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Über Geld spricht man nicht...

Meinung Von Josef Stingl

… auch nicht dann, wenn man keines hat! Genau aus diesem Grund versteckt sich manche(r), denn man will ja nicht gerne als arm und mittellos gelten. Aber sind diese, von solcher Scham geplagten Menschen nur mehr eine kleine Minderheit oder sind sie bereits der „Normalfall“? Früher konnte man armutsgefährdete Gruppen relativ leicht eruieren: Arbeitslose, PensionistInnen, alleinerziehende Mütter und Väter, sowie Obdachlose. Sie besaßen nämlich nur ein geringes oder gar kein Einkommen. Mittlerweile ist Armut aber nicht nur ein Problem des „unteren Randes“ der Gesellschaft.

Ein Blick auf die Pensionsstatistik zeigt, dass Armut im Alter bereits zum traurigen Alltag geworden ist. Die monatlichen Durchschnittspensionen liegen jetzt bei knapp unter tausend Euro, also bereits unter der Armutsschwelle! Fast 250.000 PensionistInnen sind Ausgleichszulagen-BezieherInnen. Gerade einmal 814,82 Euro brutto beträgt der derzeitige Richtsatz dieser Zulage. Das heißt für diese Menschen unterm Strich ein monatliches Auskommen von 750 Euro (!)...

Aber selbst die 40-Stunden-Erwerbsarbeit schützt nicht mehr vor Verarmung! Ein Vollzeitjob bringt immer häufiger nicht mehr genügend Geld, um abgesichert leben zu können! Eine Auswertung der Studie „Working poor. Trotz Einkommen kein Auskommen - Trend- und Strukturanalysen für Österreich im europäischen Kontext“ zeigt, dass in Österreich im Jahr 2008 rund 300.000 Menschen nicht mehr als 950 Euro brutto im Monat verdienten. Zieht man den Nettolohn heran, waren 16,5 Prozent der Erwerbstätigen aufgrund ihres geringen Einkommens von Armut bedroht.

Diese Tatsache steigender Armut trotz Arbeit bedeutet also in Zukunft ein weiteres Absacken unserer Renten! Unser Kollektivvertragssystem ist zwar gut, kann aber nicht einmal mehr für alle den, für die Alltagsbewältigung erforderlichen Mindestlohn sichern.

Wir brauchen daher dringend einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn! Denn höhere Löhne im Arbeitsleben führen zu höheren Pensionen im Alter!

Josef Stingl ist Betriebsrat der Lamerer Stuben in Innsbruck und GLB-Bundesvorsitzender