Die USA kolonialisieren Venezuela und erdrosseln Kuba
Mit der „Donroe-Doktrin“ hat die Trump-Administration ein neues Paradigma formuliert. Nach der Entführung von Venezuelas Präsident Maduro folgt nun die totale Ölblockade gegen Kuba. Während Europa schweigt oder gar mittut, mobilisiert die internationale Gewerkschaftsbewegung gegen den imperialistischen Raubzug.
Michael Wögerer, Gewerkschafter und freier Journalist
Venezuela: Vom Militärschlag zur Kolonialverwaltung
In der Nacht vom 2. auf den 3. Jänner 2026 bombardierten US Streitkräfte militärische Einrichtungen in Caracas und entführten Präsident Nicolás Maduro sowie seine Ehefrau Cilia Flores. 80 Menschen starben bei der Operation, darunter 32 kubanische Elitesoldaten. Maduro sitzt nun in einem New Yorker Gefängnis – ein beispielloser Völkerrechtsbruch. Trump ließ keinen Zweifel an seinen Absichten: „Wir werden Venezuela regieren“, verkündete er.
Die Beute ist bereits verteilt: Chevron, ExxonMobil, Shell, Halliburton und andere Energiekonzerne wurden ins Weiße Haus geladen, um über die Plünderung venezolanischer Ressourcen zu verhandeln. Trump kündigte an, sich 50 Millionen Barrel Öl als „Kriegsbeute“ anzueignen. Die Übergangsregierung unter Vizepräsidentin Delcy Rodríguez fordert die Freilassung Maduros und versucht zu deeskalieren – was ihr prompt Angriffe der rechten Opposition einbringt. Oppositionsführerin María Corina Machado bezichtigt sie öffentlich der Unzuverlässigkeit, weil Rodríguez nicht bedingungslos mit Washington kollaboriert.
Kuba: Humanitäre Katastrophe durch totale Blockade
Nur drei Wochen später folgte der nächste Schlag: Am 29. Jänner unterzeichnete Trump eine Exekutivanordnung, die Strafzölle gegen alle Länder vorsieht, die Kuba mit Erdöl beliefern. Die kubanische Regierung verurteilte in ihrer Erklärung vom 30. Jänner „die absurde Behauptung, dass Kuba eine ‚ungewöhnliche und außergewöhnliche Bedrohung‘ für die USA darstelle“. Tatsächlich hat Kuba laut eigenen Angaben nur noch Ölreserven für 15 bis 20 Tage. Ohne Treibstoff droht der Zusammenbruch der Stromversorgung, der Krankenhäuser, der Landwirtschaft – eine humanitäre Katastrophe für elf Millionen Menschen. Dennoch eskaliert Washington die seit 64 Jahren bestehende Blockade zur totalen wirtschaftlichen Erdrosselung. Die Botschaft aus Havanna ist unmissverständlich: „Vaterland oder Tod, wir werden siegen!“
Monroe-Doktrin 2.0: Lateinamerika als Hinterhof
Was sich hier abspielt, ist die Wiederbelebung der Monroe-Doktrin, einer 200 Jahre alten imperialistischen Strategie auf dem amerikanischen Kontinent – in Anspielung auf Trumps Vornamen neuerdings auch „Donroe-Doktrin“ genannt. US Senator Rick Scott verkündete Anfang Jänner den Fahrplan: „Das ist der Beginn in Venezuela, dann werden wir die Situation in Kuba bereinigen, dann Nicaragua und nächstes Jahr einen neuen Präsidenten in Kolumbien.“ Die Methoden: Öltanker werden gekapert, über 100 Menschen auf angeblichen Drogenbooten ermordet und Staatsoberhäupter entführt. Der Imperialismus im Niedergang greift zur nackten Gewalt, weil ihm die ökonomische Integrationskraft fehlt.
Europas Schweigen, Österreichs Komplizenschaft
Die EU reagiert mit beschämender Zurückhaltung. Außenbeauftragte Kaja Kallas fordert lediglich „Mäßigung“ – während sie bei der Ukraine sofort härteste Sanktionen verhängte. Estland änderte sogar sein UN Abstimmungsverhalten und stimmte erstmals gegen die Resolution zur Aufhebung der Kuba-Blockade. Der österreichische Bundeskanzler schweigt, sein Vorgänger Sebastian Kurz jubelte über Maduros Entführung als „hervorragende Neuigkeiten für die freie Welt“.
Gewerkschaften mobilisieren weltweit
Anders die internationale Gewerkschaftsbewegung: Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) und der Gewerkschaftsbund der Amerikas (TUCA) verurteilten den Angriff am 3. Jänner scharf. IGB-Generalsekretär Luc Triangle stellte klar: „Diese Handlungen dienen in keiner Weise der Verteidigung der Demokratie. Sie sind eindeutige Aggressionen im Rahmen einer militarisierten Außenpolitik, die von einseitigen wirtschaftlichen Interessen motiviert ist.“ TUCA-Generalsekretär Rafael Freire bekräftigte: „Wir verteidigen Venezuela und ganz Lateinamerika als Gebiet des Friedens. Wir akzeptieren keine Invasion und Gewalt gegen unsere Völker.“
Auch der Weltgewerkschaftsbund (WGB) verurteilte die „imperialistische Intervention in Venezuela, die auf die Kontrolle der Mineral- und Energieressourcen des Landes im Rahmen des interimperialistischen Antagonismus abzielt“ und rief die klassenorientierten Gewerkschaften weltweit zur Solidarität auf.
Von Los Angeles bis Athen, von Johannesburg bis Wien gingen Gewerkschafter:innen auf die Straße; denn was heute Venezuela und Kuba geschieht, bedroht morgen alle, die sich gegen imperialistische Ausbeutung wehren.
