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Wie soll sich das ausgehen?

OÖ Heike Fischer zur Situation der Sozialarbeit

Da sind etwa neun Kinder und Jugendliche. Sie leben in einer Wohngemeinschaft, da in ihren Familien kein Platz für sie ist. Sie haben emotionale Kälte, Gewalt, Missbrauch und oft überforderte Eltern erlebt. Betreut werden sie von 5,25 Personaleinheiten mit fachspezifischer pädagogischer Ausbildung rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. Im günstigsten Fall gibt es zur Unterstützung in der Gruppe noch eine/n Praktikantin/en, einen Zivildiener und stundenweise eine Haushaltshilfe zum Kochen und Putzen.

Die neun vorbelasteten Kinder und Jugendlichen sollen so stabilisiert werden, dass eine Rückkehr in die Familie wieder möglich ist oder sie zum eigenständigen Leben befähigt werden. Sie sollen positive Schul- und Lehrabschlüsse erreichen, Regelmäßigkeit und Struktur für ihr Leben erlernen. Sie sollen emotional wieder ins Gleichgewicht kommen, sich ein soziales Lebensumfeld aufbauen und ihre Freizeit sinnvoll verbringen. So kann im Groben das qualitative Ziel ihrer Unterbringung in der WG beschrieben werden.

Die Betreuungspersonen sind mit Herz, Engagement, Fachwissen und Enthusiasmus dabei, die Kinder und Jugendlichen zu unterstützen. Von ihnen wird Qualität gefordert, nicht nur im Alltag mit den Betreuten auch in der schriftlichen Dokumentation und Berichterstattung.

Möglichst sollen sie zu Zweit im Dienst sein, damit sie sich in Gefahrensituationen (hohes Aggressionspersonal, geringe Frustrationstoleranz der Kids) gegenseitig unterstützen können. Sie sollen auf die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen eingehen und an den individuellen Zielsetzungen mittels individueller Betreuungspläne arbeiten.

Sie sollen Kontakt zu den Familien, Jugendämtern, Schulen, Lehrstätten usw. halten und möglichst auch Kenntnis über den Freundeskreis außerhalb der WG haben. Außerdem sollen sie sich im Team besprechen, ihre Arbeit reflektieren, sich in Projektgruppen des Betreibers der WG engagieren und sich weiterbilden.

Aber auch das Fachpersonal und die Unterstützungskräfte haben eigene Familien. Sie haben Anspruch auf ihren jährlichen Urlaub. Sie können krank werden und zur Pflege von Familienangehörigen zu Hause bleiben müssen. Ihnen steht eine regelmäßige, geplante Arbeitszeit zu. Diese ist durch lange (bis 52 Wochen) Durchrechnungszeiten und erweiterte Normalarbeitszeiten (oft Ausdehnung von mehr als 24 Stunden) ohnehin schon äußerst flexibel geregelt.

Und wer sich jetzt einen Taschenrechner nimmt und mal nachrechnet, wie 5,25 fachpädagogische Personaleinheiten und drei nicht voll einsetzbare Hilfskräfte einen Jahresplan rund um die Uhr abdecken sollen, der wird zu dem Schluss kommen, dass dies überhaupt nicht möglich ist. Welche Rechenmeister haben sich diese Richtlinien ausgedacht?

Also Schluss mit den zahlreichen Mehr- und Überstunden, Schluss mit den nicht abgebauten Urlaubstagen! Die Lösung liegt schlichtweg in einem höheren Personalschlüssel!

Heike Fischer ist Sozialpädagogin und Betriebsratsvorsitzende von Diakonie Zentrum Spattstraße Linz