Schuldenberatung: In der Klemme

Ein bekanntes Sprichwort besagt: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Ähnlich sieht es laut der Gewerkschaftlichen Linken (GL) bei der Inflation aus: Ein einzelner Monat mit niedriger Inflationsrate beendet längst nicht die anhaltende Kaufkraftkrise. Immer mehr Menschen können mit ihrem Einkommen nicht mehr über die Runden kommen, und viele landen schließlich in der Schuldnerberatung.

Doch nun steht die Tiroler Entschuldungsberatungsstelle selbst vor ernsthaften finanziellen Herausforderungen. Eine unzureichende Finanzierung, etwa weil das Land Tirol die ohnehin geringe Anpassung der KV-Gehälter nicht ausgleicht, sowie eine zunehmende Anzahl und Komplexität der Fälle führen dazu, dass am Standort Innsbruck bis Ende April keine neuen Klient:innen mehr aufgenommen werden können. Ohne fachliche Beratung ist eine effektive Entschuldung jedoch kaum möglich.

Um die Situation im Großraum Innsbruck zu entschärfen, wären mindestens drei zusätzliche Berater:innen-Stellen notwendig. Derzeit müssen Betroffene bereits bis zu zwei Monate auf einen Beratungstermin warten, was eine rechtzeitige Unterstützung immer schwieriger macht.

Die schwarz-rote Landesregierung sieht dennoch keinen Grund zum Handeln. Einen Dringlichkeitsantrag zur finanziellen Sicherung der Tiroler Schuldenberatung hat sie kurzerhand abgelehnt. Ihrer Auffassung nach sei die Förderung seit Amtsantritt bereits um fast 30 Prozent erhöht worden, während der Verbraucherpreisindex lediglich um 14,9 Prozent gestiegen sei. Trotz Sparkurs seien für die Jahre 2026 und 2027 zudem keine Kürzungen (aber eben auch nicht Teuerungs- und Gehaltsanpassungen) nicht vorgesehen.

Für die Gewerkschaftliche Linke ist das ein klassischer Fall von Sparen an der falschen Stelle: Mittelfristig steigen so die jetzt eingesparten Fördermittel durch Folgekosten bei Sozialhilfe und Gesundheitssystem, Arbeitsmarktintegration und Wohnraumsicherung! Vor allem von Landesvize Phillip Wohlgemuth hatten sich die Linksgewerkschafter:innen in Anbetracht seiner Erfahrung als ehemaliger Tiroler ÖGB-Chef mehr erwartet. Gerade er müsste wissen, dass Krisenzeiten insbesondere die Einkommensschwachen und Mittelschichten überproportional hart treffen.

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