Gemeinsam gegen kapitalistische Ausbeutung
Liebe Genoss:innen, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Zunächst möchte ich mich wie immer dafür bedanken, dass ich hier als Wiener Landesvorsitzender und AK-Rat des Gewerkschaftlichen Linksblocks, des GLB, und vor allem als einer von euch sprechen darf. Nur gemeinsam können wir etwas verändern! Ich freue mich, dass so viele junge und engagierte Leute auch bei der traditionellen Ersten Mai Demo kommunistische Ziele vertreten und die Ausbeutung durch die Lohnarbeit thematisieren.
Der 1. Mai ist ursprünglich kein Feiertag, er ist ein Kampftag. Ich möchte einen kurzen Abriss der Entstehung des 1. Mai geben, der in der Gewerkschaftsbewegung liegt. Am 1. Mai 1884 begann in den USA ein großer Generalstreik. Ziel war es, die tägliche Arbeitszeit auf acht Stunden zu verkürzen. 1890 fanden dann auch in Österreich Demonstrationen zu Arbeitszeitverkürzung und für das allgemeine Wahlrecht statt. Dabei wurde auch eine traditionelle „Corsofahrt“ der Aristokratie auf der Ringstraße verhindert. Arbeiter:innen nahmen sich den Raum, der Bourgeiosie aus Bürgertum und Adel vorbehalten war.
Ab 1892 fanden sozialdemokratische, aber auch kommunistische Aufmärsche statt. Die Klassenverhältnisse wurden kritisiert und das Selbstbewusstsein der Lohnarbeiter:innen wurde thematisiert. Nach dem Ersten Weltkrieg ließen sich die Kundgebungen auch im austrofaschistischen Regime nicht unterkriegen: Es wurden alternative Feiern und kleinere Märsche organisiert.
Symbolträchtige Aktionen waren zum Beispiel das Aufhängen roter Bettlaken anstelle verbotener Fahnen. Kommunist:innen organisierten trotz des Verbots weiterhin politische Aktivitäten – ein mutiger Akt des Widerstands. Dieser Mut ist unser Erbe!
Nach der Unterdrückung im Nazi-Regime gab es ab 1945 bald einen Bruch innerhalb der Arbeiter:innenbewegung. Die Sozialdemokratie feiert seitdem den 1. Mai meist als „Siegeszug“ der Sozialpartnerschaft. KPÖ und andere kritische Organisationen wie der GLB bieten einen protest- und klassenkämpferischen Ansatz.
Wir müssen den 1. Mai nicht als „Tag der Arbeit“ begreifen, sondern als Tag der lohnarbeitsabhängigen Menschen jedes Alters und jedes Geschlechts – ein Symbol für den gemeinsamen Kampf um mehr gesellschaftliche Rechte und Errungenschaften. Die Sozialpartnerschaft als Herrschaftselement der Mächtigen lehnen wir ab. Keine Partnerschaft mit dem Kapital!
Aktuell dominieren Imperialismus und Krieg die Weltpolitik. Wir müssen gemeinsam aufstehen gegen geopolitische Machtinteressen und kapitalistische Ausbeutung.
Echter Frieden ist sozialer Frieden. Und sozialer Frieden ist unvereinbar mit einem System, das auf Konkurrenz, Ausbeutung und Profit basiert. Deshalb gehen wir – auch im Zeichen der desaströsen Sparpakete und fortschreitenden Zerstörung der Daseinsvorsorge – am 1. Mai gemeinsam für die Stimmen aus den Betrieben auf die Straße! Aber nicht nur dann!
Zum Abschluss möchte ich gerne kurz darauf hinweisen, dass der GLB eine Kampagne gestartet hat:
Jeden Tag wird das Leben teurer! Während Miete, Heizen, Mobilität und selbst Lebensmittel für viele Menschen in unserem Land immer mehr zur finanziellen Belastung werden, steigt gleichzeitig der Reichtum einiger, weniger Menschen.
Milliarden, die in Aufrüstung fließen und die Gewinne der Rüstungskonzerne finanzieren, müssen sofort eingespart werden. Gleichzeitig braucht es ein Steuersystem, das endlich die großen Vermögen einbezieht, in Form einer Vermögenssteuer. Wir bitten euch, unsere Kampagne mit eurer Unterschrift zu unterstützen!
Glück auf und Freiheit!
Rede von Patrick Kaiser am 1. Mai in Wien vor der Albertina;
Landesvorsitzender GLB Wien, Personalvertreter im WiGev, AK-Rat
