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Freundschaft

Salzburg Ein "Offener Brief" von Gerd Haslinger, Betriebsratsvorsitzeneder EZA an GPA-djp-Regionalgeschäftsführer Gerald Forcher und AK-Präsident Siegfried Pichler zur Causa Red Bull-TV

Lieber Gerald, lieber Sigi, in Tagen wie diesen verwundert mich ja nur mehr wenig, schon gar nicht wenn es um Prinzipien und Werte geht (und damit meine ich leider nicht die „rechte“ Seite des Landes). Ja, eigentlich wird es mittlerweile schon zur Gewohnheit. Trotzdem ist es mir NICHT egal, wenn ich mich als Betriebsrat eines Betriebes (mit einem für den Handel ungewöhnlich hohen Organisationsgrad; muss das wieder betonen, weil sowas ja nicht von ungefähr kommt) - wieder - für eine super AK/Gewerkschaftsaktion rechtfertigen muss. Das macht richtig Spaß.

Ihr werdet es nämlich nicht fassen: nicht nur die bekannt linkslinke Tageszeitung "Die Presse" findet den Sager über (ich zitiere) „Ob Mitarbeiter ihre innerbetrieblichen Mitwirkungsrechte wahrnehmen wollen, obliege ausschließlich ihnen selbst, sagte Forcher.“ als einen „spannenden Satz aus dem Munde eines Gewerkschafters“. Nein, komischerweise denken sich das auch bei uns im Betrieb viele.

Bei uns können sich auch die meisten die unglaublich freie, unbeschwerte und von Zwängen völlig freie Atmosphäre vorstellen, die dazu beigetragen hat, dass die Unterschriftenliste bei Red Bull zustande gekommen ist. Geht ja nix über eine spontane, freie Meinungsäusserung. Unsere KollegInnen finden es auch supergut, dass der Erhalt von Arbeitsplätzen jetzt endlich auch bei der Gewerkschaft und der AK alles andere sticht. So eine Argumentation war wirklich zu lange den UnternehmerInnen vorbehalten und es ist ja auch wirklich höchst an der Zeit, dass gewerkschaftliche Organisationen die Kernarbeitsnormen der ILO überdenken. Also zumindest dann, wenn es zu Repressionsmaßnahmen seitens Unternehmern kommt.

Genauso gut finden wir es auch, dass sich die Kampforganisation der Arbeiterschaft schon einen Tag nach der „geharnischten“ Kritik am reichsten Österreicher (damit er sich nicht zu stark fürchten muss heißt`s dann aber gleich in der Erstreaktion “Wir haben Herrn Mateschitz bislang als sehr verantwortungsvollen und ehrbaren Unternehmer geschätzt, der sich auch seiner sozialen Verantwortung stets bewusst war.”) vor die Presse stellt und die „Fortsetzung der parteipolitisch unabhängigen Linie“ (orf) begrüßt. Da hat aber wer in der Witzkiste übernachtet.

Aber in Zeiten wie diesen braucht es Besonnenheit und starke Signale. Es heißt ja auch „UnternehmerInnen, hört die Signale“ – oder sollte da wer das Lied verwechselt haben? Zum Beispiel ein Signal an alle UnternehmerInnen, dass man nur von heut auf morgen alle MitarbeiterInnen medienwirksam vor die Tür setzen, eine zwanglose Unterschriftenaktion einleiten muss um schon am nächsten Tag eine Unterwerfungsgeste der Gewerkschaft zu bekommen und dann natürlich die Arbeitsplätze erhalten kann. Ach ja, natürlich ohne Betriebsrat, aber wer braucht den schon? Vielleicht sollten wir darüber mal (in aller Besonnenheit) mit unserer Chefin reden?

Ich freue mich auch schon über Eure Unterstützung für jene Leute, die bei Servus TV den Betriebsrat initiieren wollten. Ach ja, irgendwie wollte das ja sowieso niemand – schon gar nicht die Gewerkschaft, alles ein Irrtum (weshalb der Herr Mateschitz dann irrtümlich aktiv wurde). Darum freu ich mich schon jetzt auf die kompromisslose Unterstützung jener, die NICHT unterschrieben haben. Da kann sich der Herr Mateschitz sicher schon jetzt warm anziehen (nur für den unwahrscheinlichen Fall dass der Mr. Arbeitnehmerfreund da jetzt auf Ideen kommen könnte).

Trotzdem bin ich aus mir unerklärlichen Gründen irgendwie dann doch ganz schön froh, dass ich in einen Betrieb gekommen bin, in dem die Gründung eines Betriebsrats schon Geschichte war, ich mich sozusagen nur mehr ins gemachte Nest setzen musste.

Ich bin mir auch sicher, dass die ganzen Gerüchte, dass die Horuckaktion des „Sonnenkönigs“ Mateschitz (standard) nur deshalb zurückgenommen wurde, weil sie so kurzfristig vor allem Mehrkosten verursacht hätte, nicht stimmen können und dass wir uns auch in 1-2 Jahren noch über das „Servus-TV“ als Arbeitgeber freuen können. Weil da jetzt ihre Arbeitsplätze sicher nachhaltig gesichert wurden. Read my lips, tät der Herr Mateschitz sagen - vermute ich mal.

Wir als Gewerkschaftsfunktionäre freuen uns natürlich auch über die mördermäßig gute Presse, die unsere Organisation jetzt bekommen hat – kann man in Zeiten wie diesen wirklich gut gebrauchen! Hauptsache die Marke „Red Bull“ wird von niemandem beschädigt, das wollen wir ja wirklich nicht. Nicht nur wegen der Arbeitsplätze die verloren gehen, aber es könnte ja direkt der Eindruck entstehen wir leben in Russland oder der Ukraine. Weil da soll es ja Oligarchen geben. So grausliche Milliardäre die aus purem Eigennutz hinter der Fassade einer Demokratie tun und lassen was sie wollen. Bei denen im Osten – nicht bei uns, da ist man dann schon froh, wenn es Milliardäre gibt die sich für eine Reichensteuer aussprechen. Gut, über die Höhe wurde nichts verlautbart und sicherlich hat es auch gar nichts damit zu tun, dass dies Herr Mateschitz im Wissen um eine Partei, die schon im Liegen umfällt, geäußert hat. Vielleicht ist es ja auch nur eine Unterstellung, möglicherweise braucht er ja gar nicht so viel Geld.

Vielleicht solltet Ihr diese geniale Vorgangsweise aber auch mal unseren deutschen KollegInnen verklickern. Die kapierens nämlich irgendwie nicht. Da hat doch tatsächlich die ver.di der Bagel Direkt GmbH – Belegschaft, die gekündigt werden sollte weil ein Betriebsrat gegründet werden sollte „ihre Unterstützung“ zugesagt. Und damit haben die doch tatsächlich nicht den Verzicht auf einen Betriebsart gemeint! Aber wer versteht schon die Piefke.

So und nachdem ich Euch mitgeteilt hab, wie sehr wir uns hier freuen, dass Ihr gewerkschaftliche Grundprinzipien im Interesse von 200 ArbeitnehmerInnen, die keinen Betriebsrat wollen (und wahrscheinlich auch keine Gewerkschaftsmitglieder sind) aufgegeben habt, will ich Euch auch gleich beruhigen.

Wir werden Euch nämlich nicht mitteilen wie gut es bei uns ankommt, dass unser Präsident (Foglar) auf den Rechtsruck in Österreich endlich heroisch reagiert hat und nun auch sicherlich knallhart die Position der Gewerkschaft bei der SPÖ-Haltungsfindung (lt. Duden nicht nur Körperhaltung?) zur FPÖ deponiert.
Weil die ja mittlerweile für ganz viele innerhalb des Verfassungsbogens angekommen ist und erfahrungsgemäß auch eine TOP-Haltung gegenüber Gewerkschaften hat. Aber wie es der ÖVP-„Erklärbär“ (maschek) Andreas Khol so treffend sagte: „Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit“ (und nicht irrtümlich „dem Menschen zumutbar“). Und diese TOP-Haltung werden auch alle ArbeitnehmerInnen bei schwarz-blau oder rot-blau zu spüren bekommen. Und da ist es gut, wenn in aller Prinzipientreue und Besonnenheit daran mitgewirkt wird.

Also, recht freundschaftliche Grüße von der Basis
Gerd

PS: Hab bei der Proletenpassion doch tatsächlich verirrte Gewerkschaftsfunktionäre erspäht. Was die sich wohl gedacht haben als das Schild „Servus Betriebsrat“ in die Höhe gehalten wurde und dazu geklatscht (????) wurde.

PPS: Solltet Ihr daran denken: nein, Ihr braucht nicht zu antworten. Hab irgendwie das Gefühl, dass wir Eure Replik nicht verstehen könnten. Sogar dann nicht, wenn wir sehr besonnen darüber nachdenken.