschichte einging?

Die Urgesteine unter den Augustin-VerkäuferInnen, die BlattmacherInnen und das Sozialarbeits-Team des Augustin zögern, wenn sie auf die ersten zwanzig Jahre zurückblicken, den strapazierten Begriff der «Erfolgsgeschichte» zu verwenden; dass vor etwa acht Jahren um ca. 25 Prozent mehr Zeitungen im 14-Tage-Rhythmus verkauft wurden als heute und dass viele unter den Deklassierten und von neoliberaler Wirtschaftspolitik an die Wand gedrängten Arbeits-, Wohnungs- und Perspektivlosen aus Wut mehr denn je rechtsradikale Parteien wählen, kann man nicht gerade zu den Trümpfen des Augustin zählen.

Je tiefer man in den Minimundus des Augustin eindringt, desto deutlicher fallen dann doch die hoffnungsspendenden Bilanzen des Gesamtprojekts auf: Der Augustin hat noch nie in seiner Geschichte eine Subvention gebraucht, um sein Überleben zu sichern. 450 aus diversen Gründen unter der Armutsgrenze lebende Menschen aus rund 20 Ländern der Erde, darunter Flüchtlinge ohne Aufenthaltsrecht, können sich durch Augustin-Kolportage ihr Leben erleichtern

Neben den Geldeinnahmen profitieren die aktivsten unter diesen Menschen von den Projekten im Projekt (Chor, Fußball, Theater, Tischtennis u.a.), die die gesellschaftliche Isolation von Betroffenen aufheben. 333 «LiebhaberInnen», die sich zur Zahlung von 25 Euro pro Monat verpflichten, gleichen das Defizit des Gesamtprojekts aus und ermöglichen die Aufrechterhaltung von Ergänzungsmedien wie Radio Augustin oder Augustin TV.

Die Betroffenen haben FürsprecherInnen an ihrer Seite, ein Teil von ihnen entwickelte sich aber im Laufe ihrer Augustin-Tätigkeit zu Selbstsprecherinnen für ihre Interessen. Der 14-köpfige Vorstand des Herausgebervereins trifft seine Entscheidungen konsensuell, basisdemokratisch, ohne Chef. Das zweiwöchentlich erscheinende Printmedium Augustin hat seine ursprüngliche absolute Unabhängigkeit von Verwaltung, Parteien und Kirchen bewahrt.

Robert Sommer ist Herausgeber des „Augustin“