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Gewerkschaften und NGOs für globales „Fair Play“

  • Mittwoch, 11. Juni 2014 @ 18:00
International Nur noch ein Tag trennt uns vom Anpfiff zum wohl spektakulärsten Sportevent der Fußballwelt, die WM in Brasilien. Die Austragung der Spiele im Land des häufigsten Fußballweltmeisters ist bereits im Vorfeld mit vielen Erwartungen und Emotionen verknüpft, die weit über sportliche Interessen hinausgehen, wie Gewerkschaften und NGOs heute im Rahmen einer Pressekonferenz des gemeinsamen Projekts „Nosso Jogo – Initiative für globales Fair Play“ erklärten. „Die FIFA, die am meisten von diesem Ereignis profitiert, lässt sich auf sehr unsportliche Weise vom Gastgeberland, die Errichtung der gesamten Infrastruktur, das erhöhte Sicherheitsaufkommen und Steuerfreiheit garantieren. Menschenrechte sind nicht Teil dieser Agenda“, kritisiert Christine Esterbauer, Pressesprecherin von „Nosso Jogo“. So zeigten die Vorbereitungen dieser Fußball-WM in Brasilien, dass neben den enormen wirtschaftlichen und politischen Anstrengungen, auch hohe soziale Kosten entstanden sind, die die Menschen auf die Straße brachten. So kam es vor den Spielen zu tödlichen Unfällen bei Bauarbeiten für die Fußballstadien und zu Zwangsvertreibungen von mittlerweile 250.000 Menschen für Infrastrukturprojekte.

Der Chef der Bau-Holz-Gewerkschaft aus Rio de Janeiro, Nilson Duarte Costa, heute auf Einladung von „Nosso Jogo“ in Wien, berichtete von der Situation der Bauarbeiter_innen in Brasilien. Er organisierte die Arbeiter_innen am Bau des bekannten Maracanã-Stadions, in dem das WM-Finalspiel stattfinden wird. „Brasilien baut einen sehr wettbewerbsfähigen Markt auf“ – weiß Duarte Costa zu berichten „aber der Wettbewerb und der Profitanspruch einiger Firmen führen dazu, dass Bauunternehmen Kosten reduzieren, indem sie billiges und schlechtes Material kaufen. Dieses Vorgehen hat unmittelbare negative Auswirkungen auf die Sicherheit der Arbeiter und Arbeiterinnen am Bau. Im Maracanã gab es wegen dem Kostendruck einen Unfall, weshalb die Gewerkschaft einen Streik ausrief, der 20 Tage dauerte. Wir forderten vom Unternehmen einen höheren Schutz der Arbeiter und Arbeiterinnen und bessere Arbeitsbedingungen.“

Von der schwierigen Arbeitssituation sprach auch Leila Regina da Silva, Aktivistin des Instituts für Nachhaltige Entwicklung (Insea) in Belo Horizonte. Sie begleitet den politischen Organisationsprozess der WM-Betroffenen. „Frauen, sind einer besonders hohen Gefahr ausgesetzt – viele werden in schlecht bezahlten Jobs ausgenutzt und sexuell ausgebeutet. Diese Ausbeutung ist auch dadurch bedingt, dass im Ausland brasilianische Frauen als touristische Attraktion vermarktet werden“, Da Silva kennt aber auch die Kehrseite der Zwangsräumungen, die soziale Räume und lang gewachsene Beziehungen zerstören: „ Frauen sind von Räumungen im Zuge der WM und Veränderungen im städtischen Raum am stärksten betroffen. Sie sorgen für die soziale Interaktion in der Gemeinschaft, treffen sich mit Freundinnen, wechseln sich mit Nachbarinnen in der Kinderbetreuung ab, damit jede die Möglichkeit hat, arbeiten zu gehen

Wie wichtig internationale Solidarität ist, um derartige Problemlagen bei sportlichen Großevents ans Licht zu bringen und für Veränderungen einzutreten, betonte auch Josef Muchitsch, Chef der österreichischen Bau-Holz-Gewerkschaft. Er setzt sich mit seiner Gewerkschaft für eine Neuvergabe der WM-Spiele 2022 ein, im Zuge deren Vorbereitung in Katar bereits 1200 Arbeiter_innen das Leben verloren haben: „Wenn die FIFA bestimmen kann, für welches Getränk im Umfeld solcher Großveranstaltungen exklusive Werbung gemacht werden kann, muss sie auch darauf achten, dass Fußball-WM-Austragungsorte die Menschenrechte einhalten und die Sicherheit der Arbeiter und Arbeiterinnen garantieren. Solange in Katar täglich Arbeiter und Arbeiterinnen sterben, werden wir diesen Wahnsinn mit weiteren Aktionen aufzeigen. Kein Fußballfan oder Profifußballer und -fußballerin darf akzeptieren, dass eine Weltmeisterschaft ‚auf 'blutiger Erde‘ ausgetragen wird“, betont Muchitsch.

Im Rahmen des Projekts „Nosso Jogo“ setzen sich zahlreiche österreichische NGOs, Gewerkschaften und Initiativen dafür ein, dass die Hintergründe zu den Ereignissen rund um die Fußball-WM in Brasilien auch dem österreichischen Publikum zugänglich gemacht werden. „ ‚Nosso Jogo‘ betont die positiven Werte des Fußballs als einen Sport, der kulturelle, soziale, geschlechtliche und sprachliche Grenzen aufhebt“ so Martin Kainz, Koordinator des Projekts.

„Mit dieser Initiative wollen wir zeigen, dass Fair Play nicht nur auf dem Rasen, sondern auch auf einer globalen gesellschaftlichen Ebene zu gelten hat. Zu diesem Zweck haben wir eine Petition ins Leben gerufen, die bindende Menschenrechtsstandards bei der Vergabe von Sportgroßevents fordert“, so Kainz. Die Petition „Für bindende Menschenrechtsstandards bei Sportgroßevents!“ kann online auf www.nossojogo.at unterschrieben werden.

„Nosso Jogo – Initiative für globales Fair Play“ ist eine Kooperation von FairPlay-VIDC, Frauensolidarität, Globalista, Jugend Eine Welt, Lateinamerika-Institut und Südwind. Neben den sechs Trägerorganisationen beteiligen sich über 80 Partnerorganisationen aus den Bereichen Kultur, Entwicklungspolitik, Sport und Umwelt an der Initiative.

Quelle und Infos: www.nossojogo.at