Hände weg von der Abfertigung

Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung verlangen immer wieder eine Senkung der Lohnnebenkosten. Dabei ersparen sich die Unternehmen seit 1.1.2003 mit der Einführung der „Abfertigung neu“ schon Millionen. Sie müssen keine Rücklagen für die Abfertigung bilden, sie brauchen sich nicht mehr um die Auszahlung kümmern. Sie zahlen nur mehr 1,53% des Bruttogehalts pro Dienstnehmer:in an eine der acht betrieblichen Vorsorgekassen.

Ein Kommentar von Anita Kainz

Hier ein Vergleich der Berechnung Abfertigung alt und neu:

Bei einem monatlichen Einkommen von brutto 3.000 Euro betrug die alte Abfertigung nach 10 Jahren 14.000 Euro und wurde automatisch dem/der DienstnehmerIn vom Unternehmen ausgezahlt. Für die Abfertigung neu liegen 6.426 Euro (weniger als die Hälfte der alten Abfertigung) in einer Vorsorgekasse, die bis zur Pension bleiben und nur auf Verlangen ausbezahlt werden.

Die Regierung hat jetzt einen Generalpensionskassenvertrag beschlossen, damit die Betroffenen sich ihre Abfertigung auch als Zusatzpension auszahlen lassen können.

So weit, so gut, aber da sind noch einige Fragen offen. Wann können Dienstnehmer:innen die Entscheidung treffen, ob sie eine Auszahlung oder Übertragung wünschen? Da hat Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbands der Pensions- und Vorsorgekassen schon am 19.12.25 im Standard eine klare Meinung: „Die Entscheidung sollte zum Pensionsantritt getroffen werden.“ Da sei nämlich der Zeitpunkt, an dem die Menschen die genaue Höhe ihrer ASVG-Pension kennen und einen Überblick über ihre Kosten haben.

Der Name „Vorsorgekasse“ wurde schon 2003 bewusst ausgewählt, damit das Wort „Abfertigung“ schön langsam aus den Köpfen der Dienstnehmer:innen verschwindet und der Fokus nur mehr auf die Pension gerichtet wird.

Nicht nur, dass die Abfertigung neu viel geringer ist als die alte Abfertigung, lauern schon die privaten Pensionskassen auf das zu erwartende Kapital, um noch mehr Gewinne auf Kosten der DienstnehmerInnen zu machen und unser staatliches Pensionssystem noch schlechter reden zu können.

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