Lohnverlust im Handel: Wir fordern Mitbestimmung!

Drei Jahre in Folge ein Reallohnverlust, das ist das ernüchternde Ergebnis der Kollektivvertragsverhandlungen der letzten Jahre im Handel. Hört sich ja nicht dramatisch an, wenn als Ergebnis der KV-Verhandlungen jedes Jahr ca. 0,5% auf die rollierende Inflation fehlen – um welche Beträge es aber tatsächlich geht, ist ersichtlich bei einer Hochrechnung auf das Einkommen über ein ganzes Arbeitsleben. Unter der Annahme die Kollegin (Männer sind in dieser Branche sehr selten!) arbeitet 45 Jahre im Handel werden ihr am Ende ihrer Berufslaufbahn ca. 40 000.- Euro (niedrigere Verwendungsgruppen) bis 80 000.- Euro (höhere Verwendungsgruppen) an Einkommen fehlen.

Ein Kommentar von Gerhard Wimmer, ehemaliger langjähriger BRV im Handel

Schon der heurige KV-Abschluss der Metaller sorgte für Empörung, den Spitzenvertreter:innen der Handelsangestellten gelang es selbst dieses Ergebnis nochmals zu übertreffen (korrekt gesagt „zu untertreffen“). 3 Jahre in Folge sind die Beschäftigten im Handel nun mit sinkenden Realeinkommen konfrontiert, und das in einer Branche, die sowieso mit zu den schlechtest bezahlten Sparten gehört.

ENTWICKLUNG LOHNVERLUST HANDEL ( niedrige Beschäftigungsgruppen)
5 Jahre10 Jahre20 Jahre45 Jahre
– 2.511 Euro– 5.380 Euro– 12. 403 Euro– 40.857 Euro

Wagte die Gewerkschaft sich vor 2 Jahren noch darüber, vorsichtig zu kleinen Warnstreiks aufzurufen, werden mittlerweile Reallohnverluste als Verhandlungsergebnis akzeptiert, ohne überhaupt noch zu versuchen, mit Protestmaßnahmen (geschweige denn gar Kampfmaßnahmen wie z.B. ernst zu nehmende Streiks) bessere Ergebnisse zu erzielen.

Ist das die so hochgepriesene Sozialpartnerschaft?  Die Arbeitgeber verschweigen die Gewinne vieler Betriebe (die teilweise in Milliardenhöhe gehen) und nutzen die Verunsicherung der Menschen, um sie auf Verzicht und Zurückhaltung einzustimmen. Ja, es gibt Handelsbetriebe, die in der Krise sind. Die Ursachen dafür sind aber kaum die hohen Kosten für die Beschäftigten als viel mehr der Strukturwandel, der sich in dieser Branche abspielt (online-Shopping!) und die sinkende Kaufkraft aufgrund der sinkenden Einkommen.

Gleichzeitig gibt es Handelsbetriebe, deren Gewinne Jahr für Jahr höher ausfallen – und große österreichische Betriebe, die ihre Gewinne in besonders steuerbegünstigte EU-Länder transferieren (manche werben ja sogar damit: „ …….- Alles ist möglich!“). So ersparen sie sich einen Großteil der normalerweise anfallenden Körperschaftssteuer.

Und was machen die Vertreter:innen der Gewerkschaft gpa, die Interessensvertreter:innen der Arbeitnehmerinnen? Sie zeigen Verständnis für die ach so schwierige wirtschaftliche Situation, die maximale Forderung schon vor Beginn der letzten KV-Verhandlungen lautete: Ausgleich der rollierenden Inflation!

Das kann es nicht sein! Die Konzerne haben vergessen: Ohne uns Beschäftigte läuft nichts!

Daran zu erinnern, das ist die Aufgabe einer kämpferischen Gewerkschaft. Und damit sie sich dessen auch wieder bewusst wird, fordern wir: Keine KV-Abschlüsse ohne vorhergehende Urabstimmung unter den Betriebsrät:innen und Mitgliedern! Denn: Wir sind die wirklich Betroffenen!

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