Am 9. Jänner war Fat Cat Day

Der jährlich stattfindende Fat Cat Day verdeutlicht beeindruckend, wann die Führungskräfte börsennotierter Unternehmen (ATX) das durchschnittliche Jahreseinkommen der Österreicherinnen und Österreicher erreicht haben. In diesem Jahr war dies bereits am 9. Januar der Fall.

Berechnet von der Arbeiterkammer, ermöglicht der Fat Cat Day einen Vergleich zwischen den Durchschnittsgehältern der Vorstände der zwanzig größten ATX-Unternehmen und dem Medianeinkommen aller Beschäftigten in Österreich. Im Anschluss wird eine Liste der zwanzig Top-Verdiener präsentiert – wobei es angesichts lediglich einer weiblichen Führungskraft treffender wäre, von den „fettesten Katern“ zu sprechen. Diese erzielen einen durchschnittlichen Stundenlohn von rund 800 Euro.

Wie schon im Vorjahr führt auch heuer Anas Abuzaakouk (BAWAG Group AG) die Rangliste der ATX-Manager an. Nach Einrechnung des Neujahrstags und eines Wochenendes hatte er das durchschnittliche österreichische Jahreseinkommen nach nur 14 Arbeitsstunden bereits am 4. Januar erreicht. Ihm folgt Joachim Schönbeck (Andritz AG) auf dem zweiten Platz, dessen Verdienst jedoch weniger als die Hälfte von Abuzaakouks Gehalt beträgt.

Die einzige Frau unter den Top 20 ist Radka Doehring (Immofinanz AG). Mit einem Jahreseinkommen von rund einer Million Euro belegte sie den 19. Platz. Am unteren Ende dieser elitären Liste rangiert Stefan Szyszkowitz (EVN AG), dessen Einkommen bei etwa 0,8 Millionen Euro liegt. Mit diesem Betrag bleibt er unter der Grenze für den Spitzensteuersatz.

Der Fat Cat Day verdeutlicht die bestehenden Ungleichheiten in der Einkommensverteilung. Der Kontrast zwischen Medianeinkommen und ATX-Vorstandsgehältern macht deutlich, dass die Hälfte aller einkommensteuerpflichtigen Personen in Österreich nicht einmal bis Jahresende das “14-Arbeitsstunden-Gehalt” der hochbezahlten Führungskräfte erreichen.

Zu bedenken ist außerdem, dass Reichtum oft in unmittelbarem Zusammenhang mit Armut steht. In Österreich gelten etwa 1,5 Millionen Menschen – rund 16,9 Prozent der Bevölkerung – als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Ihr Einkommen beträgt weniger als 60 Prozent des Medianwerts mit jährlich knapp 20.000 Euro. Für rund 120.000 Erwerbstätige ist dies sogar trotz Arbeit Realität, wobei insbesondere Frauen betroffen sind.

Sollten diese Menschen auf das Jahreseinkommen von Anas Abuzaakouk hinarbeiten wollen, müssten sie dafür 550 Jahre oder sechs bis sieben Leben dafür aufwenden. Selbst um das Einkommen des letztplatzierten „Katers“ auf der Liste zu erreichen, wären gut 40 Jahre nötig, eine Dauer, die in etwa einem gesamten Arbeitsleben entspricht.

Josef Stingl

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