Altersarmut ist vorprogrammiert, auch für die jetzige Generation
Seit Jahrzehnten gibt es zahlreiche Studien, die wissenschaftlich belegen: Jeder Euro, der in Kinderbetreuung investiert wird, kommt mit dem sogenannten „Return on Investment“ der Gesellschaft mehrfach zugute: Chancengleichheit für Kinder und Frauen wird gefördert, Ungleichheiten zwischen Herkunftsfamilien und Geschlechtern werden verringert. Den schwarz-blauen Landesregierungen ist das aber egal. Sie entscheiden sich unter dem Vorwand der Budgetkonsolidierung für einen antifeministischen Backlash.
Natalie Hangöbl, KPÖ-Frauensprecherin und Klubobfrau der KPÖ PLUS im Salzburger Landtag
Gerade bei der Kinderbildung werden die absurden Strukturen des Föderalismus besonders deutlich – mit fatalen Folgen für Familien, Kinder und Frauen. Die Kinderbetreuungsgesetze verabschieden die Länder, umsetzen und finanzieren müssen sie die oft stark finanziell angeschlagenen Gemeinden. Bundesgelder, die mit großer medialer Aufmerksamkeit, wehenden Fahnen, Pauken und Trompeten angekündigt werden und ein Veränderungspotential bergen, können nur sehr kompliziert und unter großen Einschränkungen tatsächlich abgeholt werden.
Österreich: Föderalistisch und mit traditionalistischen Rollenbildern
Mehr als 50 Prozent der Frauen, aber weniger als 15 Prozent der Männer arbeiten in Lohnarbeit in Teilzeit, 60 Prozent der Alleinerzieherinnen sind armutsgefährdet, Frauen erhalten ca. 40 Prozent weniger Pension und etwa 16 Prozent weniger Lohn als Männer. Auch im Jahr 2026 ist unbezahlte Care-Arbeit in Österreich extrem ungleich verteilt. Frauen rutschen – vor allem, wenn sie Mütter sind – schnell in ein finanzielles Abhängigkeitsverhältnis. Im schlimmsten Fall begleitet von missbräuchlichem und gewalttätigem Verhalten.
Die Lösung liegt auf der Hand – es braucht leistbare, am besten kostenlose, hochwertige, flexible Kinderbetreuung, flächendeckend in ganz Österreich. Erstaunlicherweise ist das eine Forderung, in der sich progressive Kräfte, Feministinnen und Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung sogar weitgehend einig sind. Der breite, umsetzungsfähige Schulterschluss dieser unterschiedlichen Interessensgruppen fehlt aber bislang, um endlich die notwendigen finanziellen Mittel in die Hand zu nehmen.
Geschürte Angst vor Kinder- „Fremdbetreuung“
Mütter und Familie werden als der beste Ort für die Kinder dargestellt, um gleichzeitig sechs Millionen Euro vom Salzburger Landesbudget bei der Kinderbetreuung einzusparen – was bei einem Gesamtbudget von 4,5 Milliarden Euro wie ein schlechter Witz daherkommt.
Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svazek, die vor allem durch diverse Abschusserleichterungen für Wölfe, Biber, Graureiher und zahlreiche andere Tiere und Treffen mit der AfD andere politische Prioritäten verfolgt, hat kein Problem damit, die konsolidierten Millionen den Familien umzuhängen. Auswirkungen auf Frauen am Arbeitsmarkt und die mit Kinderbetreuung erwerbbaren Kompetenzen von Kindern sind für sie offenbar irrelevant – völlig ungeachtet jeglicher Forschungslage. Gleichzeitig ist es natürlich nicht genug, wenn die Lage in der Kinderbetreuung „nicht schlechter“ wird – gesellschaftspolitische Fragestellungen sind so nicht gelöst. Kostenlose und qualitativ hochwertige Kinderbildung und -betreuung bietet für die Chancengleichheit von Kindern enorme Möglichkeiten.
Ohne eine grundsätzliche Arbeitszeitreduktion aller Beschäftigten, attraktiveren Karenzmodellen und fairen Löhnen in Berufsfeldern mit hohem Frauenanteil werden sich Rollenbilder von Männern und Frauen und auch die Aufteilung der unbezahlten Arbeit nicht verändern. Im Bereich der Kinderbildung auch noch zu sparen, muss aber als das benannt werden, was es ist: Umverteilung von unten nach oben auf Kosten von Frauen und den Bildungschancen von Kindern.
